Winfried Hau

Pilger

Sie sind mehr als 20 Stunden geflogen, haben in billigsten Herbergen übernachtet, sind in überfüllten Bussen über gefährliche Pässe gefahren, um endlich das vorläufige Ziel, den Fuß des heiligen Berges zu erreichen.
Auf dessen Gipfel soll Gott selbst erschienen sein.
Erst folgen die Pilger einem schmalen Pfad, der sich serpentinenartig durch dichten Wald nach oben schlängelt. Sie stolpern über Wurzelwerk,  schlagen sich fremdartige Insekten aus dem Gesicht.
Dann erreichen sie die Schneegrenze. Sie kämpfen sich vor, schwer keuchend, Schritt für Schritt, gegen eisigen Wind kämpfend.
Endlich, halb bewußtlos, erreichen sie den Gipfel.
Dort steht eine Gestalt, halb dem germanischen Odin, halb dem christlichen Vatergott gleichend.
"Ich bin nur ein Streckenposten", sagt er. "Ihr müßt weiter, immer weiter hinauf ins Gebirge, an vielen Streckenposten vorbei, immer weiter, immer höher, um vielleicht einen verwehten Fußabdruck von Gott zu sehen."
Die Pilger ziehen weiter. Nach und nach bricht einer nach dem anderen zusammen. Leichen säumen den Weg ins Gebirge.

Ein einziger Pilger, so heißt es, soll einmal den Gipfel aller Gipfel erreicht haben.
Von dort erklingt manchmal ein verzweifelter Schrei, der in windstillen Nächten bis in die tiefsten Täler hinein zu hören ist.

Jeden Tag strömen neue Pilger heran.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.01.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

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