Iris Klinge

Zwei Seelen

Nein, es ist kein Zufall. Zwei grundverschiedene Menschen, der eine weiß, der andere pechschwarz, treffen sich am Ende der Welt, und doch sind sie sich vom ersten Moment an so vertraut, als ob sie sich schon immer gekannt hätten.

Wir sind in den Niederländisch Antillen gelandet. Von den über 100 Appartments im Angebot habe ich im Internet das ausgewählt, dessen Besitzerin eine afrikanische Schamanin ist.

Die Affinität zwischen uns war von Anfang an da. Ihre Sprache, das Papiamentu, eine Mischung aus Spanisch und Afrikanisch, war kein Hinderniss in unserer Verständigung. Schon bald erzählte sie mir ihre Lebensgeschichte.

Ihr ältester Sohn kam bei einem Autounfall ums Leben. Einen Monat davor sah sie ihren Sohn mit abgerissenem Kopf im Sarg liegen. Die Familie brachte sie zum Psychiater, der ihr Beruhigungsmittel verschrieb, denn die düsteren Bilder verfolgten sie. Doch nach dem Tod ihres Sohnes wurde klar, dass sie nicht von einem bösen Geist besetzt war sondern hellsichtig.

Von diesem Zeitpunkt an veränderte sich ihr Leben. Sie wusste, dass sie mit dieser besonderen Gabe anderen Menschen helfen konnte. Als Krankenschwester in einem Hospiz in Holland begleitete sie liebvoll die Sterbenden auf ihrem letzten Weg.

Vor zwei Jahren, nun im Ruhestand, kehrte sie auf ihre Heimatinsel Curacao zurück, wo sie als kleinen Nebenverdienst die Einliegerwohnung ihres Bungalows vermietet.

Nun engagiert sie sich für den Umweltschutz auf ihrer Insel, denn hier werden noch alle Abfälle ungetrennt in die Mülleimer geworfen, und das Bewußtsein der Einheimischen ist noch stark unterentwickelt. Ein Paradies wird langsam zerstört.

Als vor vielen Jahren eine Raffinerie gebaut wurde - das Rohöl wird in riesigen Tankern aus Venezuela heran geschifft - war die bis dahin arme Bevölkerung froh, Arbeit zu haben und zu einem bescheidenen Wohlstand zu kommen. Inzwischen vergiftet die Petrochemie die Luft nahe der Hauptstadt, und der inzwischen florierende Tourismus - heute die Einnahmequelle Nummer eins - leidet.

Noch sind außerhalb der Stadt die Korallenstrände intakt. Das Wasser türkisfarben und kristallklar. Doch auch da liegt der Unrat in Form von Plastiktüten, Bierdosen und Zigarettenschachteln herum und wird ins Meer gespült. Es ist höchste Zeit, die Bevölkerung wach zu rütteln, bevor ihr kleines Paradies unwiederbringlich zerstört ist.

Wie in so vielen Ländern unseres Planeten braucht es Menschen, die nicht nur im Hier und Jetzt leben sondern auch an die Zukunft unserer Erde denken und versuchen, sie für die nachkommenden Generationen zu retten.

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