Ingrid Baumgart-Fütterer

Liebes – Dilemma

Liebes – Dilemma
Gibt es einen Ausweg aus der emotionalen Zwickmühle?


Die Beziehung zwischen ihm, einem einflussreichen, gut situierten Endvierziger und der blutjungen Psychologiestudentin, die sich seit ca. einem Jahr von ihm aushalten lässt, gestaltet sich als äußerst schwierig. Zu seinem Leidwesen ist sie kein Kind von Traurigkeit und dem Flirten mit anderen Männern durchaus nicht abgeneigt. Er dagegen möchte möglichst viel Zeit mit ihr verbringen, um ihre Paarbeziehung zu festigen. Doch sobald er dieses Thema zur Sprache bringt, verhält sie sich ihm gegenüber merkwürdig distanziert. Auch teilte sie ihm des Öfteren mit, dass sie nicht in ihn verliebt sei, aber auf gelegentliche intime Treffen mit ihm weiterhin nicht verzichten wolle. Er gibt die Hoffnung auf eine feste Liebesbeziehung nicht auf, zumal er zu spüren glaubt, dass sie auf energetischer Ebene aufgrund einer gewissen Seelenverwandtschaft füreinander bestimmt seien. Es kommt ihm vor, als würden sie einen intensiven Gedankenaustausch ganz ohne Worte nur über die Sprache ihrer Herzen pflegen.

Als Topmanager eines Großunternehmens hat er das Sagen und ist in der Lage, sich in der Öffentlichkeit geschäftstüchtig in Szene zu setzen. In einer intimen Beziehung jedoch gerät er seelisch ins Schleudern, sobald er mit der
hochsensiblen Feinregulierung von Nähe und Distanz konfrontiert wird. Seinem Bedürfnis mit der Partnerin eins zu werden im Sinne einer „Verschmelzung“ auch auf seelisch - geistiger Ebene, stellt sich seine Angst vor einem drohenden Selbstverlust und der Aufgabe seiner mühsam errungenen Unabhängigkeit in den Weg. Dass sich seine Ich- Identität inmitten der als beglückend erlebten Sinnlichkeit aufzulösen droht, stellt für ihn eine immense Belastung dar. Die starke Identifizierung mit seinem beruflichen Status muss in solchen Momenten allzu oft als seelisches Entlastungsventil herhalten.

Er wittert Gefahr, in eine ähnliche Beziehungsfalle zu geraten, in der er in seiner kinderlosen, vor zwei Jahren geschiedenen Ehe seit einer gefühlten Ewigkeit festsaß. Nur unter größten Mühen gelang es ihm, sich daraus zu befreien, um seinem Privatleben endlich wieder mehr Selbstausdruck verleihen zu können. Da aber seit jeher sein Herz eine völlig andere Sprache spricht als sein Kopf, fühlt er sich nach wie vor von widersprüchlichen Gefühlen hin- und hergeworfen. Einerseits sehnt er sich ungeachtet aller Bedenken nach Liebe, andererseits fordert sein Verstand mehr Sicherheit und Freiraum ein. Beides zugleich kann es für ihn auch im jetzigen Zustand nicht geben.

Er versucht sich diesem Dilemma zu entziehen, indem er Treffen mit seiner Geliebten gelegentlich unter vorgeschobenen Gründen absagt. Doch dies fällt ihm schwerer als ihm lieb ist, denn gedanklich beschäftigt er sich fast unaufhörlich mit ihr. Dieser Umstand raubt ihm Energien und bringt ihn oftmals um seine Nachtruhe. Lässt er die „Sternstunden“ ihrer Beziehung Revue passieren, bleibt es nicht aus, dass er sich regelrecht nach ihr verzehrt. Insgeheim hofft er, sie würde trotz seines ablehnenden Verhaltens von sich aus auf ihn zukommen, um ihm zu signalisieren, dass er für sie eine bedeutendere Rolle spielt, als sie bisher zu erkennen gab. Das wäre aus seiner Sicht ein Prüfstein hinsichtlich der Aufrichtigkeit ihrer Liebesbeziehung.

Gelingt es ihm, sich in der Beziehung fallen zu lassen, fühlt er sich wie im siebten Himmel. Gerne würde er das Strömen der Energie zwischen ihnen auskosten, wäre da nur nicht wieder die Angst, sich an die Partnerin mit Haut und Haaren zu verlieren und sich selbst sukzessive aufzugeben zu müssen. Und schon riecht er von weitem den Schwefelgeruch der Hölle. Sein ambivalentes Verhalten überträgt sich auf seine Partnerin, die darauf mit Abwehr reagiert. Und ihn beschleicht das Gefühl, ihr erst recht lästig zu werden. Notgedrungen tritt er wie ein geprügelter Hund den Rücktritt an, begleitet von seiner Furcht, der Beziehung mit ihr endgültig den Todesstoß zu versetzen.

Im Grunde genommen wünscht er sich nichts anderes, als um seiner selbst willen geliebt zu werden. Doch wie sollte dies möglich sein, solange ihm in einer intimen Beziehung der gefürchtete Selbstverlust droht?
Warum verwehrt sich eine Kontrollinstanz in ihm gegen die Glückseligkeit der Liebe, die der Quelle seines Seins entspringt? Warum lässt er es nicht zu, dass anstelle der üblichen Schutzbarrieren seine innere Stärke zur Geltung kommt, die das eigene Ich beleben und festigen könnte?

Durch die „Liebe“ zu ihr werden ihm seine „Schattenseiten“ widergespiegelt wie nie zuvor, so dass der Selbsterkenntnis Tür und Tor geöffnet ist. Jetzt liegt es an ihm, sich mutig seiner inneren Wahrheit schrittweise anzunähern.
Doch noch hadert er mit sich selbst und der Liebe, die ihm wegen der Unwägbarkeiten und seelischen Tretminen nicht geheuer ist.
Er fühlt sich, als würde er zwei Männer in sich vereinen, die unterschiedlicher nicht sein könnten. Den einen zieht es mit aller Macht dorthin, wovor der andere flüchtet. Wer von den beiden wird auf Dauer bei diesem „Tauziehen“ die Oberhand gewinnen?


 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 13.03.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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