Klaus-Peter Behrens

Der Riss zwischen den Welten, Teil 5

Die anderen nickten zustimmend und folgten dem Menschenstrom ins Innere des Gebäudes. Dort wurden sie von lauten Rhythmen, die Wirdnix an seine kurze Karriere als Taxifahrer erinnerten, empfangen. Eine Verständigung war kaum möglich.

Wir sollten uns aufteilen“, schlug Myrana vor, wobei sie sich fast die Lunge aus dem Leib schrie, um sich verständlich zu machen.

Gute Idee.“ Meister Reno vi´Eren nickte.

Am besten bilden wir drei Gruppen, Wirdnix und ich, Myrana und Baumbatz und Meister Reno vi´Eren nebst Jo. Treffpunkt ist wieder hier“, warf Gart ein. Da die Gefährten angesichts des Lärms wenig Lust verspürten, den Vorschlag zu kritisieren, erklärten sie sich einverstanden.

Wirdnix und Gart nahmen sich die Tanzfläche vor. Die ausgelassen feiernden Menschen machten den Zwerg nervös, zumal sie ihn größtenteils überragten. Immer wieder zuckte seine Hand zur Axt und so manch übermütiger Student ahnte nicht, wie nah er dran war, mit ein paar Gliedmaßen weniger nach Hause zu gehen. Ganz anders dagegen sah die Sache bei Wirdnix aus. Mittlerweile hatte er seine anfängliche Panik vor dem Lärm abgelegt und erstaunt registriert, daß ihm der hämmernde Beat in die Füße ging. Gart, der vorausging, staunte nicht schlecht, als er sich umdrehte und feststellte, daß der Gnom gerade eine heiße Tanzsohle aufs Parkett legte und begeistert Rhytmn is a dancer mit sang.

Bist du jetzt völlig durchgeknallt?“, fuhr der perplexe Zwerg ihn an.

Hey, bleib locker. Hast du’s schon vergessen? Wir sollen nicht auffallen“, brüllte Wirdnix zurück, und versuchte, fröhlich weiter den Text mit zu gröhlen. Gart konnte es nicht fassen.

 

Myrana und Baumbatz hatten sich inzwischen die rechte Seite des großen Saales vorgenommen. Hier standen überwiegend Tische, an oder unter denen die Feiernden saßen, die den Weg zur Tanzfläche nicht mehr schafften. Beim Anblick des riesigen Trolls, der sich wie ein Eisbrecher durch das Sammelsurium von Material und Menschen schob, wurden einige aber erstaunlich schnell wieder nüchtern. Der Koloss sah gewaltig nach Ärger aus, und dem ging man lieber aus dem Weg. Wem es nicht mehr rechtzeitig gelang, seine Füße einzuziehen, wurde von seinen Freunden dahin getröstet, daß er sich wenigstens um eine Einberufung zum Wehrdienst keine Sorgen mehr zu machen brauche.

Nach einer Weile ergebnislosen Suchens, blieb Myrana frustriert stehen.

So wird das nichts!“, fluchte sie und sah sich entmutigt um. Überall liefen die unmöglichsten Phantasiegestalten herum, und Myrana hätte mitunter nicht sagen können, ob sich darunter eine Frau oder ein Mann verbarg. Wie sollte sie da beurteilen, ob hinter einer der Masken Dean oder Tom steckten. Hinzu kam, daß ihrer Schätzung nach sich hier ein paar hundert Feierwütige austobten und damit die Suche zu einem aussichtslosen Unterfangen machten. Das Ganze erwies sich als erheblich schwieriger, als sie es sich vorgestellt hatte.

Was sollen wir jetzt machen?“

Fragen“, erwiderte der Troll und schnappte sich sogleich einen vorbei torkelnden Piraten, der plötzlich feststellte, daß er den Boden unter den Füßen verloren hatte. Der Anblick des Trollgesichts, daß nur wenige Zentimeter vor seiner Nase schwebte, hob seine Laune auch nicht unbedingt.

Ich bin auf der Suche nach jemanden“, grollte Baumbatz. Der Atem des Trolls streifte das Gesicht des Unglücklichen und sorgte dafür, daß sich dessen Gesichtsfarbe drastisch verschlechterte.

Schön für dich, aber ich bin leider schon vergeben“, erwiderte der Pirat, der sich fragte, was sein Gegenüber wohl zum Mittag verspeist hatte. Wahrscheinlich irgend etwas, das unter das Biowaffenkontrollgesetz fällt, vermutete er. Baumbatz hingegen drängte sich der Verdacht auf, daß sein Gegenüber nicht kooperieren wollte.

Kennst du Tom und Dean?“, fragte er und schüttelte den Bedauernswerten, um ihn zur Mitarbeit zu motivieren.

Nein, nur Tom und Jerry“, brachte der zähneklappernd hervor. Baumbatz war irritiert. Die Antwort entsprach nicht ganz dem, was er erwartet hatte. Hilflos sah er Myrana an.

Soll ich’s mal mit der Keule probieren?“

Nein, setz ihn ab“, befahl die Elfin. Widerstrebend gab der Troll seine Beute wieder frei. Die war glücklich, wieder festen Boden unter den Füßen zu haben. Myrana betrachtete ihr Gegenüber abschätzend. Sie vermutete, daß ihr potentieller Informant ungefähr im Alter der beiden Freunde war. Vielleicht mußte sie nur etwas genauer fragen.

Hör mal, wir suchen zwei Freunde, einer ist Biologe und heißt Dean, der andere Tom. Hast du eine Ahnung, ob sie hier sind?“

Bestimmt, jeder Student, der nicht krank im Bett liegt, ist heute hier, aber wo genau ....?“ Der Pirat machte eine entsprechend lässige Handbewegung, die, mit Ausnahme der dunklen Seite des Mondes, so ziemlich jeden Ort zu umfassen schien. Zwischen Myranas Augenbrauen bildete sich daraufhin eine steile Falte, ein untrügliches Zeichen dafür, daß sie gerade schlechte Laune bekam. Das schien auch ihr Gegenüber zu ahnen, der sich nun bemühte, einen vernünftigeren Rat von sich zu geben.

Versuch’s mal beim DJ. Vielleicht ruft er die Beiden aus, wenn du ihm schöne Augen machst. Deinen Kumpel da würde ich allerdings lieber nicht fragen lassen“, schlug er ihr mit einem Blick auf den Koloss an ihrer Seite zögernd vor.

DJ?“ Myrana zog die Stirn kraus. Das mit dem Ausrufen klang nicht schlecht, aber was zum Henker war ein DJ? Ihr Gegenüber schien zu erraten, daß Myrana damit nicht so viel anfangen konnte, denn er wies kopfschüttelnd auf ein Podest am anderen Ende des Raumes, auf dem mehrere grell bemalte Männer an merkwürdigen Geräten hantierten.

Ist dahinten, die Treppe rauf“, erläuterte er.

Danke.“ Myrana wandte sich ab und gab Baumbatz einen Wink. „Wir müssen da rüber.“

OK.“ Baumbatz schlug ihrem Informanten zum Abschied kräftig auf die Schulter, worauf der in die Knie ging und sich zu einem nicht mehr ganz nüchternen Kollegen gesellte. „War nett, mit dir zu plaudern“, sagte der Troll und stapfte Myrana hinterher. Stöhnend rieb sich der Pirat die Schulter.

Sei dankbar, daß er dir nicht auch noch auf die Füße getreten ist“, tröstete ihn sein Sitznachbar trocken.

 

Ähnliche Erfahrungen wie Myrana hatte inzwischen auch Meister Reno vi´Eren gemacht. In dem dichten Gedränge und dem schummerigen Licht war es ihm nahezu unmöglich, den Überblick zu behalten. Enttäuscht folgte er Jo, da er sich inmitten der ausgelassen Feiernden etwas fehl am Platz fühlte und sich lieber führen ließ. Die gelegentlich aufmunternden Sprüche wie: „Na Opa, hast du dich verlaufen“, waren auch nicht gerade ermutigend. Hinzu kam, daß er das schwere Zauberbuch schleppen mußte und in der Wärme allmählich zu schwitzen anfing. Jo auch, was seiner „Kostümierung“ zu wahrer Authentizität und ihm zu einem Platz an der Bar verhalf, an der sie ihre Suche erst einmal unterbrachen. Die Bar lag etwas erhöht und bot so einen guten Überblick über das Treiben.

Und, schon was entdeckt?“, fragte Jo hoffnungsvoll. Aber Meister Reno vi´Eren schüttelte nur enttäuscht den Kopf, worauf Jos Hoffnung, seine Begleitung endlich loszuwerden, sich verabschiedete. Frustriert musterte er die Batterie von Flaschen hinter der Theke. Eigentlich könnte er jetzt gut einen Tropfen vertragen. Seinen guten Vorsatz hatte er erfolgreich verdrängt. Auch Meister Reno vi´Eren waren die Flaschen nicht entgangen und da er einem Gläschen nie abgeneigt war, nickte er Jo aufmunternd zu.

Genehmigen wir uns einen auf die heutigen Schrecken, bevor wir weitersuchen“, sagte er. „Bestell uns zwei Schoppen Wein.“

Jo sah ihn zweifelnd an. „Ich glaube nicht, daß die hier so etwas haben.“

Na dann eben was anderes.“

Sie sind der Boss.“

Einen Augenblick später wurden auf Jos Bestellung hin zwei Gläser auf der Theke abgestellt.

Zwei Wodka“, sagte der Barmann. Jo nahm dankbar sein Glas und nippte daran.

Herrlich“, schwärmte er und konsumierte den Rest in erstaunlicher Geschwindigkeit. „Nur zu“, forderte er den zögernden Zauberer auf. Der haderte noch mit sich selbst. Der Inhalt roch wie etwas, in dem Alchimisten Zutaten zweifelhafter Art aufbewahrten, um sie vor dem Verfall zu bewahren. „Wodka“, murmelte er in einem Ton, als würde er eine besonders unheilvolle Zauberformel aussprechen. Doch ein Blick in die Runde zeigte ihm, daß sich hier diverse Leute das Getränk anscheinend mehr oder weniger unbeschadet zu Gemüte führten. Schließlich siegte seine Neugier und er kippte den Inhalt durstig mit einigen wenigen Zügen hinunter. Erwartungsvoll beobachtete Jo ihn dabei.

Und? Das macht einen klaren Kopf, oder?“, fragte er zum ersten Mal gutgelaunt. Doch Meister Reno vi´Eren war im Augenblick nicht nach Konversation zumute. Genauer gesagt war ihm nach gar nichts mehr zumute. Die Augen drohten ihm aus den Höhlen zu treten und seine Kehle fühlte sich an, als würde dort gerade eine ganze Horde von Feuerdämonen eine besonders ausgelassene Party feiern. Kraftlos entglitt das Glas seinen Fingern und zerschellte am Boden, gefolgt von dem Zauberbuch. Mit tränenden Augen wandte er sich dem grinsenden Jo zu.

Vergiftet“, krächzte er und entlockte seinem Gegenüber damit nur ein schallendes Lachen.

Ja, das Zeug hat‘s in sich. Lässt einem die Haare auf der Brust sprießen“, erklärte der dem leidenden Zauberer amüsiert, während er ihm mitfühlend auf die Schulter klopfte. „Noch ein Glas?“

 

Während Meister Reno vi´Eren sich mit den örtlichen, gastronomischen Highlights vertraut machte, bemühte sich Gart, den immer noch tanzenden Wirdnix wieder auf die Spur zu bringen. Der versuchte sich gerade im Break Dance. Allmählich hatte der Zwerg die Nase von dem herum hopsenden und grässlich falsch singenden Gnom voll. Ganz im Gegensatz zu ihm, konnte er dieser Party überhaupt nichts abgewinnen. Tanzen fand er einfach schrecklich. Böse Zungen behaupten, das liege daran, daß Zwerge Angst hätten, über ihren Bart zu stolpern. Genaues weiß man aber nicht, da keiner so lebensmüde war, einen Zwerg danach zu fragen. Was auch immer der Grund sein mochte, auf Tanzflächen wirken Zwerge unleugbar fehl am Platz. Entsprechend unwohl fühlte sich Gart in seiner Haut.

Wenn du genug herum gesprungen bist, können wir vielleicht wieder anfangen zu arbeiten“, knurrte er Wirdnix, den er mit eiserner Hand zum Stillstand gebracht hatte, ins Ohr. Doch Wirdnix ließ sich die gute Laune nicht verderben.

Kein Problem“, beschied er ihm, dann drehte er sich um und brüllte dem Tänzer zu seiner Rechten eine entsprechende Frage zu.

Irgendwo dahinten“, kam prompt die Antwort. Der Daumen des Tänzers deutete dabei in die Richtung, in die Myrana verschwunden war.

Siehst du, gar kein Problem“, teilte Wirdnix dem Zwerg grinsend mit. „Sind doch alle sehr freundlich hier.“

Gart hatte da so seine Zweifel. Seiner Meinung nach verwechselte der Gnom den Begriff „freundlich“ mit „vollgedröhnt“. Die Zuckungen, mit denen sich ihr Gesprächspartner zu den hämmernden Rhythmus bewegte, ließ arge Bedenken hinsichtlich seines Geisteszustandes aufkommen. Gart konnte sich gut vorstellen, daß ihr zweifelhafter Informant wahrscheinlich genauso geantwortet hätte, wenn man ihn nach dem Drachenhort von Falamazar gefragt hätte. Auf der anderen Seite hatte das Ganze aber auch eine positive Seite. Wirdnix hatte seine Anfälle einstweilen eingestellt und brannte nun darauf, dem vermeintlichen Hinweis zu folgen.

 

Hey, schlaf nicht ein.“ Verständnislos sah Tom seinen Freund an, der den Eindruck erweckte, als habe er gerade ein Gespenst gesehen.

Das glaube ich nicht“, murmelte er ungläubig.

Ich verstehe kein Wort“, brüllte Tom angesichts des Lärms zurück.

Vergiß es.“ Dean winkte ab und schüttelte wie benommen den Kopf. In dem flackernden Stakkato ähnlichen Licht hatte er für einen Augenblick geglaubt, Baumbatz wie einen Baum aus der Menge aufragen zu sehen. Die Erinnerung an ihre vergangenen Abenteuer hatte ihn für einen Moment völlig in ihren Bann geschlagen. Doch dann hatte Tom ihn abgelenkt und er hatte den vermeintlichen Gefährten wieder aus den Augen verloren. Dafür tauchte nunmehr eine andere Gestalt in seinem Gesichtsfeld auf, die seine ganze Aufmerksamkeit beanspruchte. Ted war wieder da und so wie es aussah, war er immer noch auf der Suche nach ihm. Dean war nur froh, daß er angesichts des hektischen Lichts in der Menge nur schwer auszumachen war, zumal er mit seiner Größe kaum auffiel.

Los weiter“, drängte er, worauf Tom nur ungehalten knurrte und sich wieder daran machte, einen Weg durch die dichtgedrängte Menge zu bahnen. Direkt über die Tanzfläche wäre der Weg zwar erheblich kürzer gewesen, dafür hätten sie dort aber auch wie auf dem Präsentierteller gestanden. Tom bevorzugte daher den Umweg am DJ-Pult entlang. Vielleicht gab es dort irgendwo einen Hinterausgang.

 

Während sich die Freunde durch die Menge kämpften, stellte sich am Eingang wieder Normalität her. So wie es aussah, waren die beiden Türsteher aus ihrer Narkose erwacht und hatten dem Eindringen von Karten losen Tanzwütigen Einhalt geboten. An ihrer Seite standen mehrere Polizisten, die finstere Blicke in die Menge warfen. Offensichtlich schien einer der beiden Türsteher gerade eine Beschreibung ihrer Widersacher abzugeben. Zynisch zuckte Myrana die Achseln als sie sah, daß er die Hand weit in die Höhe streckte. Es lag auf der Hand, wen er da gerade beschrieb.

Mach dich mal ein bisschen kleiner und nimm die Keule herunter, man ist uns auf der Spur“, rief die Elfin ihrem Begleiter zu. Der machte zwar ein erstauntes Gesicht, bemühte sich aber in die Knie zu gehen. Zwar ragte er immer noch aus der Menge auf, aber ohne Keule auf der Schulter fiel er zumindest nicht mehr ganz so stark auf wie ein Golem auf einem Feenball.

Besser so?“, fragte er. Myrana reckte den Daumen in die Höhe.

Perfekt.“

 

Unser Wein wäre hier sicher ein Exportschlager.“ Angeekelt verzog Meister Reno vi´Eren das Gesicht. Er trank ja gerne mal ein Glas, aber bei diesem Zeug könnte er glatt zum Antialkoholiker werden. So, als wolle er für alle Zeiten den Geschmack aus seinem Gedächtnis verbannen, wischte er sich ein letztes Mal energisch über den Mund und wandte sich seinem eigentlichen Anliegen zu. Doch das erwies sich als relativ aussichtslos. Zwar stand die Bar ein wenig erhöht, so daß sich ein guter Ausblick auf die Tanzfläche bot, angesichts hunderter von verkleideten Feiernden dürfte es jedoch fast unmöglich sein, Dean und Tom hier auszumachen, wenn sie denn überhaupt hier waren. Aufmerksam betrachtete er die jungen Leute. Am besten wäre es wohl, wenn er ein paar von ihnen befragen würde. Sein Blick fiel auf eine junge Frau, die einen lächerlich anmutenden Helm mit Hörner auf dem Kopf trug und ein Outfit zur Schau stellte, daß wohl eine Entsprechung einer kriegerischen Bekleidung sein sollte, wobei der Stoff jedoch an einigen exponierten Stellen ausgegangen zu sein schien. Offensichtlich hatte sie ein wenig zu viel getrunken, denn der Gang, mit dem sie sich der Bar näherte, war alles andere als sicher. Meister Reno vi´Eren beschloß, bei ihr mit seinen Erkundigungen zu beginnen, da seiner Erfahrung nach Betrunkene meistens die Wahrheit sagen. Jo unterbrach seinen Gedankengang.

Wir bekommen Ärger.“

Demonstrativ wies er auf den Eingang, wo sich gerade ein paar Polizisten mit den Türstehern unterhielten. Die finsteren Mienen, mit denen sie das Publikum musterten, ließen nichts Gutes erahnen. Es war nur eine Frage der Zeit, bis sie die beiden an der Bar entdecken würden. Meister Reno vi´Eren seufzte. Das ganze Unternehmen erwies sich als viel schwieriger, als er es sich auch nur ansatzweise vorgestellt hatte und dabei hatte ihre eigentliche Mission noch nicht einmal begonnen.

Ich hätte in meinem Turm bleiben sollen“, fluchte er.

Wir müssen weg, kommen sie“, drängte Jo und drehte sich eilig um, wobei er heftig mit der jungen Frau zusammenstieß, die dem Zauberer zuvor aufgefallen war. Mit einem überraschten Ausdruck im Gesicht ging sie zu Boden.

Tut mir leid.“ Hilfsbereit bückte sich Jo und half ihr wieder auf die Füße. Bei der Berührung ihres weichen, warmen Körpers stellte er überrascht fest, daß sich gewisse Empfindungen, die er längst vergessen geglaubt hatte, spontan wieder einstellten. Sehnsüchtig fragte er sich, welch sanfte, weibliche Seele in diesem attraktiven Körper wohnte.

Bist du noch ganz dicht?“ Wütend baute sich die junge Frau vor dem verdutzten Jo auf und fauchte ihm ihren Alkoholatem ins Gesicht, wobei sie leicht hin und her schwankte.

Wenigstens haben wir etwas gemeinsam“, dachte Jo, während sich seine Illusion eines sanftmütigen Wesens gerade verabschiedete. Die junge Frau schien seiner grünhaarigen Begleitung in nichts nachzustehen. Das hatte man nun von der Emanzipation.

Ich ...ähhh... es war keine ..... Absicht“, stotterte Jo, während er sich hilfesuchend nach dem Zauberer umsah. Was sie jetzt am wenigsten gebrauchen konnten, war eine Szene. In Gedanken sah sich Jo schon auf der nächsten Wache in einer gemütlichen Zelle sitzen.

Verzeiht die Ungeschicklichkeit meines Begleiters“, mischte sich Meister Reno vi´Eren ein. „Gesellschaftliche Gepflogenheiten gehören nicht zu seinen Stärken.“

Dafür gibt er wahrscheinlich einen guten Altenpfleger ab“, konterte die junge Frau wütend, während sie ihren Helm zurechtrückte und an ihrer Kleidung zog, sehr zum Bedauern von Jo, da nun einige höchst interessante Körperpartien wieder bedeckt wurden, wenn auch nur spärlich.

Was macht ihr beiden Clowns hier? Aus der Uni stammt ihr mit Sicherheit nicht!“, stellte sie zynisch fest.

Wir sind auf der Suche nach zwei Freunden, der eine heißt Dean und studiert Biologie, der andere heißt Tom.“

Der Ausdruck auf dem Gesicht ihrer neuen Zufallsbekanntschaft änderte sich schlagartig. Mißtrauisch musterte sie den Zauberer. Der Mann war alt, wenn sie auch schwer sagen konnte, wie alt. Zwischen Mitte vierzig im günstigsten Fall und Ende sechzig schien alles drin zu sein. Er strahlte etwas aus, was sie irritierte und gleichzeitig faszinierte. Irgend etwas sagte ihr, daß sie hier einem gebildeten, weitgereisten Mann gegenüberstand. Was wollte so ein Mann von den beiden. Vielleicht war er ja ein abgefahrener Professor, allerdings passte seine Begleitung dazu nicht ins Bild. Die Aufmachung als Stadtstreicher kam ihr ein wenig zu detailgetreu vor und die Muskeln unter der zerlumpten Kleidung hatte er sich sicherlich nicht beim Bücherschleppen im Seminar zugelegt. Irgend etwas stimmte hier nicht. Auch wenn sie sich über die beiden Freunde geärgert hatte, wollte sie diese nicht in Schwierigkeiten bringen.

Woher kennt ihr die beiden?“, fragte sie daher möglichst abweisend, doch im nächsten Moment wurde ihr klar, daß sie einen Fehler gemacht hatte. Das Aufleuchten, das über das Gesicht ihres Gegenübers glitt, verriet ihr deutlich, daß der alte Mann sie durchschaut hatte.

Also kennt Ihr sie“, stellte Meister Reno vi´Eren scharfsinnig fest. Widerwillig nickte sie.

Flüchtig“, gab sie zu. „Habt ihr Ärger mit den Bullen?“, fragte sie neugierig, da ihr nicht entgangen war, daß Jo immer wieder nervös zum Eingang hinüber sah, wo sich die Türsteher angeregt mit einer ganzen Ansammlung von Polizisten unterhielten.

Wir haben keine Eintrittskarten“, erwiderte Jo.

Und deshalb schicken die gleich einen ganzen Polizeitrupp?“

Die Angelegenheit ist ein wenig kompliziert.“

Ich bin ganz Ohr.“

Meister Reno vi´Eren seufzte. „Hört mir zu, es ist wirklich wichtig. Sind die beiden hier?“

Die Wikingerin zögerte.

Ihr könnt uns vertrauen.“

Na schön, wie welche von der Mafia seht ihr nicht gerade aus. Ja, sie sind hier. Zuletzt waren sie dort hinten hin unterwegs.“ Mit dem ausgestreckten Arm zeigte sie in Richtung des DJ-Pultes.

Danke“, erwiderte Meister Reno vi´Eren aufrichtig. „Ihr ahnt nicht, was Ihr für uns und Euch getan habt.“

Dann wandte er sich ab und verschwand mit Jo im Schlepptau in der Menge.

Hey, wird das hier allmählich zur schlechten Angewohnheit“, schimpfte die Wikingerin hinter ihnen her, die zum zweiten Mal an diesem Abend einfach stehen gelassen worden war. Entschlossen folgte sie ihnen. Ihre Neugier war entfacht. In was um alles in der Welt waren die beiden Freunde wohl verstrickt. Sie beschloß, es herauszufinden.

 

Gart und Wirdnix hatten inzwischen „dahinten“ erreicht. Außer einem Podium, auf dem sich zwei Personen an irgendwelchen Geräten zu schaffen machten, konnte der Zwerg nichts Interessantes entdecken. Keine Spur von den beiden Freunden.

Kein Problem, hmmm?“, knurrte er Wirdnix ungehalten ins Ohr. Der nickte. „Ich frag mal nach“, teilte er Gart fröhlich mit, doch der hielt ihn zurück.

Du hast schon genug angestellt. Überlass das erfahreneren Leuten.“

Entschlossen enterte der Zwerg das Podium. Dort war man nicht gerade erfreut über seine Ankunft.

Verzieh dich, Alter! Hier oben hast du nichts zu suchen.“

Gart glaubte sich verhört zu haben. Fragend legte er den Kopf ein wenig schief und musterte sein Gegenüber grimmig.

Wie war das?“, knurrte er.

Hast du was mit den Ohren. Hier oben ist der Zutritt verboten. Hey Ben, hilf mir mal, diesen Clown über Bord zu werfen.“

Ben, der gerade dabei war, an mehreren Plattentellern gleichzeitig zu hantieren, als hinge sein Leben davon ab, riskierte nur einen kurzen Blick, dann zuckte er gleichgültig mit den Achseln.

Gib ihm einen Tritt, ich bin zu beschäftigt.“

Das war zuviel. Mit einem wütenden Knurren zog Gart seine Axt und halbierte dem ihm am nächsten stehenden Plattenteller mit einem Schlag. Ben konnte von Glück sagen, daß er gerade noch seine Hand hatte wegziehen können. Zu Garts Überraschung brach das Gehämmere abrupt ab. Das anschließende lautstarke Pöbeln der enttäuschten Menge war allerdings auch keine wesentliche Verbesserung.

Fangen wir noch mal von vorn an“, knurrte Gart, der seine Axt liebevoll tätschelte.

 

Das glaube ich nicht.“ Verblüfft blickte Dean zum DJ Pult hinüber. Wenn er nicht unter Halluzinationen litt, bearbeitete dort gerade Gart einen der DJs mit seiner Axt. Zumindest sah es aus dieser Entfernung so aus. Aufgeregt riss er Tom zu sich heran.

Siehst du das auch?“, fragte er, während er auf das DJ Pult wies.

Ja, der DJ hält Siesta.“

Sieh genauer hin.“

Doch Tom war nicht nach Spielchen zumute. Gereizt sah er Dean an. „Was soll das?“, fragte er aufgebracht. „Haben wir nicht schon genug Probleme?“

Ich glaube, eure Probleme fangen gerade erst an“, ertönte eine kräftige Stimme hinter ihnen, die nur einem gehören konnte.

Hallo Ted, schön dich zu sehen“, erwiderte Tom strahlend, während er sich nach einer Fluchtmöglichkeit umsah. Dean stöhnte. Jetzt könnte er gut die Hilfe von Baumbatz vertragen.

 

Gart war inzwischen wieder auf der Tanzfläche angelangt. Wirdnix bezweifelte er, daß die DJs ihre Arbeit in absehbarer Zeit wieder aufnehmen würden. „Erfolgreich gewesen?“, fragte er gutmütig.

Wie man es nimmt“, erwiderte Gart, während er die letzten verschmorten Plastikteile von seiner Axt abkratzte.

Da seid ihr ja. Und, habt ihr etwas in Erfahrung gebracht?“, ertönte Myranas Stimme, die plötzlich neben ihnen auftauchte.

Keine Spur“, knurrte Gart.

Und der DJ?“

Fehlanzeige“, brummte Gart.

Wenigstens hat der Lärm aufgehört“, grollte Baumbatz. „Immerhin ein Fortschritt.“

Mir hat es vorher besser gefallen“, maulte Wirdnix. „Seht mal, dort hinten kommt Meister Reno vi´Eren“, fügte er beim Anblick des alten Zauberers hinzu, der sich tapfer durch die ungehaltene Menge kämpfte, Jo immer im Schlepptau.

Und, habt Ihr etwas erreicht?“, fragte er mit ungewohnt heiserer Stimme, kaum daß er die Gefährten erreicht hat. Resigniert schüttelten die Gefährten ihre Köpfe. Doch plötzlich fiel Baumbatz, der den besten Überblick von ihnen hatte, etwas auf.

Ich glaube, ich habe sie entdeckt“, verkündete er mit aufgeregter Stimme. „Allerdings stecken sie in Schwierigkeiten.“

 

Diese Auffassung konnten die Gefährten vollumfänglich teilen. Ted hatte in seiner charmanten Art ohne ein Wort zu verlieren Dean einen Fußtritt in den Magen verpasst, der diesen stöhnend zu Boden gingen ließ. Während er verzweifelt nach Luft rang, wollte sich Tom auf den höhnisch grinsenden Ted stürzen, wurde jedoch von zwei muskelbepackten Begleitern Teds gebremst. Ihr eisenharter Griff ließ Tom keine Chance. Die Menge war inzwischen im Kreis zurückgewichen und beobachtete gespannt das Geschehen. Zwar teilten viele der Anwesenden die rüde Vorgehensweise Teds nicht, auf der anderen Seite wollte sich auch niemand mit ihm oder seinen Muskelpaketen, mit denen sich Ted stets umgab, anlegen, da sich dies kaum förderlich auf die Gesundheit auswirken würde. Tom, der hilflos zwischen den beiden Gorillas zappelte, war klar, daß er kaum auf Hilfe von außen zählen konnte, es sei denn, er konnte die Aufmerksamkeit der Polizisten, die noch immer am Türeingang standen, für sich gewinnen. Ein plötzlicher Schlag ins Gesicht machte ihm jedoch klar, daß die Hilfe dann vermutlich zu spät kommen würde. Doch gerade als Ted zum nächsten Schlag ausholte, erschien Wirdnix auf der Bildfläche, der den Schauplatz als erster erreicht hatte. Ohne zu zögern rannte er auf Ted zu und verpasste ihm einen Schubs, den diesen einen halben Meter zurücktaumeln ließ. Mehr erstaunt als verärgert betrachtete Ted den Gnom, der sich kampflustig zwischen ihn und Tom schob.

Du bist ein Feigling“, kreischte er, was ein allgemein zustimmendes Gemurmel der Anwesenden hervorrief. Ted lief vor Ärger rot an.

Und du bist tot“, knurrte er.

An deiner Stelle wäre ich da nicht so sicher“, erwiderte Wirdnix gleichmütig, was Ted wiederum irritierte.

Ich wüßte nicht, was mich daran hindern sollte, dich in deine Einzelteile zu erlegen“, spottete er.

Baumbatz“, erwiderte Wirdnix grinsend.

Was?“, fragte Ted verblüfft. Dann spürte er plötzlich eine Hand, schwer wie ein Amboß, die sich auf seiner rechten Schulter niederließ und ihn brutal herumriß.

Gestatten, Baumbatz“, brummte der Troll erfreut darüber, endlich seine Keule zum Einsatz bringen zu können. Ted freute das weniger. Das letzte was er sah, bevor für ihn die Lichter ausgingen, war die Wikingerin, die mit besorgtem Gesichtsausdruck neben dem Troll auftauchte, doch die Sorge galt eindeutig nicht ihm. Verdammt! Während sein Abgang mit johlendem Applaus quittiert wurde, herrschte die Wikingern die beiden Gorillas an, Tom freizugeben, die dem Rat beim Anblick des finsteren Trolls gerne Folge leisteten. Während sie eilig in der Menge untertauchten, musterte die Wikingerin besorgt Tom, der bleich geworden war, als wäre ihm gleich eine ganze Armada von Gespenstern begegnet.

Das glaube ich einfach nicht“, wiederholte er immer wieder, während sein Blick zwischen dem grinsenden Gnom und dem hünenhaften Troll hin und her irrte.

Solltest du aber“, knurrte Gart, der plötzlich neben ihm in Begleitung von Myrana, Meister Reno vi´Eren und Jo auftauchte. Die Elfin half sogleich dem immer noch keuchenden Dean auf, der nun auch blaß wurde. Doch für lange Erklärungen war keine Zeit. Die Auseinandersetzung hatte zwar keine Minute gedauert, war der Polizei am Eingang jedoch aufgefallen. Energisch bahnten sich nun gleich mehrere Beamte einen Weg durch die dichte Menge.

Ihr müßt hier dringend verschwinden“, mahnte die Wikingerin mit einem Blick auf die drohende Gefahr. Die Polizisten würden sie jeden Moment erreichen. Doch die Freunde waren noch nicht in der Lage, angemessen zu reagieren.

Was zum Teufel macht ihr hier?“, fragte Dean zum wiederholten Male, der nicht fassen konnte, so unverhofft vor den alten Gefährten zu stehen.

Später“ erwiderte Myrana. „Kennst du einen Weg hier heraus?“, fragte sie an die Wikingerin gewandt. Die nickte.

In der Damentoilette ist ein Fenster. Folgt mir“, sagte sie, drehte sich um und bahnte sich zügig einen Weg durch die Menge. Myrana warf Meister Reno vi´Eren einen fragenden Blick zu, doch der zuckte nur die Achseln und beeilte sich, der Wikingerin zu folgen. „Ich glaube, wir können ihr vertrauen“, rief er den Gefährten zu, die sich eilig anschlossen.

Die Begeisterung auf der Damentoilette hielt sich in Grenzen, als die Wikingerin, gefolgt von ihren neuen Gefährten selbige stürmte. Selten hatte Tom einen Raum sich schneller leeren sehen als zu dem Zeitpunkt, als sich der massige Troll in den gekachelten Vorraum schob und sich mit finsterem Gesicht umsah.

Den sollte ich öfter bei mir haben“, kommentierte die Wikingerin trocken die Situation, während sie damit beschäftigt war, die Verriegelung des einzigen Fensters an der Stirnseite des Vorraums zu öffnen. Vor der Tür erklang derweilen eine elektronisch verstärkte, energisch klingende Stimme, die die Gäste zur Ordnung aufrief. Sie klang verdächtig nah.

Ich denke, wir sollten uns besser beeilen“, riet die Wikingerin. Mit einer einladenden Geste wies sie auf das inzwischen geöffnete Fenster, bei dessen Anblick Baumbatz die Kinnlade herunter klappte, denn die Fensteröffnung war beängstigend schmal. Gerade einmal fünfzig Zentimeter in der Breite und vielleicht siebzig in der Höhe. „Na dann schwingt mal die Hufe“, forderte die Wikingerin die Gefährten auf und schwang sich lässig auf die Fensterbank. Im nächsten Moment war sie verschwunden und landete katzengewand auf dem zwei Meter tiefer liegenden Grundstück. Die Gefährten folgten mehr oder weniger elegant. Jo, der sich kurzfristig geweigert hatte, die Gefährten weiter zu begleiten, wurde von Baumbatz kurzerhand durch die Fensteröffnung geworfen. Sein Protestschrei brach abrupt ab, als er unsanft zu Füßen der Wikingerin unliebsame Bekanntschaft mit Mutter Erde machte. Als letzter folgte Baumbatz, der nur mit Mühe und Not durch die Öffnung paßte.

Elegant ist was anderes“, konstatierte Wirdnix als der Troll kopfüber wie ein nasser Mehlsack auf dem schmalen Wiesenstreifen aufschlug, der an dieser Seite an das Gebäude reichte.

Ne Diät könnte ihm in der Tat nicht schaden“, stimmte Gart trocken zu, der seine Axt mit prüfendem Blick auf Beschädigungen untersuchte und dabei verdrängte, daß er selbst wie rollender Felsblock zwischen den Gefährten gelandet war. Die Wikingerin schüttelte bei dem Anblick der streitenden Freunde nur den Kopf.

Wo kommt ihr bloß her?“

Das würdest du mir nie abnehmen“, seufzte Jo, doch die Wikingerin lief bereits im Gebäudeschatten davon. Die Gefährten folgten ohne zu zögern. Jos Hoffnung, sich endlich abzusetzen, verabschiedete sich wie Schnee in der Frühlingssonne, als sich eine gefühlte fünzig Kilo schwere Pranke auf seine Schulter legte.

Warum nur?“, fragte Jo resigniert.

Ganz einfach! Der Proviant wird knapp, und du siehst saftig aus“, grunzte Baumbatz düster und sorgte dafür, daß Jo noch blasser wurde, als er ohnehin schon war.

 

Eine halbe Stunde später fand sich Jo dort wieder, wo alles angefangen hatte. Sehnsüchtig fasste er seine Parkbank ins Auge, doch die gute alte Zeit auf selbiger schien weiter weg zu sein als der Mond. Mit halbem Ohr lauschte er der unglaublichen Geschichte, die der alte Tattergreis den beiden jungen Männern auftischte. Das einzige, was ihn beruhigte, war die Tatsache, daß die Wikingerin, die sich inzwischen als Lydia vorgestellt hatte, zunehmend blasser wurde. Offenbar wurde auch ihr bewußt, daß sie sich in der elitären Gesellschaft einer Horde Geisteskranker befand, die offenbar glaubten, aus einer anderen Welt zu kommen. Ihr Blick wanderte hilfesuchend zu Jo hinüber, der daraufhin mit dem Zeigefinger kreisende Bewegungen neben seiner Schläfe machte und die Augen verdrehte.

Das klingt nicht gut“, bestätigte Dean, nachdem Meister Reno vi´Eren geendet hatte.

Nicht gut“, schnappte Lydia. „Total durchgedreht trifft es wohl eher. Was zieht ihr euch für bloß für einen Stoff rein?“

Ich weiß, das klingt unglaublich, aber es ist wahr“, beteuerte Dean. „Wir waren in dieser anderen Welt und sind nur mit Mühe und Not mit ihrer Hilfe zurückgelangt. Ich hätte nie gedacht, daß ich sie noch einmal wiedersehen würde.“

Schön, daß du dich so freust, uns wiederzusehen“, sagte Myrana sarkastisch. „Euretwegen stecken wir jetzt in der Klemme.“

Bei uns passieren auch gerade eine Menge seltsame Dinge“, sagte Dean und erzählte von den Ereignissen, über die im Fernsehen berichtet worden war.

Wo hat das letzte stattgefunden?“, fragte Meister Reno vi´Eren.

Florida“, erwiderte Tom in Erinnerung an das Piratenschiff.

Dann müssen wir dort mit unserer Untersuchung anfangen. Die Spur ist vielleicht noch frisch genug, um ihr folgen zu können“, entschied Myrana mit der ihr typischen Entschlossenheit. „Wie kommen wir dahin?“

Das ist nicht so einfach..“, bremste Dean vorsichtig ihren Optimismus. „Ich muß nachdenken.“

Hinter ihm fing Jo auf seiner Parkbank an zu kichern.

Nehmt doch einfach ein Taxi“, schlug er prustend vor und verstummte abrupt, als sich die schwere Pranke des Trolls auf seine Schulter legte und Jo unangenehm daran erinnerte, was das Ungeheuer in ihm sah.

Du hast nicht zufällig Knoblauch dabei“, brummte Baumbatz düster.

Während Jo erneut ins Schwitzen geriet, grübelte Dean darüber nach, wie seine ehemaligen Gefährten nach Florida gelangen könnten. Doch so oft er mögliche Szenarien mit verschiedenen Verkehrsmitteln im Kopf durchging, kam er immer wieder zum gleichen Schluß.

Unmöglich“, brachte er schließlich seufzend hervor.

Sehe ich genauso“, stimmte Tom zu. „Keine Chance!“

Nicht, wenn wir es auf meine Weise machen. Wirdnix“, rief Meister Reno vi´Eren dem Gnom zu, der gerade hämisch den schlotternden Jo betrachtete. „Mein Buch.“

Mürrisch schlurfte der Gnom herbei. „Das kann ja heiter werden“, grummelte er. Mit dem untrüglichen Gefühl, daß der nächste Ärger schon an der nächsten Straßenecke auf ihn wartete, reichte er dem Meister das verhasste Zauberbuch.

Irgendwann verliere ich es wirklich“, murrte er leise vor sich hin. Doch Meister Reno vi´Eren ignorierte ihn. Stattdessen blätterte er voller Optimismus in seinem Buch.

Ich brauche ein Entfernungsmaß und die Himmelsrichtung“, wandte er sich an die Freunde ohne von seiner Lektüre aufzublicken. „Dann könnte es funktionieren.“

Kein Problem“, schaltete sich Lydia ein, die sofort eifrig auf der Tastatur ihres Smartphone einhämmerte. „1277 Meilen Richtung Süd, südwest“, kam einen gefühlten Atemzug später stolz die Antwort.

Wieviel ist das in Fuß?“, fragte der Meister leicht irritiert.

Kommt auf die Füße an“, brummte Wirdnix miesepetrig, derweilen Lydia schon wieder tippte.

„6742560Fuß, wenn man das metrische Längenmaß zugrunde legt.“

Vielleicht sollten wir doch lieber ein Taxi nehmen“, schlug Baumbatz vor.

Dauert zu lange“, informierte ihn Tom.

Nicht wenn der fährt“, hielt der Troll dagegen. Mit dem Daumen wies er dabei auf den unglücklicken Jo, der prompt blass wurde.

Nicht schon wieder“, stöhnte er.

Nur die Ruhe, das wird ein Kinderspiel“, versicherte Meister Reno vi´Eren. „Zufällig habe ich hier die richtige Formel gefunden.“

Ist er Chemiker?“, fragte Lydia erstaunt, wobei sie Wirdnix genauer in Augenschein nahm. Leicht beunruhigt stellte sie fest, daß der den Optimismus des tattrigen Alten nicht zu teilen schien. „Schlechte Erfahrungen mit seinen Experimenten gemacht?“, fragte sie ihn.

Kann man so sagen“, brummte der Gnom. „Frag ihn mal nach einem Mittel gegen Haarausfall.“

Indes hatte Meister Reno vi´Eren mit dem intonieren einer Zauberformel begonnen. Sofort begann sich aus dem Nichts ein Strudel auf dem nahe gelegenen Rasen zu bilden, der Jo ein Stöhnen entlockte.

Wir müssen uns beeilen. Ich kann Dimensionssprünge in dieser Welt nicht lange stabil halten“,drängte Meister Reno vi´Eren, worauf die Gefährten sich sofort zu dem Strudel begaben. Als erste sprang Myrana und verschwand in einem Lichtblitz in dem schwarzen Schlund.

Cool“, entfuhr es Lydia..

Sag bloß, du würdest das auch machen?“, fragte Jo entsetzt.

Warum nicht. Ist mal was anderes. Keine Lust?“

Mich kriegen da keine zehn Pferde hinein.“

Brauchen wir nicht. Wir haben Baumbatz“, teilte ihm Gart lakonisch mit, worauf sich der Troll Jo unter dem Arm klemmte und gemeinsam mit Gart in den Strudel sprang.

Hey, das nenn ich mal Action“, verkündete Lydia und folgte den Gefährten. Dann folgte der Rest. Zurück blieb der Strudel der an den Rändern zu zerfasern begann und sich kurze Zeit später in Nichts aufgelöst hatte.

Wird fortgesetzt................. Über Kommentare freue ich mich immer
Euer Klaus

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