Yvonne Schwab

VIVA LAS VEGAS 7

VIVA LAS VEGAS 7

 

Als ich die Augen aufschlug, hielt ich für einen Moment den Atem an, denn ich wusste nicht ob ich in Las Vegas oder in meiner Realität aufwachen würde. In diesem Moment wollte ich es noch nicht wissen. Schnell schloss ich die Augen wieder und ließ die Eindrücke der vergangenen Nacht in meinem Gedächtnis Revue passieren. Ich hatte die letzte Nacht bei Elvis verbracht und ich erinnerte mich an seine sanften Berührungen, seine leidenschaftlichen Küsse, seinen süßen Duft und vor allem an sein Lachen. Schnell war gestern Nacht Elvis‘ Wutausbruch vergessen. Ich entdeckte eine völlig neue Seite an ihm, die ich nicht vermutet hätte. Elvis war ein echter Komiker. Er hatte einen charmanten Humor, den ich so bei einem Mann noch nie gekannt hatte. Wir unterhielten, lachten und liebten uns die ganze Nacht hindurch. Er hatte sich den Weg mitten in mein Herz gebahnt. Elvis war nicht der Traummann, für den er verkauft wurde, er war so viel besser als sein Image. Ich erkannte, dass ich einen ganz besonderen Menschen getroffen hatte, der eine beneidenswerte Reinheit und Freundlichkeit besaß und genau das machte mich sehr traurig. Ich hatte Angst, denn er schien bereits verletzt zu sein und er lief Gefahr, seine Seele für den Preis seines Ruhmes zu verkaufen. Was mir immer noch Kopfzerbrechen bereitete, war seine Beziehung zu Priscilla. Wie konnte er mir schwören, dass er mich liebte wenn er in Wahrheit mit ihr zusammen war? Ich wollte ihn direkt darauf ansprechen, am besten sofort. Doch wo war ich heute morgen aufgewacht? War ich noch in Las Vegas? Ich hörte ein regelmäßiges Atmen neben mir. War es David oder Elvis? Vorsichtig öffnete ich wieder die Augen und streckte langsam meine Arme aus. Meine rechte Hand hatte ich zur Faust geballt. Irgendetwas hielt ich fest in meiner Hand umschlossen, das gelbe Seidentuch. 

„Elvis!“, flüsterte ich und drehte mich aufgeregt zur anderen Seite.

Elvis schlief tief und fest. Ich wollte ihn nicht wecken, sondern betrachtete ihn. Sein Oberkörper war unbedeckt, sein Mund war leicht geöffnet. Er sah so wunderschön aus. Ich betete ihn an. Ich beugte mich über ihn und konnte es nicht fassen, dass ich neben dem King of Rock‘n Roll aufgewacht war. Als ich sein Gesicht so betrachtete fiel mir auf wie sehr man die indianischen Einflüsse seiner Ururgroßmutter in seinen Gesichtszügen erkannte. In diesem Moment kam ich mir auf einmal so schäbig vor und ich fragte mich ein mal mehr, weshalb sich dieser perfekte Mann ausgerechnet in mich verlieben konnte. War ich doch nur ein netter Zeitvertreib und in Wahrheit liebte er die wunderschöne Priscilla? Es zerriss mir das Herz. Ich konnte mich nicht daran erinnern, jemals so verliebt gewesen zu sein. Ich legte meinen Kopf auf seine Brust und hörte wieder den regelmäßigen Schlägen seines Herzens zu. Mir war bewusst, dass das nicht meine Realität war. Ich war in einem wunderschönen Traum gefangen, aus dem ich nicht mehr erwachen wollte. Was sollte ich nur tun? Plötzlich fühlte ich, wie eine Hand über meinen Kopf strich. Ich blickte auf.

„Guten Morgen Schönheit.“ Elvis schaute mich mit verschlafenem Blick an und lächelte. Ich wäre am liebsten in ihn hinein gekrochen, so unwiderstehlich fand ich ihn in diesem Moment.

„Na ja“, antwortete ich ,“ Schönheit liegt im Auge des Betrachters.“

„Ganz genau,“ Elvis schaute mich mit einem verschmitzten Lächeln an, „und was ich gerade betrachte, ist wunderschön.“

Mit diesen Worten riss er mir mit einem Ruck die Bettdecke weg, unter der ich vollkommen nackt war.

„Hey! Lass das!“

Ich versuchte verschämt meinen Körper mit meinen Händen zu bedecken, als Elvis sich plötzlich über mich beugte und meine Hände fest nach unten drückte.

„Du musst Dich nicht verstecken. Du bist so wunderschön!“

Ich wollte ihm noch antworten, dass ich ihn auch wunderschön fand, doch ich kam nicht mehr dazu. Elvis übersäte mich mit Küssen, überall, an meinem ganzen Körper. An gewissen Stellen wurde mir heiß und kalt zugleich. Er wusste genau was er tat. Ich ließ mich komplett fallen, denn irgendwie vertraute ich ihm. Ich genoss seine Nähe, seine Wärme, die unglaublichen Küsse. Ich wünschte mir, dass dieser Moment für ewig sein würde.

Mein Herz blieb einen Moment lang stehen, denn ich erschrak mich so sehr, als ein lautes Poltern ertönte. Irgendjemand pochte ungeduldig an die Türe der Suite.

„Elvis! Steh auf! Du verpasst den Interviewtermin. Elvis? Komm sofort raus da!“

„Oh nein!“, Elvis seufzte, „es ist der Colonel. Ich dachte er wäre nicht vor morgen zurück. Bleib wo Du bist Idy“. Er drückte mir noch einen Kuss auf die Lippen, dann sprang er aus dem Bett und legte sich hastig seinen Morgenmantel über. Er würde doch jetzt nicht die Türe öffnen, nicht wenn ich hier noch nackt im Bett lag.

„Was soll das? Elvis? Bitte, ich bin noch nicht angezogen. Ich..“

„Scchhhht...bleib ganz ruhig. Bleib einfach wo Du bist Idy. Ich regle das.“

Er öffnete die Türe: „Oh, hi Tom, wusste gar nicht, dass Du schon wieder von L.A. zurück bist. Wie waren Deine Termine?“

In dem Moment als die Türe sich öffnete, schob der Colonel Elvis unsanft beiseite und verschaffte sich genug Platz um in die Suite zu gelangen. Elvis war total überrumpelt und konnte ihn nicht zurück halten. Mit einer dampfenden Zigarre in der Hand stellte sich der Colonel breitbeinig vor Elvis auf. Er trug einen lächerlich kleinen Hut auf seinem überdimensionierten breiten Schädel. Er hatte eine abstoßende und furchteinflösende Ausstrahlung.

Mit wutverzerrtem Gesicht brüllte er Elvis an:

„Was musste ich da hören Junge? Frank Sinatras Management fand es sehr bedauerlich, dass der gemeinsame Auftritt mit Elvis Presley gestern Abend nicht zustande gekommen ist. Wie kannst Du mir das bitte erklären?“

„Ich, also ich...hör zu Tom..“

Doch der Colonel ließ Elvis nicht ausreden. Stattdessen polterte er weiter:

„Du hörst mir jetzt mal zu mein Junge! So geht das Spiel hier nicht. Du weißt genau um was es hier geht.“

Immer wieder tippte er Elvis' Brust mit seinem ausgestreckten Zeigefinger unsanft an.

Elvis war wütend. Sein Blick verfinsterte sich zusehends. Immer wieder versuchte er sich zu rechtfertigen, doch der Colonel ließ ihn immer noch nicht zu Wort kommen.

„Nach dem Vorfall in Chicago hatte ich Dich bereits gewarnt. Du wirst schon sehen was Du davon hast.“

„So? Was denn?“, fragte Elvis provozierend.

„Ich drehe Dir sowas von den Hahn zu mein Freundchen. Das garantiere ich Dir. Dann kannst Du schauen, wie Du mit Deinem kleinen Problem alleine fertig wirst. Du Versager! Nochmal so ein Vorfall und ich mache Ernst. Dann ist es vorbei mit...“

Plötzlich brach der Wortschwall des Colonels schlagartig ab. Niemand sagte mehr etwas. Ich versuchte mich die ganze Zeit unter der Decke einigermaßen versteckt zu halten. Als ich jetzt darunter hervorlugte, sah ich dem Colonel direkt in die Augen. Ich hatte das Gefühl mein Blut würde in meinen Adern gefrieren, als sein eiskalter Blick mich traf.

„Wer ist das denn? Was soll das hier?“

Er wandte sich wieder Elvis zu und schrie ihn an: „Was habe ich Dir Witzfigur gesagt? Keine Groupies! Wenn die Presse davon Wind bekommt. Schließlich bist Du jetzt mit Priscilla verlobt! Ich werde Hackfleisch aus Dir machen mein Bürschchen!“

Es traf mich wie ein Blitz. Aus der Wutrede vom Colonel erfuhr ich endlich die Wahrheit. Verzweifelt schaute ich mich um. Das ganze war so erniedrigend. Ich versuchte krampfhaft meine Unterwäsche zu finden, die ich achtlos irgendwohin geworfen hatte. Mein Kleid lag Gott sei Dank direkt vor dem Bett. Ich griff danach und hielt es mir notdürftig vor meinen nackten Körper als ich wie ein reudiger Hund aus dem Bett kroch. Die missachtenden Blicke des Colonels fühlten sich wie brennende Pfeile an, die mich durch und durch trafen. Ich hielt Ausschau nach meinen Schuhen. 

„Idy, nicht, Du musst nicht gehen. Lass es mich Dir erklären!“ Elvis' Augen starrten mich verzweifelt an.

Ich versuchte das bisschen Stolz aufrecht zu erhalten, das ich noch irgendwie zusammenkratzen konnte. Ich kam mir so dämlich vor.  Warum hatte ich nicht die ganze Zeit schon auf meinen Verstand gehört? Dann hätte ich mir diese Schmach ersparen können. Mit einer kräftigen Portion Wut, insbesondere auf mich selbst, versuchte ich der unangenehmen Situation zu entkommen. Notdürftig streife ich mir mein Kleid über und schlüpfte in meine Schuhe. Meine Unterwäsche nahm ich einfach so, ohne sie anzuziehen, um möglichst schnell aus der Misere verschwinden zu können.

„Idy!“ Elvis hielt mich fest.

„Lass mich!“ fuhr ich ihn an und schlug seine Hand weg.

Ich war so wütend und verletzt, dass die Tränen aus meinen Augen schossen. Schluchzend schlug ich mir die Hände vor‘s Gesicht und beeilte mich aus dem Raum zu kommen.

„Ach, und Miss“, rief mir der Colonel nach, „kein Wort zur Presse. Sie haben keine Ahnung was das für Folgen für Sie haben könnte.“

Ich nickte schnell und bahnte mir schluchzend den Weg zur Türe. Elvis versuchte erneut mich aufzuhalten, doch ich schaffte es irgendwie an ihm vorbei, hinaus auf den Flur und schlug die Türe schnell hinter mir zu. Laut schluchzend lief ich den Flur entlang. Ich wollte so schnell wie möglich weg von der Suite, weg von Elvis.

-Fortsetzung folgt-

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.04.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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