Christina Gerlach-Schweitzer

Der hohe Turm

Obwohl die Maus sehr stark und sehr selbstsicher war, hatte sie doch Angst vor diesem und jenem und vor der Katze im Besonderen. Eines Tages glaubte sie, sie sei weise geworden. Sie beschloss deshalb einen hohen Turm zu bauen, der so hoch und so speziell gebaut wäre, dass die Katze sie nicht würde fangen können und von dem sie auf alle anderen Mäuse herabsehen könnte. Sie würde jede Menge Nahrungsvorräte ganz hoch oben im Turm verstecken, denn dort wollte sie alt werden und von dort würde sie dann nie wieder hinabsteigen. Sie suchte sich also einen geeigneten Baugrund und schleppte in jeder freien Minute Kies, Sand, Steine und Lehm zu ihrer Baustelle. Die Maus ließ es nicht zu, dass man ihr half, denn es sollte ihr Turm werden, ganz allein ihr Turm.

Und er wuchs. Einmal, zweimal, zehnmal höher als sie selbst groß war. Sie lobte sich sehr und bemerkte gar nicht, wie alt sie inzwischen geworden war und wie sehr sich ihre Gelenke durch die schwere Arbeit verschlissen hatten. Alle Mäuse der Umgebung kamen um den fertigen Turm zu bewundern. Er war wirklich höher, als alle Mausebauwerke, die sie bisher gesehen hatten.

Die Baumaus setzte sich nun zur Ruhe und genoss die Bewunderung ihrer Mausefreunde, die sich schier die Hälse ausreckten um sie auf ihrem Sonnendeck zu entdecken. Alle beneideten sie um den katzensicheren Turm.

Eines Tages aber kam ein Storch des Weges. Er sah den Turm und die Maus dort oben zwischen den Zinnen. Da er keinen Hunger hatte, bekam er Mitleid als er sie so ungeschützt  oben auf dem Turm  sah, denn er dachte, dass Mäuschen käme nicht herunter. Er fasste sie vorsichtig am Kragen und setzte sie nach unten auf die Erde, wo gerade all die Mäuse, die so voller Bewunderung gewesen waren, davonstoben. Es war gut, dass der Storch keinen Hunger hatte.

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