Margit N.

Der eine geht, der andere kommt durch das Zeitfenster

Gehüllt in seinen mattglitzernden weiß-grauen bodenlangen Mantel schlürft der Winter mit hängenden Schultern am Waldrand entlang, um im Dickicht der Jahreszeiten sein angestammtes Quartier aufzusuchen. Wie ein trotziges kleines Kind bleibt er manchmal abrupt stehen, richtet sich gerade auf und stampft und tanzt rumpelstilzchengleich. Meist nimmt er zum Schluss seiner Abschiedsvorstellung kleine und größere eisige Schauer aus seiner tiefen Manteltasche und wirft sie mit unvermutetem Schwung wie letzte Grüße auf die noch leicht modrig riechende aufkeimende Natur in Feld und Wald.

Ein immer wiederkehrendes Kräftemessen mit seinem Nachfolger Lenz, das er noch nie vollständig gewonnen hat.

Der Frühling ist mit Eifer dabei, die schweren grauen Wolkendecken, Verbündete des kalten Gesellen, in Schach zu halten und ihm nach und nach hinterher zu schieben. Nicht immer, aber immer öfter schafft es der Lenz, eine wärmespendende Sonne am wolkenfreien Himmel zu präsentieren. Das kräftige Gelb der Forsythie und Narzisse, das Zartrosa der Magnolienblüte, das strahlende Blau der Sternhyazinthe und das frische Grün der aufbrechenden Blattknospe wetteifern mit den angesagten Farben der Frühjahrsmode in den Schaufenstern der Städte um die Wette. Nach dem morgendlichen Zwitschern und Tirilieren schaffen die Vögel tagsüber unermüdlich Baumaterial heran, um für den geplanten Nachwuchs ein schützendes Nest zu bauen.

Aufbruchsstimmung herrscht. Sinnbildlich und tatsächlich.

© Margit N.

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