Christina Gerlach-Schweitzer

Der Pfau

„ Schau, wie der wieder auf dem Hof auf und ab geht, das Rad so weit geschlagen und seine Federn dreht er zur Sonne, damit sie auch besonders schön gleißen, der Angeber.“ Wispernd wichen die Tiere des Hofes vor dem Pfau aus, machten ihm  aber den Weg frei. Sie brachten ihm insgeheim Bewunderung entgegen, aber auch Neid. Man schwieg, wenn er sich näherte, so schön, so stolz und so unnahbar war er.

Dem Pfau taten die Blicke der anderen weh, aber er wusste eigentlich gar nicht warum, denn er konnte sein eigenes Rad ja gar nicht sehen. Viel lieber als hier herum zu stolzieren, würde er morgens  mit den Hähnen auf dem Mist stehen und tagsüber die Hennen ärgern. Das wäre sicher lustig und er hätte viele Freunde, aber er traute sich nicht. 

Und  wenn er es doch  einfach mal täte? Er zögerte und überlegte hin und her, ob er es nicht  wenigstens einmal probieren sollte so fröhlich zu sein und denselben Quatsch zu machen, wie die anderen Tiere auf dem Hof. Eines Tages traute er sich. Er rannte  los, hoch hinauf, bis auf die Spitze des Misthaufens, auf dem sonst nur die Hähne krähten. Er spritzte sich dabei mit Dreck voll, denn seine Pfauenfedern schliffen über den Mist, er ärgerte die Hennen und versuchte Spaß dabei zu haben. Aber die Hähne und Hennen waren sehr befremdet, ja erschrocken. Dann lachten sie erst leise über ihn, dann immer lauter, schließlich trieben sie ihren Spott mit ihm.Du bist ja ganz dreckig, man erkennt ja gar nicht , dass Du ein Pfau bist, du kannst ja gar kein Rad mehr schlagen, soviel Mist klebt in deinen Federn und außerdem benimmst du dich komisch“ riefen die Hühner und Hähne  ihm zu und brachten ihm einen Spiegel.

Da erwachte der Pfau, wie aus einem bösen Traum. Er besann sich und war noch unglücklicher als vorher. Nein, das hatte eigentlich keinen Spaß gemacht. So war er gar nicht wirklich. Er  weinte bitterlich und seine Tränen wuschen sein Gefieder wieder sauber. Lange dauerte es nicht, dann hatte die Sonne es getrocknet. In dem Spiegel betrachtete er sich  lange nachdenklich und sah, dass er ein wunderschönes Rad schlagen konnte.Es fand es sah wirklich gut aus. Blitzeblank und glänzend schritt er erneut über den Hof. Das Lachen der anderen Tiere über ihn hatte aufgehört, sie  wichen wieder vor ihm zurück, wie sich das gehört, wenn ein Pfau majestätisch über den Hof schreitet.

Aber ab jetzt aber, nachdem er einmal probiert hatte, so zu sein wie die anderen und erkannt hatte, dass es eigenlich gar nicht richtig zu ihm passte, war der Pfau nicht mehr neidisch auf die Hähne oder die Hühner und es machte ihn richtig fröhlich so zu sein, wie er war. Jetzt fühlte sich nichts mehr falsch an. Fröhlich schlug er ein  Rad, spazierte über den Hof und alle fanden, dass  er  ein wunderschöner Pfau war.

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