Peter Kröger

Dandy

Dandy,  sagte jemand, weil er einen himmelblauen Hut trug, Gamaschen, wenn ich mich recht entsinne, und einen hellgrauen Anzug mit rotem Einstecktuch.
Jeden Tag sah ich ihn über die Brücke gehen in seinen blankgewichsten Schuhen, den Spazierstock in der Hand. Wohin er ging, weiß ich nicht, aber drei Stunden später kam er zurück, die Brücke schien zu schwanken, dabei war er es, der federte und schaukelte und schwankte, nach dem Genuss von Branntwein, nehme ich an, oder vielleicht war ich derjenige, der jeden Tag betrunken am Fenster saß und auf die Brücke schaute, oder die ganze Welt schwankte und bewegte sich und der Dandy ging in Wirklichkeit stocksteif über die Brücke, nicht trotz sondern gerade wegen des Branntweingenusses, und war sternhagelvoll wie ich an meinen Fensterplatz, denn dass ich voll war, jeden Tag voll, wusste jeder, auch der Dandy, ich jedenfalls leugnete es nicht.

Der Dandy aber, jetzt fällt es mir ein, hatte gar keine Gamaschen, und über die Brücke ging er höchstens alle drei, vier Tage, und zwar um bei mir ins Haus zu treten und mich an meinem Fensterplatz zu besuchen.
Solange wir zusammensaßen und hinausstarrten hatte ich sozusagen frei, und wir gönnten uns den einen oder anderen Aquavit. Ging er über die Brücke zurück, verfolgte ich ihn mit meinen Blicken, bis ich kaum noch seine Umrisse, geschweige denn seine blankgewichsten Schuhe erkennen konnte. Und doch glaube ich, dass er sich manchmal umdrehte und winkte mit dem Hut. Oder es war das rote Einstecktuch.

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