Bodo Mario Woltiri

Der Froschkönig – ein amerikanisches Märchen

Es lebten einst drei Königstöchter, deren Vater vor einiger Zeit gestorben war. Die Töchter teilten sich die Herrschaft und hofften, dass irgendwann eine von ihnen heiraten und ihr Mann das Königsamt übernehmen würde. Sie waren allesamt sehr schön. Doch sah man seine jüngste Tochter Amerika, wusste man, dass sie die Schönste von allen war. Und so war es, dass sie regelmäßig hinunter in den Wald ging, sich an den Brunnen setzte und mit ihrer goldenen Weltkugel spielte. Dabei warf sie die Kugel immer am liebsten in die Höhe und fing sie dann wieder voller Freude auf.

So geschah es eines Tages, als sie wieder am Brunnen spielte, dass die goldene Weltkugel diesmal nicht in die Amerikas Hände zurückfiel, sondern in den Brunnen plumpste und versank. Da fing sie mit einmal ganz bitterlich an zu weinen und konnte sich kaum noch beruhigen. Plötzlich rief jemand: "Was hast du denn, Prinzessin? Du schreist ja, dass es einen Stein erweichen könnte."

Als sie die Stimme hörte, erschrak sie, blickte sich um sah einen dicken Frosch, der aus dem Wasser guckte. "Du bist es, alter Wasserfrosch. Ich weine wegen meiner versunkenen Weltkugel, die mir soeben in den Brunnen gefallen ist." "Sei nicht traurig. Ich könnte dir die Kugel wiederholen, aber was bekomme ich dafür?" sagte der Frosch. "Alles, was du möchtest. Meine Perlen, meine Kleider, meine Edelsteine und sogar meine goldene Krone, die ich trage", erwiderte die Prinzessin. "Das alles mag ich nicht haben von dir. Aber wenn du mich lieb haben und zum König machen willst, ich an deinem Tischlein neben dir sitzen, von deinem Tellerlein essen, aus deinem Becherlein trinken und in deinem Bettchen schlafen darf, so werde ich dir die Weltkugel wiederholen", antwortete der Frosch.

" Ja ",entgegnete Amerika ihm. "Ich verspreche dir alles, was du möchtest, wenn du mich wieder glücklich machst und die Kugel zurückbringst." Doch insgeheim dachte sie sich nur: "So ein dummer Frosch, der ist doch bloß im Wasser, was soll der sich mit Menschen anfreunden." Nachdem der Frosch das Versprechen von der Königstochter erhalten hatte, tauchte er hinab ins Wasser und brachte ihr die Kugel wieder zurück. Die Königstochter war voller Freude, als sie ihre Kugel sah und ging damit davon. "Warte auf mich, nimm mich mit, ich bin nicht so schnell wie du", rief der Frosch.

Sie aber hörte nicht auf die Worte es Frosches, machte dass sie nach Hause kam und hatte ihn auf dem Wege schon längst vergessen. Als sie am nächsten Tag mit ihrer königlichen Familie an der Tafel saß und gerade von ihrem Tellerchen essen wollte, klopfte es an der Tür und jemand rief: "Amerika, mach mir auf." Als sie ihre Tür aufmachte, saß auf einmal der Frosch davor. Da warf sie mit einem Ruck die Tür zu, setzte sich wieder hin und war voller Angst. Darauf sprachen ihre Schwestern: "Wovor fürchtest du dich?"

"Da steht ein garstiger Frosch vor unserer Tür. Der war gestern so freundlich und hat mir meine goldene Weltkugel aus dem Wasser geholt. Dafür versprach ich ihm, dass er mein Freund und der neue König  werden kann. Ich dachte doch nicht, dass er aus seinem Wasser herauskommt und zu mir hinein will." Plötzlich klopfte es wieder an der Tür und der Frosch rief erneut:" Königstochter, mach mir auf, weißt du nicht was du mir gestern versprochen hast?" "Was man verspricht, muss man auch einhalten. Geh und mach ihm auf", sagte die Jüngste. Nachdem sie die Tür öffnete, hüpfte der Frosch herein und folgte ihr bis zu ihrem Stuhl, ließ sich von ihr hochheben und bat sie das goldene Tellerlein ihm näher zuschieben, damit sie zusammen essen können.

Obwohl ihr das alles nicht gefiel und sie keinen Bissen herunter bekam, machte sie das, was der Frosch von ihr verlangte. Nun sprach er: "Jetzt habe ich mich satt gegessen und werde müde. Trag mich in dein Kämmerlein und mach mir dein Bett zurecht, wir wollen uns schlafen legen." Da kamen der Amerika die Tränen, weil sie sich vor dem ekligen Frosch fürchtete.

Aber die andere Schwester sprach: "Wer dir in der Not geholfen hat, den darfst du auch nicht verachten." Da nahm sie ihn auf ihre Hand, trug ihn nach oben und setzte ihn in die Ecke. Als sie sich zu Bett lag, kam er zu ihr gekrochen und wollte in ihr Bett. Sie aber weigerte sich, bis er sprach: "Wirst du dies nicht machen, so sage ich es deinen Schwestern." Da wurde die Amerika böse, nahm den Frosch und warf ihn mit voller Kraft gegen die Wand. "Nun sei endlich ruhig, du garstiger Frosch", rief sie und in dem Moment, wo der Frosch zu Boden fiel, stand plötzlich ein dicker Prinz mit noch feuchten blonden Haaren vor ihrem Augen; er hatte den Kopf eines Frosches und sein Kussmund erinnerte sie an das Kussmaul des Frosches.

Er erzählte ihr, dass er von einer bösen Bitch verzaubert worden sei und nur von der Prinzessin erlöst werden konnte. Gleich darauf wollte er Amerika heiraten. Als am nächsten Morgen, die Sonne hell am Himmel stand, waren bereits die weißen Pferde gespannt, bereit zum Abholen zur Zeremonie.

 

Ende

 

(Märchen, mit Grimm trad. arr. by Bodo Mario Woltiri 2017)

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.04.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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