Yvonne Schwab

VIVA LAS VEGAS 8

Der Weg zurück in mein Zimmer war ein regelrechter Spießrutenlauf. Auf den Fluren begegneten mir Gäste des Hotels, die mich verwundert ansahen, als ich völlig aufgelöst, leicht bekleidet und mit meiner Unterwäsche in den Händen an ihnen vorbeihuschte. Daher rannte ich die letzten Meter zu meinem Zimmer und war total erleichtert, als ich endlich die Türe hinter mir schließen konnte. Noch an die Türe gelehnt, brach es aus mir heraus. Ich hatte das Gefühl, als hätte man mir mein Herz bei lebendigem Leib einfach herausgerissen. Noch niemals zuvor in meinem Leben fühlte ich mich so gedemütigt. 

„So ein Mist!“, schrie ich laut auf und die Tränen ergossen sich über mein Gesicht.

Ich konnte mit diesem Schmerz nur schlecht umgehen. Nicht nur, dass ich diese Schmach sehr schwer ertragen konnte, ich hatte mir wohl tatsächlich einreden wollen, dass sich Elvis in mich verliebt hatte. Es fühlte sich alles so echt an. Ich hatte große Gefühle für ihn, die weit über die Bewunderung eines Fans hinausgingen. Es zerriss mich innerlich als ich nun erkennen musste, dass die Gefühle anscheinend nicht erwidert wurden und ich nur ein netter Zeitvertreib für zwischendurch war. In meinen Gedanken konnte ich sein Lachen hören, ich spürte immer noch seine Berührungen, seinen Körper auf mir. Er hatte mir das Herz gebrochen. Plötzlich konnte ich dieses Kleid nicht mehr an mir ertragen. Ich zog es hastig aus und schleuderte es auf den Boden. Danach ließ ich mich auf das Bett fallen und rollte mich in die Bettdecke ein. Ich beschloss im Bett zu bleiben und nie wieder aufzustehen. So weinte ich mich in den Schlaf.

Ich wurde unsanft geweckt, als jemand ungeduldig an meiner Zimmertüre klopfte. Ich hielt den Atem an. Urplötzlich überkam mich ein Gefühl der Angst. Vor meinem geistigen Auge sah ich den Colonel, diesen bulligen Kerl, der mich bedrohlich ansah und mich aus Elvis‘ Suite verjagte. Vielleicht war er mir gefolgt. Was war, wenn er mich nun für die Nacht mit Elvis bezahlen ließ? Wollte er mich beseitigen? War ich zu gefährlich für Elvis‘ Karriere? Ich erstarrte und wagte es kaum zu atmen.

„Idy? Bist Du da drin? Mach bitte auf wenn Du da bist. Ich habe Dich überall gesucht.“

Gott sei Dank, es war Jenny.

Ich kroch aus dem Bett, warf mir schnell meinen Morgenmantel über und versuchte so gut es ging die restlichen Tränen aus meinem Gesicht zu wischen. Ich hoffte, dass Jenny nichts merken würde. Sie sollte von alledem nichts mitbekommen. Wenn ich Glück hatte, wäre die Sache mit Elvis sowieso ganz schnell zu Ende, er würde in ein paar Tagen abreisen und alles wäre wie gehabt, also keinen Grund zur Aufregung. Mit diesen Gedanken atmete ich ein paar Mal kräftig durch und ging zur Türe.

Jenny musterte mich von Kopf bis Fuß.

„Wo warst Du?“, fragte sie mit vorwurfsvollem Unterton, „gestern Abend warst Du ja scheinbar nicht hier in Deinem Zimmer, als ich Dich abholen wollte.“

„Ich...äähhm...was?“ ich verstand nichts mehr.

„Dir hat man wohl Dein Gedächtnis über Nacht gelöscht, Idy!“, Jenny stemmte empört die Hände in ihre Hüften.

„Nein, aber mein Herz gebrochen“, dachte ich als ich schon wieder den Tränen nahe war.

So gerne wäre ich Jenny um den Hals gefallen und hätte ihr alles erzählt. Doch ich hielt es für besser zu schweigen.

„Erinnerst Du Dich denn nicht mehr? Wir hatten ausgemacht, dass wir uns nach Deiner kurzen Verabredung treffen, um uns gemeinsam die Show von Frank anzusehen!“

Plötzlich fiel es mir wieder ein. Ich war gestern noch der Ansicht, dass ich das Treffen mit Elvis schnell beenden würde und wollte Jenny danach im Casino treffen. Das hatte ich natürlich komplett vergessen. Das war unverzeihlich. Schnell machte sich Panik in mir breit. Würde ich nun auch noch meine beste Freundin verlieren?

„Jenny, bitte ich kann Dir das erklären. Es tut mir leid, ich...“

Jenny hob den Zeigefinger: „Lass es einfach Idy, ich möchte gar nicht wissen, was Du letzte Nacht gemacht hast. Ich habe Dich überall gesucht und als ich Dich nirgends finden konnte, bin ich eben alleine zur Show gegangen.“

Ich senkte den Kopf. Es tat mir so leid, dass ich Jenny im Stich gelassen hatte. Ich wusste nicht was ich noch sagen sollte.

Plötzlich grinste mich Jenny verschmitzt an: „Mach Dir keine Gedanken, Idy. Es war gut so, dass ich alleine dort war. So kam es nämlich, dass Frank‘ s Manager mir Gesellschaft leistete“.

Jetzt war ich neugierig: „Aha? Frank‘ s Manager also?“

Idy nickte vielsagend: „Er lud mich auf einen Drink ein und es wurde noch ein sehr schöner Abend, als ich ihn dann nach der Show mit rauf in mein Zimmer nahm“. Jetzt grinste Jenny bis über beide Backen.

„Du meinst, Ihr habt...“

Jenny nickte und fiel mir um den Hals: „Idy, Du ahnst ja gar nicht was für ein Gentlemen Jerry ist. Er ist so attraktiv und so weltmännisch. Ich glaube ich bin verliebt“.
Juchzend drückte sie mich an sich: „Ich möchte, dass Du ihn kennenlernst. Wir treffen uns heute nach unserer Show zum Essen."

Ich war völlig überrumpelt und schnappte nach Luft.

„Bist Du Dir sicher Jenny? Das geht jetzt alles sehr schnell. Solltet Ihr Euch nicht selbst erst einmal richtig kennen lernen? Ich würde doch nur stören. Also, ich weiß nicht.“

Doch Jenny war unerbittlich: „Wenn Du wieder gut machen möchtest, dass Du mich gestern versetzt hast, dann kommst Du besser mit.“

Sie nahm meine Hände und schaute mich an. Sie sah so glücklich aus.

Ich nickte: „Oh Jenny, ich freue mich so für Dich.“

„Du wirst Jerry lieben“, sagte sie aufgeregt und so schnell wie sie da war, war sie auch schon wieder weg.

„Wir sehen uns bei der Show!“, rief ich ihr noch nach.

Ich sah wie sie fröhlich winkend den Flur entlang tippelte.

Jennys Besuch hatte mich wieder ein wenig aufgeheitert. Ich freute mich so sehr für sie. Da hatten wir uns beide am selben Abend total verliebt, nur dass es bei mir im Fiasko endete. Ich hoffte für Jenny, dass sie mit ihrem Jerry da mehr Glück hatte.

Für den Rest des Tages traute ich mich kaum aus dem Zimmer. Ich wusste, dass weitere Szenen zu Elvis‘ Film abgedreht wurden und ich wollte ihm oder dem Colonel auf keinen Fall begegnen. Um es genau zu nehmen, ich hatte Angst vor einer Begegnung, insbesondere mit Tom Parker.

Daher war ich sehr froh, als es endlich Abend wurde und ich Jenny wieder hinter der Bühne bei den Vorbereitungen zu unserer Show traf. Sie strahlte wie die Sonne und sagte mir, dass sie es kaum abwarten könne, Jerry wieder zu sehen. Ich freute mich so sehr für sie. Meine Laune wurde immer besser und ich begann, innerlich Frieden mit meiner eigenen vergeigten Liebesaffäre zu schließen. Mit einem so großen Star wie Elvis konnte das ja nur schief gehen.

Nach einer wunderbaren Show traf ich Jenny und Jerry zum Essen. Jerry entpuppte sich als wahrer Alleinunterhalter. Er konnte auf sehr humorvolle Art Geschichten aus seinem Leben als Manager von Frank Sinatra erzählen. Ich amüsierte mich köstlich.

Jenny hingegen schien ihr Strahlen verlassen zu haben.

„Was ist los Jenny? Fühlst Du Dich nicht wohl?“, fragte ich besorgt.

Jenny rieb sich unentwegt den Kopf und wurde plötzlich sehr blass um die Nase.

„Ich glaube es ist eine Kopfschmerzattacke. Das habe ich hin und wieder. Wahrscheinlich habe ich heute zu wenig getrunken und jetzt der Champagner.“

Jerry wirkte sehr besorgt und kümmerte sich sofort um sie:

„Das klingt aber nicht gut mein Schatz. Willst Du vielleicht lieber zu Bett gehen? Ich bringe Dich nach oben. Das wäre doch das beste Liebling oder?“

Jenny verzog schmerzverzerrt das Gesicht und nickte nur.

Jerry zahlte schnell die Rechnung und nahm Jenny liebevoll in die Arme, als sich beide von mir verabschiedeten.

„Tut mir leid Idy,“ sagte Jenny, „den Abend holen wir nach, ja?“

„Na klar“, ich zwinkerte ihr aufmunternd zu, „gute Besserung. Erhole Dich und schlafe Dich aus“.

Als ich beiden nachschaute, überlegte ich was ich mit dem angefangen Abend so anstellen konnte. Gott sei Dank ging es mir schon besser. Ich wollte mich von der Sache mit Elvis nicht hinunterziehen lassen und beschloss meine Zeit in Las Vegas in vollen Zügen zu genießen. Ich wusste ja schließlich nicht wie lange ich noch hier bleiben durfte. Vielleicht wachte ich ja morgen auf und alles war vorbei.

-Fortsetzung folgt-

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.04.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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