Manfred Bieschke-Behm

Gegensätze: schreien und flüstern (Dialog)

 

„Warum schreist Du mich so an?“

„Flüstertöne, so scheint es mir, erreichen dich nicht!?“

„Gibt es für dich keine Zwischentöne?“

„Ich überlege.“

„Weißt du, was ich glaube? – Ich glaube, für dich gibt es nur schwarz oder weiß, klein oder groß, Freund oder Feind und nichts dazwischen.“

„Gegensätze, so erzählt man sich, ziehen sich an.“

„Können ohne etwas dazwischen aber auch trennen, behaupte ich.“

„Trennen von was?“

„Du fängst schon wieder, an zu schreien.“

„Tue ich nicht.“

„Tust du doch.“

„Eine Frage: Was sind Zwischentöne?“

Zum Beispiel gibt es zwischen schwarz und weiß Grautöne.“

„Und wie verhält es sich mit richtig und falsch?“

Aus meiner Sicht gibt es kein richtig und kein falsch.“

„Na klar gibt es ein richtig und ein falsch?“

Falsch. – Im Übrigen fängst du schon wieder an zu schreien.“

Scheinbar merke ich es gar nicht, dass ich schreie.“

Aber ich! – Nun zur Erklärung: Was heute falsch scheint, scheint morgen richtig und umgekehrt.“

„Was heute weiß ist, kann doch morgen nicht schwarz sein?“

Das stimmt! Aber als Übergang von weiß zu schwarz gibt es die Grautöne. Das verbindet. Verstehst du?“

„Das ist für mich sehr kompliziert. Darüber muss ich nachdenken.“

Merkst du es auch?“

„Was?“

„Mir fällt auf, dass wir eine gemeinsame Lautstärke gefunden haben.“

Weißt du, was mir klar geworden ist?“

„Was?“

Mir ist klar geworden, dass es bei allen Gegensätzen ein Miteinander geben kann. – Ich möchte dir jetzt etwas ins Ohr flüstern. Darf ich?“

„Was denn?“

„Ich mag dich.“

„Und ich möchte herausschreien, das ich dich auch mag.“

„Das können zwar alle wissen, müssen aber nicht alle hören.“

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