Inge Hoppe-Grabinger

Die schwarze Lederjacke (U-Bahn-Geschichten)


Sie sitzt neben mir in der U-Bahn und trägt eine strenge schwarze Lederjacke.Der Halsschmuck,  das T-Shirt,
die Leggings, die Stiefel sind ebenfalls schwarz.
Wie alt ist sie?  Selten genug bin ich so unsicher bei der Einschätzung, ich  schwanke ich zwischen l8 und 28. 
Das Gesicht ist neutral, um nicht zu sagen ausdruckslos, nicht schön, aber auch nicht unschön.
Sie greift in die rechte Tasche. Gleich wird sie auf dem Smartphone diese blöden Hüpfspiele spielen,
denke ich, bei denen es um die Geschicklichkeit der beiden Daumen geht.  Schon fühle ich die kleine
Wut aufsteigen, wenn ich so etwas sehe. Immer würde ich gar zu gern sagen: Was für eine Zeit-
verschwendung. Fällt  Ihnen nichts Besseres ein?  Was man doch in der gleichen Zeit   anstellen
könnte etc . 
Sie greift in die Tasche ihrer schwarzen Lederjacke und holt  eine weiße Stoffprobe heraus, so groß
wie ein Smartphone,  weiße Seide, bestickt mit weißen Blüten. Immer wieder lässt sie diese Stoffprobe
durch die schmalen Finger gleiten, mit der Kuppe des rechten Zeigefingers befühlt sie die Erhebungen
der Blüten im Stoff.  Dann faltet sie sorgsam dieses kleine Stück Stoff zusammen  und nimmt es
zurück in die  rechte Tasche der schwarzen Lederjacke.  Und dann steigt sie aus.

2O. April 2o17   (beobachtet zwischen Bahnhof Zoo und Spichernstr.)

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Inge Hoppe-Grabinger).
Der Beitrag wurde von Inge Hoppe-Grabinger auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.04.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Bücher unserer Autoren:

cover

Dem Leben entgegen von Monika Wilhelm



Zwei sensible Frauen, die sensible Gedichte schreiben. Beide schürfen tief. Da bleibt nichts an der Oberfläche. Beide schöpfen aus ihrem emotionalen Reichtum und ihrem souveränen Umgang mit Sprache. Dabei entfalten sie eine immer wieder überraschende Bandbreite: Manches spiegelt die Ästhetik traditioneller formaler Regeln, manches erscheint fast pointilistisch und lässt viel Raum für die eigenen Gedanken und Empfindungen des Lesers. Ein ausgefeiltes Sonett findet sich neben hingetupften sprachlichen Steinchen, die, wenn sie erst in Bewegung geraten, eine ganze Lawine von Assoziationen und Gefühlen auslösen könenn. Bildschön die Kettengedichte nach japanischem Vorbild! Wer hier zunächst über Begriffe wie Oberstollen und Unterstollen stolpert, der hat anhand dieser feinsinnigen Texte mit einem Mal die Chance, eine Tür zu öffnen und - vielleicht auch mit Hilfe von Google oder Wikipedia - die filigrane Welt der Tankas und Rengas zu entdecken. Dass Stefanie Junker und Monika Wilhelm sich auch in Bildern ausdrücken können, erschließt an vielen Stellen eine zusätzliche Dimension [...]

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (1)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Einfach so zum Lesen und Nachdenken" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Inge Hoppe-Grabinger

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Johanna (Teil 6) von Inge Hoppe-Grabinger (Wahre Geschichten)
Kein Unrechtsempfinden... von Rüdiger Nazar (Einfach so zum Lesen und Nachdenken)
Alles nur Zufall...? von Mirjam Horat (Erinnerungen)