Wolfgang Küssner

Macht sauer lustig?

Zugegeben, es gibt deutlich wichtigere Fragen auf dieser Welt, die nach einer dringenden Antwort suchen, als die oben formulierte, ob denn nun „sauer lustig mache“ oder nicht. Blasmusiker sollen angeblich nicht sonderlich amüsiert sein, wenn vor ihren Augen in eine Zitrone gebissen würde, sie koennten dann ihr Musizieren nicht fortführen. Mehrere Tests haben nun allerdings bewiesen, die Bläser spielten trotz Saurem ihren Part problemlos zu Ende. Da war nichts mit lustig. Es ist wohl eine Mär, die sich seit langem breitgemacht hat und hartneckig halten kann.

Ist eine angebotene Frucht alles andere als süß, ein Gericht etwas zu sauer geraten, so ist schnell die Redewendung „sauer macht lustig“ in vieler, entschuldigender  Munde. Und die Worte sind es, nicht die Säure, die zu ersten – bestätigenden? - Lachern führen. Wir saßen mal vor einem Fischgericht, das gedünstet mit einer Sauce aus Chili, Knoblauch und Limettensaft serviert werden sollte. Wurde es auch. Nur, vor lauter Chilies, diese kleinen, ganz scharfen grünen, konnte wir den Fisch nur erahnen. Es war scharf, verdammt scharf und wir mußten uns lachend fragen, wer kann so etwas überhaupt noch essen? Wohl gemerkt: Es war die Schärfe, die zu unserer Belustigung beitrug. Hier soll es aber um Saures gehen. Doch, so ganz einfach ist die Frage wohl nicht zu beantworten.

Der eine oder die andere hat schon mal vor einer Entscheidung stehend Zugeständnisse machen, Nachteile in Kauf nehmen, Umwege beschreiten dürfen. Anders formuliert: Er oder sie hat in einen sauren Apfel beißen müssen. War diese Abweichung, diese Änderung, dieser Kompromiß etwa lustig? Irgendetwas scheint da mit der Redewendung „sauer mache lustig“ nicht ganz stimmig zu sein. Kann da eventuell ein Blick in die Vergangenheit helfen und Aufklärung bringen?

Die Redewendung hat sich erstaunlich gut 300 Jahre behaupten koennen. Die Sprache hat in dieser Zeitspanne allerdings schon die eine oder andere, nein, etliche Veränderungen erfahren, Wandlungen vollzogen. Das Wort „lustig“ bedeutete um das Jahr 1700 herum „gelustig“, im Verständnis von „Lust auf etwas zu essen zu haben“. Der Spruch meinte also gar nicht das Saures lustig machen würde, sondern lediglich das Saures den Appetit anregen, den kleinen Hunger bereiten würde.

Die Säure ist es bekanntlich, die den Speichelfluß anregt, die Magensäure produzieren läßt. Viele Vorspeisen, Antipasti, Hors d´oevres kommen deshalb mit einer leicht säuerlichen Note daher und wecken das Verlangen nach mehr. Damit wäre die Mär vom Sauren, das da lustig machen würde, also widerlegt, geklärt. Doch anderseits, ein voller Bauch hat natürlich gut lachen. Ob es dann Saures war, was ihn gefüllt, gesättig hat, ist sekundär. Die Antwort auf unsere kleine Frage ist also gefunden, es koennten jetzt andere, unter Umständen wichtigere Themen in Angriff genommen werden.

 

August 2016

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