Heinz-Walter Hoetter

Bloody Mary

Es war ein nebliger Samstagabend im Herbst.

Der junge Oswald saß allein zu Hause und schaute sich im Fernsehen gerade einen Gruselfilm an.

Plötzlich klingelte das Telefon.

Oswald zuckte wegen des unerwarteten Geräusches zusammen, stand aber sofort auf und nahm den Hörer ab.

"Hallo, wer ist da?"

Eine weibliche Stimme am anderen Ende der Leitung sagte: "Hier ist das Mädchen mit der blutigen Hand. Ich komme in ein paar Minuten zu dir. Ich bin nicht mehr weit weg."

Oswald legte erschrocken den Hörer auf, ging sofort zurück ins Wohnzimmer, setzte sich aber nicht gleich wieder vors Fernsehgerät, sondern schob den schweren Vorhang des Wohnzimmerfensters ein wenig zur Seite und blickte argwöhnisch durch die trübe Nacht hinüber zum Eingangstor des Grundstücks, das direkt an der Siedlungsstraße lag.

Er konnte leider wegen des dichten Nebels so gut wie nichts erkennen.

Als er sich gerade wieder setzen wollte, klingelte abermals das Telefon. Die weibliche Stimme von vorhin war dran und sagte: "Hier ist das Mädchen mit der blutigen Hand. Ich stehe vor deiner Haustür!"

Oswald ließ vor lauter Schreck den Telefonhörer fallen. Er dachte schon daran, seine Eltern anzurufen, die ganz in der Nähe bei Bekannten zum Essen eingeladen waren. Doch er wollte sich nicht blamieren und mit der für ihn ungewöhnlichen Situation allein fertig werden.

Im nächsten Augenblick wäre ihm fast das Herz in die Hose gerutscht, als es draußen an der Haustüre klingelte.

Mit weichen Knien ging Oswald mutig zur Tür hinüber und öffnete sie nur ein kleines Stück. Vorsichtshalber ließ er die Sicherheitskette dran. Dann blickte er ängstlich durch den schmalen Spalt nach draußen.

"Hallo Oswald, ich bin's, die Mary von nebenan. Meine Eltern sind heute Abend ins Kino gegangen. Ich hab' mir beim Brotschneiden die Hand verletzt. Die Wunde ist zwar nicht groß, blutet aber ganz schön. Leider haben wir weder Verbandsmaterial noch Pflaster im Haus. Kannst du mir vielleicht damit aushelfen?"

Dabei hielt Mary die linke Hand hoch, die rot vor Blut war.

(c)Heiwahoe

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.04.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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