Hans K. Reiter

Der Pfau - Aufstieg und Fall...

April 2017

Entwurf einer Geschichte, auf der Grundlage zweier Kurzgeschichten von Egbert Schmitt

  1. Alles hängt mit allem zusammen... (www.e-stories.de)
  2. Über die Minderheit der Schamlosen...(www.e-stories.de)

Mitwirkende:

  1. Julius Pongratz – ein verträumter Realist
  2. Bettina Lichtenzweig – eine junge Frau, die gerne glaubt, was man ihr sagt
  3. Herbert Ehrenberg – ein Manager, der weiß, wie man nach oben kommt
  4. Sofia Liebreiz – eine Frau um die Vierzig, die sich immer schon gerne gegen alles aufgelehnt hat

 

 Der Pfau - Aufstieg und Fall – 13 Kapitel über eine verworrene Zeit.


(1)

Julius Pongratz war ein durchaus verträglicher Mensch. Im beschaulichen Oberammergau das Licht der Welt erblickt, bekam er schon mit der Muttermilch die sprichwörtliche Gelassenheit der Menschen dieser Region eingeflößt. Der Vater, ein Beamter im bayerischen Staatsdienst, wurde immer wieder versetzt und so verschlug es die Familie quer durch alle Regionen Bayerns, gerade so, wie es eben die Karriere des Familienoberhauptes verlangte.

Julius, wohl erzogen, erwies sich als lebensnaher Mensch mit einem gesunden Verstand fürs Reale. Abitur, nichts Anderes wäre für den strebsamen Sohn eines höheren Regierungsbeamten denkbar gewesen, Studium in München, auch das war quasi vorgegeben, und nunmehr Doktor jur., also der Rechtswissenschaften, und mit dem gleichen Selbstverständnis wie der Vater der Beamtenlaufbahn einverleibt.

 

An diesem Tag stand der gute Julius an einer der vielen verkehrsdurchströmten Adern der Landeshauptstadt und versuchte ziemlich zwecklos, das andere Ufer zu erreichen. Von gegenüber lachte ihn der imposante Sitz der Regierung von Oberbayern an. Das im neugotischen Stil Maximilians 1864 fertiggestellte Dienstrefugium sollte er in spätestens sieben Minuten erreicht haben, andernfalls..., aber soweit mochte Julius gar nicht erst denken, denn er kam niemals zu spät. Weiter vorne hätte es eine Ampel gegeben, aber dafür war jetzt keine Zeit mehr. Was selten vorkam: Julius fasste sich ein Herz, warf jedwede Erziehung über Board und hechtete todesmutig zwischen den endlosen Autoschlangen hindurch zur anderen Straßenseite.

 

(2)

Bettina Lichtenzweig grüßte flüchtig, als Julius auf die Minute pünktlich das Sitzungszimmer betrat. Kaum hatte er Platz genommen und ein paar Schreibutensilien vor sich auf dem Tisch drapiert, eröffnete ein hagerer Mann im dunklen Anzug um die fünfzig die Sitzung. Kein Zweifel, dieser Herr gehörte nicht dem Regierungslager an. „Schön, dass es unser verehrter Kollege aus dem Ministerium auch noch geschafft hat“, sagte er und erklärte dann in dünnen Worten, weswegen sie heute zusammengekommen waren.

„Kann es sein, dass er Sie nicht mag?“, fragte Bettina Julius in einer Pause.
„Keine Sorge, das beruht auf Gegenseitigkeit.“

Bettina gehörte den Grünen im Landtag an und Julius fand sie immer wohltuend sachlich. Heute ging es um ein Thema, das der Landtag zur Klärung von Sachfragen an einen Arbeitskreis verwiesen hatte, bei dem er, Julius, die Rechtsauffassung seines Ministeriums vertrat.

„Wissen Sie, wir Grüne wollen das Vorhaben einerseits durchaus unterstützen, aber...“ „...andererseits“, fiel ihr Julius ins Wort, „wollen Sie nicht zustimmen, solange der Ehrenberg in dieser Sache ständig die Belange seiner Firma in den Vordergrund peitscht, stimmt’s?“
„Ja, warum soll ich es nicht zugeben? Dieser Herr hat uns doch alle miteinander schon so oft hinters Licht geführt, dass wir einfach kein Vertrauen mehr in ihn haben.“
„Und vergessen Sie nicht Ihre Freunde von den Sozis. Die wollen das Vorhaben sowieso kippen, aber nicht, weil es sachlich unbegründet wäre, sondern, weil es von der Regierung kommt. Habe ich nicht auch hier recht?“
„Na ja, vielleicht ein wenig“
„Sehen Sie, mein Vorteil ist: Ich bin nur der ministerielle Vertreter für die rechtliche Seite, die politischen Entscheidungen müssen Sie dann im Landtag treffen.“

Am Ende der Sitzung grüßte Julius noch kurz hinüber zu Bettina, was diese mit einem Lächeln und kurzem Nicken quittierte, dann machte er sich eilig auf den Weg in die nahegelegene Staatskanzlei.


„Kommen Sie, nehmen Sie Platz“, sagte der Staatssekretär, schlank, dunkler Zweireiher, Sakko geschlossen, und wies auf ein paar Stühle, die um einen Tisch gruppiert waren. „Wie ist es gelaufen?“, kam er ohne Umschweife gleich auf den Punkt.

Julius erläuterte, dass die rechtlichen Bedenken ausgeräumt seien, es jedoch zu gewissen Verwerfungen, ja, er sagte Verwerfungen, wegen Herrn Ehrenberg gekommen sei.
„Also, nichts Sachliches?“, fragte der Staatsekretär dazwischen, derweil der Begriff Verwerfungen der strengen Mine seines Konterfeis einen wohlwollenden Blick entlockte.
„Nein, die Grünen mögen den Ehrenberg nicht und die Roten, na ja, deren Begründung für die Ablehnung kennen Sie ja. Die Freien stimmen zu.“
„Danke, ich werde es dem Minister berichten.“

Was für ein Zirkus, dachte Julius. Wie so oft waren nicht die Inhalte, sondern ganz banale Befindlichkeiten ausschlaggebend: Von wem kam die Vorlage? Waren Zugeständnisse für eigene Vorhaben zu ergattern? Wer mischte an einflussreicher Stelle sonst noch mit?

 

(3)

„Bei uns stehen doch immer die Sachthemen im Vordergrund, nicht wahr?“, sagte Sofia Liebreiz in die Kamera - ZDF am Donnerstagabend. Polittalk, da kannte sie sich aus. Sie wurde gerne eingeladen und nahm es auch sehr gerne an. Wo kann ich meine Meinung wirkungsvoller kundtun als im Fernsehen?, war eine ihrer beliebten rhetorischen Fragen. Sofia wusste sehr genau, wie sie sich in Szene setzen musste, bei welchen Gelegenheiten Nachdenken angesagt war und wann eine schnelle Antwort den Vorteil brachte.

„Frau Liebreiz“, sagte die Moderatorin der Sendung, „Sie treten seit Jahren für mehr Demokratie ein. Was konkret meinen Sie damit?“
„Nun, wie Sie wissen, gehöre ich keiner Partei an. Wohl aber sprechen wir freien Journalisten miteinander und erörtern unsere Vorhaben und Zielsetzungen. Deshalb kann ich mit Recht behaupten, UNS sind die Sachthemen immer wichtiger, als das Geschacher um Posten.“
„Weil Sie keine Posten anstreben?“, fragte die Moderatorin dazwischen.
„Ja, zum Beispiel deshalb, aber es gibt noch viele andere Gründe, sich an dem Postenpoker nicht zu beteiligen. Zu Ihrer Frage: Demokratie beginnt doch damit, dass die Wähler, das Volk also, jene Frauen und Männer mit Mandaten ausstatten, von denen sie überzeugt sind, dass sie ihre Geschicke am besten regeln können. Durch direkte Beteiligung sollen die Bürger aber auch darauf Einfluss nehmen können, ob sie bestimmte Vorhaben unterstützen wollen oder eben nicht. Solche Volksbefragungen müssen möglich werden und für die Politik bindend sein. Das Volk braucht mehr Kontrolle über die Politik – das ist der Punkt.“

Nervös oder auch betont ruhig, ja beinahe gelangweilt wirkend, reagierten manche der Teilnehmer auf Sofia Liebreizes Statements.

„Das kennen wir nun schon von Ihnen, Frau Liebreiz“, bemerkte der Vertreter der neuen Partei, die landläufig als rechtspopulistisch bezeichnet wird. „Sie stoßen immer ins gleiche Horn, aber konkrete Vorschläge kommen nicht, da haben Sie nichts im Petto. Wir dagegen schon, weshalb die Menschen uns auch wählen, während andere Parteien massiv an Stimmen verlieren.“

Während die Moderatorin erfolglos versuchte, das Heft wieder in die Hand zu bekommen, war Sofia Liebreiz schon in ihrem Element.
„Sie und Ihre dubiose Partei verfügen über konkrete Vorschläge? Da muss ich ja lachen. Welche denn? Abgekupfertes verwenden Sie, mal von den Christlichen, mal von den Grünen, mal sogar von den Freidemokraten und sogar von den Linken, wenn’s passt. Sie haben nichts, ich betone: rein gar nichts Eigenes mit Substanz! Erklären Sie den Zuschauern doch mal, wie es kommt, dass man in Ihrer Partei gerne Personen antrifft, die davor schon als Mitglieder in anderen Parteien so gut wie nicht aufgefallen sind, keine Funktionen ausgeübt und höchstens Mittelmaß entwickelten haben! Sie sind im engeren Sinn noch nicht einmal rechtspopulistisch, auch, wenn dies gerne behauptet wird, denn dazu müssten Sie einen Standpunkt einnehmen, aber selbst hierzu sind Sie nicht fähig. Sie fischen im braunen Tümpel ohne eigene Meinung und nehmen alles mit, egal woher es kommt, nicht wahr. Heute so und morgen so, das ist ihr Motto. Sie spielen mit den Menschen, nutzen deren innere Zerrissenheit, um daraus Kapital zu schlagen, aber nicht, um etwas für diese Menschen zu verändern. Nein, Sie tun es, um Stimmen zu fangen, die Ihnen aufgrund der staatlichen Zuschüsse ein angenehmes Leben bescheren. Sie tun es, weil lukrative Posten winken und Sie tun es, weil Sie öffentlichkeitsgeil sind, um mal ein Wort aus der modernen Sprache zu verwenden.“

 

(4)

Herbert Ehrenberg war ganz oben. Höher ging es kaum noch. Als Vorstandsvorsitzender eines der größten Elektrokonzerne war er überall ein gefragter Mann. Die Kanzlerin bestellte ihn als ständigen Berater, andere schätzten die Ehre, Ehrenberg als Vorsitzenden des Aufsichtsrates bezahlen zu dürfen, wieder andere fühlten sich geschmeichelt, Mitglied im selben Club wie Ehrenberg zu sein, und vieles mehr.

Ehrenberg war ein ehrgeiziger Mensch, dem Fleiß, Disziplin und Zielstrebigkeit als oberste Maximen galten. Und noch ein wichtiges Merkmal prägte seinen Charakter: Ehrenberg ließ niemanden und nichts neben sich gelten. Ein stets freundliches Lächeln begleitete dabei seinen Lebensalltag. Es gibt niemanden, der für dich ist, pflegte er gerne als Motto auszugeben, wenn danach gefragt und sie, die TVs der Welt, fragten ihn bei jeder passenden Gelegenheit danach: in Interviews, bei Talkshows, wo immer sie ihn erwischten.

„Ein Kritiker aus Ihrem Heimatland hat kürzlich, auf Führungskader angesprochen, gesagt, Zitat: Soziopathen umgeben uns seit Anbeginn der Zeitrechnung und ziehen eine zweibeinige Schneise moralischer Verwüstung durch Wohn und Lebensraum der Weltgeschichte. Was sagen Sie dazu? Hat es Sie betroffen gemacht? Insbesondere, wenn er die Frage anfügt, ob nur Soziopathen an wichtige Führungspositionen kommen, weil es mehr oder weniger nur solche gibt, die es schaffen, sich durchzusetzen, zum Wohle eines Wirtschaftsunternehmens, Staatsgebildes oder gängiger Religionsgemeinschaften.“
„Ich kenne den Kritiker nicht und habe auch nie von ihm gehört, aber was denkt sich dieser Mensch eigentlich, wie die Welt funktioniert? Glaubt er, die Menschheit wäre dort, wo wir heute sind, wenn die entscheidenden Führungspositionen von Luschen und Gefühlsenthusiasten besetzt wären? Wer ist jetzt Soziopath? Sind Soziopathen nicht Personen, die nicht oder nur eingeschränkt Mitgefühl empfinden können? Wir haben doch jedes Mitgefühl für die großen Entwicklungen in der Welt! Denkt nicht kleinkariert, wer dieses nicht sieht?“

„Aber, bestätigen Sie damit nicht gerade die Kritik an den Ursachen der desaströsen Zustände in der Welt?“

„Wo soll das sein? Etwa hier im Westen, in Deutschland oder im Osten, in China, in Japan? Ich sehe das nicht. Nehmen Sie als Beispiel die Entwicklung Chinas der letzten 20 Jahre. Was fährt dort auf den Straßen, was wird dort produziert, gibt es eine Nation, die stärker expandiert hat? Ist doch Humbug! Nur, weil es Leute gibt, die Entscheidungen jenseits moralgeschwängerter Gefühle treffen, merken Sie sich diesen Ausdruck, geht es in der Welt voran, nicht umgekehrt!“

 

(5)

„Herr Pongratz, Sie sollen zum Chef“, sagte der blonde Schopf, der am Türrahmen gelehnten Abteilungssekretärin. Pongratz schloss nur selten die Türe zum Vorzimmer.

„Nehmen Sie Platz“, sagte der Mann im dunkelblauen Bossanzug mit einem gewinnenden Lächeln, das, so schien es, weil weit verbreitet, eine der Voraussetzungen war, um in den höheren ministerialen Dienst aufzusteigen. „Sie haben einen guten Eindruck hinterlassen. Die Staatskanzlei, kein geringerer als der Herr Staatssekretär mit dem Doppelnamen, war vorhin am Telefon. Das Projekt Ehrenberg, wie sie es dort intern bezeichnen, war Gegenstand der Lagebesprechung beim Ministerpräsidenten und dabei ist Ihr Name gefallen. Kurzum, Sie sollen heute Nachmittag gegen 16:00 Uhr rüberkommen, der Ministerpräsident möchte mit Ihnen sprechen.“


Also stand er nun hier im Vorzimmer des Ministerpräsidenten, nachdem er die entsprechende Sicherheitsschleuse passiert hatte. „Pongratz, Julius Pongratz“, stellte er sich vor und erinnerte sich dabei irgendwie in die Schulzeit zurückversetzt.

„Einen Augenblick, Herr Doktor Pongratz“, sagte eine der Damen hinter dem Tresen, „der Herr Ministerpräsident ist gleich für Sie da. Nehmen Sie doch bitte noch so lange Platz.“

Das war keine Bitte, sondern ein Befehl und artig setzte sich Julius in einen der Sessel.

 

„Herr Ministerpräsident, Herr Doktor Pongratz“, sagte die Sekretärin, bat Julius einzutreten und schloss augenblicklich die jedes Geräusch absorbierende Türe zum Büro des Allerheiligsten.

„Grüß Sie Herr Pongratz“, das war der Unterschied, der Landesvater ließ den Doktor einfach weg. Einen Augenblick später saß Julius dem großen und gewichtigen Mann des Bayerischen Freistaates gegenüber, getrennt nur von einem großzügigen, beinahe üppig zu nennenden, aber modernen Schreibtisch, auf dem so gut wie nichts lag, keine Akten, keine Stifte, keine Büroutensilien, bis auf zwei Telefone schlicht nichts.

„Sie haben gute Arbeit geleistet, ich meine das Vorhaben Ehrenberg, so nennen wir es hier.“ Julius wollte eine abwehrende Geste machen und irgendetwas sagen wie, das sei doch seine Aufgabe und nicht der Rede wert, aber der Ministerpräsident winkte ab und fuhr stattdessen fort: „Leute wie Sie brauchen wir! Sie sind nicht in der Partei? Vielleicht wollen Sie es sich überlegen. Sprechen Sie die nächsten Tage mit Herrn Schäumer, unserem Sekretär, ich habe ihn bereits informiert.“ Da staunte der Julius. Es war schon alles eingetütet, ohne ihn zu fragen. Hatte er eine Wahl?
„Ich wusste, dass Sie für diese Aufgabe der richtige sind, habe es gar nicht anders erwartet. Sie behalten natürlich Ihren Job im Ministerium, eine Stufe höher vielleicht, aber das besprechen Sie alles mit dem Schäumer. Hat mich gefreut, wir sehen uns sicher noch öfter, jetzt, nachdem Sie zu uns gehören!“


Damit stand Julius wieder im Vorzimmer. Hatte er überhaupt etwas gesagt, da drinnen im Büro des Allmächtigen? Wenn ja, dann höchstens Belangloses, aber wahrscheinlich hatte er tatsächlich nichts gesagt. Eine neue Erfahrung in seinem Leben!

„Herr Schäumer erwartet Sie morgen früh um achtuhrdreißig in der Nyphenburger Straße. Wir haben das für Sie schon organisiert.“

Damit war er endgültig entlassen.

 

(6)

Wie benommen verließ Julius die Staatskanzlei, schritt einfach ziellos geradeaus, als er vielleicht dreißig Meter entfernt jemanden winken sah. Es war Bettina Lichtenzweig, die Grüne. „Sie kommen von da?“, fragte Bettina unumwunden.
„Ja“, war alles, was ihm als Antwort einfiel.
„Haben Sie Lust auf einen Cappuccino?“, fragte Bettina, die Julius nicht nur attraktiv fand, sondern auch seiner Einsilbigkeit auf die Spur kommen wollte. Ein paar Minuten später saßen sie im Eisbach und hatten das Bestellte vor sich auf dem Tisch.

„Wissen Sie, dass ich manchmal darüber nachdenke, wie mein Leben verlaufen würde oder besser gesagt, verlaufen wäre, wenn die eine oder andere Begebenheit nicht eingetreten wäre. Nehmen wir zum Beispiel unser Zusammentreffen von soeben. Würden wir beide jetzt hier sitzen oder vielleicht doch nicht? Hätte es eventuell einen anderen Umstand gegeben, der uns trotzdem hier zusammengeführt hätte oder was würde Ihnen und mir wiederfahren, wenn wir uns nicht getroffen hätten?“

Julius schaut leicht verblüfft auf Bettina, und sagte lapidar: „Solch weltbewegende Fragen beschäftigen Sie?“ Im gleichen Moment wusste er, dass seine Antwort nicht so ganz angebracht gewesen war und er unternahm den Versuch einer Korrektur: „Ich meine, Ihre philosophische Ader hat mich, zugegeben, etwas überrascht.“

„Ist doch ein interessantes Gedankenspiel, bestimmte Situationen immer wieder neu wiederholen und durchleben zu können, und zwar beliebig oft, bis sich ein Umstand so eingestellt hätte, wie ich es mir erwünscht habe.“
„Sie wollen die Uhr anhalten, das Weltgeschehen anhalten, vielleicht sogar den gesamten Kosmos, nur um eine ganz bestimmte Situation für sich anders zu gestalten?“
„Ja, gedanklich, nicht wirklich“, erwiderte Bettina.
„Natürlich gedanklich. Wissen Sie, ich glaube nicht, dass Sie jemals an ein Ende gelangen würden. Zu viele Einflüsse bedingten massenhafte Wiederholungen, die sie gar nicht in der Lage wären, aufeinander abzustimmen. Ich befürchte, unser menschliches Gehirn wäre damit um einiges überfordert, die sich ständig verschiebende Zeit- und Bewusstseinsebenen immer wieder neu zu ordnen.“
„Aber wäre es nicht faszinierend, wenn Sie, zum Beispiel, Ihren Gesprächsverlauf von vorhin in der Staatskanzlei, rückgängig machen könnten oder ihm eine andere Richtung geben?“
„Ich weiß es ehrlich gesagt nicht. Nicht heute, vielleicht morgen oder nächste Woche, wer weiß? Eben erst dann, wenn Folgen auf mich zukämen, die ich in dieser Form lieber nicht haben möchte. Aber, wüsste ich, ob nicht gravierend Schlimmeres mein weiteres Leben bestimmen würde, sollte ich den Ablauf rückwirken beeinflussen wollen?“
„Sie meinen, einerseits Schlimmes zu verhindern, um andererseits noch Schlimmeres heraufzubeschwören?“
„Ja, aber auch viel einfachere Dinge würden nicht mehr so geschehen, wie sie geschehen sind. Beispiel: Würde jemand noch den oder diejenige heiraten, den er oder sie tatsächlich geheiratet hat? Würden unsere Nachkommen noch jene sein, die sie seit Anbeginn der Zeit sind? Würden wir noch lernen, studieren et cetera, für was wir uns entschieden haben?“ „Dagegen halten könnte man, dass Despoten wie Hitler oder Stalin die Welt nicht in Abgründe hätten stürzen können, dass wir heute friedlicher zusammenleben würden und Vieles mehr.“
Julius überlegte kurz und meinte dann: „Hoffen wir, dass dann nicht noch schlimmere Gesellen das Sagen gehabt hätten und die Welt schon längst nicht mehr existieren würde. Vielleicht wären wir des ständigen Korrigierens überdrüssig geworden oder die Fähigkeit, selbiges zu tun, wäre plötzlich verebbt. Was dann?“
„Es bleibt ein Gedankenspiel, das uns allerdings bei entsprechender Konditionierung auch in den Wahnsinn treiben könnte. Ein Punkt, vielleicht der wichtigste überhaupt, ist doch die Überlegung, ob sich die Mühen lohnen, ein bereits gelebtes Leben noch einmal durchzustehen, alles schon zu wissen und dabei trotzdem das Ziel zu kennen?“
„Ein guter Schlusspunkt, wie ich finde“, sagte Julius.

„Lassen Sie mich es trotzdem eines Tages wissen, ob Sie Ihre Entscheidung aufgrund des heutigen Gespräches in der Staatskanzlei revidieren würden, wenn Sie die Möglichkeit dazu hätten?“
„Ich werde es Ihnen sagen, liebe Frau Lichtenzweig. Und, ein freundschaftlicher Rat, verwirren Sie sich nicht selbst mit solcherart Spielchen, denn weit genug getrieben stünde am Ende die Frage, ob das Leben dann noch lebenswert wäre?“

 

(7)

Natürlich war er pünktlich, anderes kannte Julius Pongratz nicht.

„Einen Augenblick noch, Herr Schäumer ist gerade am Telefon“, sagte eine der Sekretärinnen, „wenn Sie wollen, dort drüben...“, sie nickte ihm zu und zeigte auf paar Sessel.

Alles Leder – na ja, der Schäumer, wie ihn der Ministerpräsident etwas despektierlich genannt hatte, war immerhin der Generalsekretär dieser Partei. Es ist eine Manie der Mächtigen, dachte Julius, sie lassen dich immer warten, ein paar Minuten wenigsten, um dir gleich von vorne herein zu zeigen, wer hier den Ton angibt und wie beschäftigt sie doch eigentlich sind und du sie in der Ausübung ihrer so wichtigen, nicht delegierbaren Aufgaben nur störst.

„So, jetzt bitte! Herr Doktor Schäumer, Herr Doktor Pongratz,“ mit einem sanften Schmatzen fiel die Tür ins Schloss.

Der Mann, den er vom Fernsehen hinlänglich kannte, sprang hinter seinem Schreibtisch hervor, drei, vier schnelle, dynamische Schritte, dann stand der Generalsekretär vor ihm, streckte ihm die Rechte entgegen und dröhnte ein Guten Morgen, lieber Herr Pongratz! „Setzen wir uns doch!“, sagte diese sonore Stimme und schob Julius auf einen Sessel. Auf dem Tisch eine Kanne mit Kaffee und ein Teller mit Butterbrezen. „Oder wollen Sie lieber einen Tee?“, dröhnte der Bass erneut.

„Nein, nein, alles bestens“, beeilte sich Julius zu versichern.

Die nächsten 20 Minuten hämmerte der Schäumersche Bass unablässig Botschaften des Ministerpräsidenten, wie er mehrfach beteuerte, in seine Ohren.

„Erstens, Sie brauchen nur noch hier zu unterschreiben, werden Sie mit dem heutigen Tag Mitglied unserer Partei. Zweitens übernehmen Sie mit sofortiger Wirkung im Ministerium ein Sonderreferat, das sich mit der juristischen Bewertung spezieller Projekte und Sondervorhaben befasst. Alles Themen, die dem Ministerpräsidenten persönlich am Herzen liegen, sie verstehen?“
Julius nickte nur, erahnte, um welcher Art Aufgaben es sich tatsächlich handeln könnte, verstand aber nicht die Bohne, was da auf ihn zukommen sollte.
„Nun zu Ihrer ersten Aufgabe im neuen Resort.“

Ein staunender Julius Pongratz erfuhr nunmehr unter dem Siegel der absoluten Verschwiegenheit, dass es seine Aufgabe wäre, diesen selbstherrlichen Klotz Ehrenberg derart zu bearbeiten, dass der Aufsichtsrat des Unternehmens genügend Munition in die Hand bekäme, diesen unliebsamen und untragbaren Zeitgenossen aus seiner derzeitigen Funktion zu entfernen. „Ich verstehe recht, ich soll dafür sorgen, dass der Mann seinen Job als Vorstandsvorsitzender verliert?“

„Ich sehe, wir verstehen uns“, schwärmte Doktor Schäumer regelrecht.

Ja, besser konnte man es nicht ausdrücken, sie verstanden sich. Dr. jur. Ulrich Pongratz war jetzt frischgebackenes Mitglied der Partei, war in der Rangleiter des Ministeriums nicht unbedeutend nach oben gerutscht und hatte seinen ersten Job, nämlich, dafür zu sorgen, dass dieser Kotzbrocken Ehrenberg nicht mehr in ihren ministeriellen Angelegenheiten herumrühren konnte. Passt, sagte Julius nicht unzufrieden mit sich selbst.

 

(8)

„Sagen Sie, haben Sie zufällig im Fernsehen das Interview mit dem Ehrenberg gesehen?“ „Nein, habe ich nicht. Etwas Besonderes?“
„Es war darin die Rede von einem Ehrenberg-Kritiker. Finden Sie bitte heraus wer das ist, Name, Adresse und so weiter“, sagte Sofia Liebreiz, beendete das Gespräch und warf das Handy achtlos in ihre Tasche. Auf ihre Assistentin war Verlass und sie würde sicher schon sehr bald sehr viel mehr über diesen Kritiker wissen.

 

(9)

Wie sie ihn ankotzte, diese Scheinheiligkeit und Heuchelei. Jeder wusste doch Bescheid, wie man sich heute auf dem Weltmarkt bewegte. Allen voran die Roten, keine Ahnung von nix. Sollten sie sich doch mal zum Beispiel in Thüringen erkundigen. Der Ramelow wusste doch Bescheid und sollte es seinen Genossen doch bitte endlich auch erklären. Diese abgefuckten linken Parolen – er konnte sie einfach nicht mehr hören. Wie Roboter spulten sie ihre Reden ab. Egal, was du für Fragen stellst, sie reden einfach weiter.
Dann diese Journalisten, fragen dir ein Loch in den Bauch, verstehen nur die Hälfte, drehen dir das Wort im Munde herum und schreiben nachher, was ihnen gerade so gefällt oder wofür sie bezahlt werden oder wozu sie angewiesen wurden. Jetzt durfte er sich auch noch für die Gesprächsfetzen rechtfertigen, die ihm kürzlich so ein Schreiberling abverlangt hatte, weil er ihm mit dieser blödsinnigen Soziopathenfrage auf den Leim gegangen war. Was glaubten denn diese grün angehauchten, Freudschen Versprecher-Politiker wie Wirtschaft funktionierte? Wie auf den Weltmärkten Geschäfte gemacht werden? Wer nicht mit harten Bandagen kämpfte, der ging unter, verschwand einfach sang und klanglos, wurde übernommen, aufgekauft, ausgebotet oder was sonst für Begriffe gefielen. Ja, es stimmte, mit ihm hatten sie es nicht leicht, deshalb stand er zurecht dort, wo er heute war.

Und, ja, sie hatten sogar damit recht, dass ihn Einzelschicksale der Arbeitnehmerschaft nicht wirklich interessierten, nicht interessieren durften. Die Notwendigkeit von Werkschließungen, Verkauf von Unternehmensteilen, Abstoßen von Beteiligungen oder ähnlichem ergab sich aus Zusammenhängen ganz anderer Natur, waren die Folge von Expansion und Investitionen, von strategischer Ausrichtung, aber das verstanden diese Kleingeister eben nicht und würden es auch niemals verstehen. Fressen oder gefressen werden, das war die Devise und er würde nicht zu den Verlierern gehören. Nein, er nicht! Er und seinesgleichen würden eine Schneise moralischer Vernichtung hinterlassen, hatte dieser Kritiker von sich gegeben. Wandelte die Moral sich nicht ständig, passte sich der Strömung der von der Mehrheit getragenen oder herbeigewünschten Normalität an? Von welcher Moral sprachen diese Besserwisser denn? Von ihrer eigenen, verqueren und sauertöpfischen Empfindungswelt, die dadurch geprägt war, dass ihnen jegliche Möglichkeit nach wirklich Großem verwehrt war und immer verwehrt bleiben wird? Soll ihr Denken und Fühlen der Maßstab für die Zukunft sein? Nein, ganz sicher nicht. Sie würden die Welt zugrunde richten, im Brei von Gefühlsduselei versinken lassen! Um das zu verhindern und den Fortschritt zu bewahren, dafür brauchte es Eliten, dafür brauchte es Männer wie ihn!

 

(10)

Julius Pongratz wusste im Augenblick nichts von Ehrenbergs weitreichenden Gedankenflügen, war jedoch auch ohne deren Kenntnis entschlossen, seinem neuen Zuständigkeitsbereich sehr schnell zu einer wirkungsvollen Präsenz zu verhelfen. War das nicht Staatsdienst im wahrsten Sinne? Julius legte augenblicklich ein Dossier Ehrenberg an. Eine Sammlung von Sitzungsprotokollen, Kontakten Ehrenbergs, soweit er sie kannte, Telefonnotizen und Aktennotizen entstand. Einer Idee folgend packte Julius noch eine Rubrik sonstige Informationen hinzu. Es war nicht besonders schwer, diese Rubrik mit zahlreichen Informationen über Ehrenberg aus den unterschiedlichsten Quellen zu füllen.

Jetzt brauchte es noch den Stein des Anstoßes. Schritt für Schritt, dachte Julius, und lancierte als Erstes eine Information beim Aufsichtsratsvorsitzenden des Konzerns dessen Vorstandsvorsitzender Ehrenberg war, wonach es Gerüchte um ein Dossier Ehrenberg im Umfeld des Ministerpräsidenten gäbe. Der Mann käme nicht gut an, ließ Julius verlauten. Solches war nicht schwer, denn Julius wusste um die besonderen Informationswege, derer man sich bediente, um Vertrauliches aus dem Ministerium publik werden zu lassen. Als nächstes führte er ein kurzes Gespräch mit der ständigen Vertretung der Partei in Berlin. In der Folge würde man leider aus unerklärlichen Gründen vergessen haben Herrn Ehrenberg zur nächsten Informationsrunde im Bundeskanzleramt einzuladen. Und noch einen dritten Keil wollte Julius in die Beschaulichkeit Ehrenbergs treiben. Dazu führte er ein Telefonat mit dem Erzbischöflichen Ordinariat. Ein ehemaliger Studienkollege würde sich dort seiner Wünsche annehmen, was im Übrigen gelegentlich auch umgekehrt der Fall war. Seit der Trennung von Kirche und Staat hielten sich die kirchlichen Würdenträger zwar in aller Regel aus dem politischen Tagesgeschäft heraus, eine geharnischte Predigt konnte ihnen aber niemand verwehren und besonders in Bayern wurde dies vom gläubigen Volk auch erwartet. Julius durfte also getrost darauf vertrauen, dass es im Liebfrauen Dom zu München an einem der nächsten Sonntage zu einer Generalabrechnung von der Kanzel an das gläubige Volk kommen würde, die dem Herrn Ehrenberg und seinen Aufsichtsräten so gar nicht gefallen würde. Julius lächelte vor sich hin und sinnierte: Wer sich in Bayern mit der Kirche anlegte, der hatte schon verloren, bevor es überhaupt losging.

 

(11)

„Ich danke dir“, sagte Sofia Liebreiz, „bist ein Schatz.“ Schnell, wie erwartet, hatte ihre Assistentin nicht nur die Kontaktdaten des Ehrenberg-Kritikers ausgegraben, sondern ihr den entsprechenden Artikel und den Link des Interviews in YouTube bereits per Mail zugesandt. ...über die Minderheit der Schamlosen, ein sehr treffend verfasster Artikel, dem nicht viel hinzuzufügen war, wie sie fand. Logisch, dass sich der Ehrenberg da angepisst fühlte. Mein lieber Ehrenberg, da setzen wir noch eines drauf!, beschloss Sofia und griff zum Handy.
„Grüß dich, mein Lieber! Pass auf, du musst etwas für mich tun. ...du bist unmöglich, aber warum nicht, später vielleicht. Also hör zu!“
Ihr Freund aus alten Tagen, Chefredakteur bei einem der großen Boulevardblätter, schlug ihr niemals einen Wunsch ab, das wusste sie, und so war es auch dieses Mal. Ehrenberg, das wird dir sicher ganz und gar nicht gefallen!, murmelte Sie, winkte einem Taxi und fuhr ins Hotel.

 

(12)

Wenn der Ministerpräsident die kleine Runde einberief, kamen alle pünktlich, sogar der Finanz- und Heimatminister. „Ich habe Herrn Pongratz gebeten, uns einen kurzen Überblick über die Sache Ehrenberg zu geben. Sie wissen, Herr Pongratz leitet seit Kurzem das neu geschaffene Ressort Sondervorhaben. Bitte, fangen Sie an Herr Pongratz!“

Parteisekretär Schäumer grinste über alle Backen, denn außer ihm hatte von den Anwesenden keiner etwas über das neue Ressort gewusst. Ein kluger Schachzug des Chefs, sagte sich Schäumer, wer wollte ihm jetzt noch widersprechen?

„Nun, meine Herren...“, Damen waren tatsächlich nicht anwesend, entweder nicht eingeladen oder dienstlich verhindert, vielleicht auch beides. Julius Pongratz erläuterte, wo und wie Herr Ehrenberg es die letzten Wochen geschafft hatte, sich mit seinen Ansichten nahezu überall in die Nesseln zu setzen. „Herr Ehrenberg hat es verstanden, Kritik an seiner Person, an seinem Stil und nicht zuletzt auch an seiner Philosophie, wie Weltwirtschaft funktionierte, in massiver Weise auf sich zu ziehen. Selbst der Kardinal fühlte sich veranlasst, einige Dinge in seiner letzten Predigt wieder ins rechte Licht zu rücken. Was die Presse über ihn schreibt, haben Sie alle gelesen.“

Und wieder konnte sich der Parteisekretär das Lachen nur mit großer Mühe verkneifen. Er war sicher, keiner wusste, von welchen Berichten der Pongratz sprach, aber zugeben würden sie dies natürlich beim Leben nicht.

„Die letzte Meldung aus Berlin sagt, man habe Ehrenberg sogar zur letzten Informationsrunde nicht mehr eingeladen. Aus Versehen, wie man dort offiziell betont, aber wir kennen den wahren Hintergrund. Danke meine Herren, soweit mein Bericht.“

„Ich danke Ihnen Herr Pongratz“, sagte der Ministerpräsident. Damit war Julius Pongratz aus der Runde entlassen und Herbert Ehrenberg nur noch Geschichte. Es war nicht anzunehmen, dass man ihn im Aufsichtsrat noch sehr lange stützen würde. Ob dieser massiven Gegenwehr aus allen Schichten der Gesellschaft würde Herbert Ehrenberg ganz plötzlich nur noch wenige Freunde um sich haben. Vermutlich nur noch solche, die den Zug verpasst hatten. Ja, es sollte sich für Herbert Ehrenberg erfüllen, was er dereinst aus voller Überzeugung kundtat: Wenn es um das Große geht, kann man auf Einzelschicksale keine Rücksicht nehmen.

 

(13)

Julius Pongratz machte sich, saß immer öfter zu später Stunde noch beim Ministerpräsidenten, manchmal mit dem Schäumer, aber immer öfter ohne ihn. Der Ministerpräsident hatte Vertrauen gefasst. Julius Pongratz war sein Mann.

Eines Tages, als Julius wieder spät aus der Staatskanzlei taumelte, stolperte er regelrecht in eine junge Frau hinein. „Entschuldigung“, stammelte er.
„Sie, Herr Pongratz!“, rief die junge Frau verwundert, „noch so spät unterwegs aus dem Büro?“
Julius sah auf und erkannte, mit wem er da beinahe zu Fall gekommen wäre: „Frau Lichtenzweig!“, sagte er erstaunt, „Bettina Lichtenzweig, Sie hier?“

„Wollen wir noch ins Eisbach?“, fragte sie. „Sie sind ja jetzt ein ganz Großer, im Ministerium und überhaupt, alle reden von Ihnen. Erinnern Sie sich, Sie sind mir noch eine Antwort schuldig?“
„Eine Antwort...?“, entgegnete Julius unsicher.
„Damals an gleicher Stelle im Eisbach“, sagte Bettina Lichtenzweig, „ich fragte Sie, ob Sie eine soeben getroffene Entscheidung rückgängig machen würden, wenn Sie es könnten?“

Im Geiste rekapitulierte er ihre damalige Unterhaltung und sagte schließlich: „Ich habe unser Gespräch noch sehr genau im Kopf. Dinge entwickeln sich, schreiten voran und beginnen nicht immer wieder neu am gleichen Punkt. Verstehen Sie, beantwortet dies nicht Ihre Frage?“
„Sie meinen, Entwicklung und Umkehr schließen einander aus?“
„Ja“, sagte Julius, „das meine ich in der Tat. Was gewesen ist, ist unwiederbringlich vorbei!

Komm, gehen wir rein und lassen wir endlich dieses hemmende Sie weg. Wenn du magst, kannst du diese Entscheidung allerdings jederzeit revidieren, aber es würde nichts an der Tatsache ändern, dass ein Du persönlich ist, irgendwie intim, und eine Beziehung bereits weit über das Formale hinausgehoben hat.“

 

Diesen Beitrag empfehlen:

Mit eigenem Mail-Programm empfehlen

 

Die Rechte und die Verantwortlichkeit für diesen Beitrag liegen beim Autor (Hans K. Reiter).
Der Beitrag wurde von Hans K. Reiter auf e-Stories.de eingesendet.
Die Betreiber von e-Stories.de übernehmen keine Haftung für den Beitrag oder vom Autoren verlinkte Inhalte.
Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.04.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Der Autor:

Buch von Hans K. Reiter:

cover

Der Tod des Krämers von Hans K. Reiter



Wildau, eine kleine bayerische Gemeinde am Chiemsee, ist erschüttert. Der Krämer Michael Probst wird erhängt aufgefunden. Eine unglaubliche Verkettung von Macht, politischen Intrigen, Skrupellosigkeit, Korruption, Sex und Erpressung kommt an den Tag.

Möchtest Du Dein eigenes Buch hier vorstellen?
Weitere Infos!

Leserkommentare (1)

Alle Kommentare anzeigen

Deine Meinung:

Deine Meinung ist uns und den Autoren wichtig!
Diese sollte jedoch sachlich sein und nicht die Autoren persönlich beleidigen. Wir behalten uns das Recht vor diese Einträge zu löschen!

Dein Kommentar erscheint öffentlich auf der Homepage - Für private Kommentare sende eine Mail an den Autoren!

Navigation

Vorheriger Titel Nächster Titel

Beschwerde an die Redaktion

Autor: Änderungen kannst Du im Mitgliedsbereich vornehmen!

Mehr aus der Kategorie "Satire" (Kurzgeschichten)

Weitere Beiträge von Hans K. Reiter

Hat Dir dieser Beitrag gefallen?
Dann schau Dir doch mal diese Vorschläge an:

Ostern 2015 von Hans K. Reiter (Einfach so zum Lesen und Nachdenken)
Drei Minuten nach Fünf von Klaus-D. Heid (Satire)
Der verbotene Luftballon von Ingrid Drewing (Wahre Geschichten)