Doris E. M. Bulenda

Indonesien - Schwimmengehen in Sulawesi

In den 1980er Jahren machte ich eine Rucksackreise durch Indonesien. Ich landete auch auf der Insel Sulawesi, in der kleinen Stadt Palu. Dort waren zu der Zeit noch wenige Weiße hingekommen, wahrscheinlich konnte man die Zahl der Touristen, die den Ort je besucht hatten, an den Fingern einer Hand abzählen. Daher war ich eine Art Sensation und hatte, wo ich auch rumlief oder spazieren ging, immer eine Herde Kinder hinter mir. Wenn ich mich umdrehte, liefen sie ein Stück weg, drehte ich mich wieder nach vorne, kamen sie wieder näher heran und tuschelten und kicherten hinter meinem Rücken. Da wurde eine Europäerin noch richtig bestaunt …

Es war heiß und sonnig, der Hotelpool war wohl nur zur Zierde da, jedenfalls war kein Wasser drin – und ich hätte so gerne gebadet. Mit ein paar Indonesiern, die im selben Hotel wohnten, kam ich dann ins Gespräch und beklagte mich auch über das fehlende Wasser im Pool. Kein Problem, hieß es – fahr doch mit uns mit, wir wollen am Nachmittag in ein öffentliches Bad gehen. Gut, gerne – wir fuhren also mit 8 oder 10 Personen in einem Kleinwagen los.

Das Schwimmbad war sehr schön, wir tranken erst mal einen Kaffee. Ich guckte mich um – au weia, alle Damen, die sich da im Pool tummelten, hatten ein T-Shirt und knielange Shorts an. Und ich hatte einen - nicht sonderlich knappen, aber für die Verhältnisse hier doch gewagten - Bikini an unter meinem langen Hängekleid. Aber was soll's, ich wollte unbedingt schwimmen, ich hatte mich schon so darauf gefreut.

Also machte ich mich auf den Weg zum Wasser und die gesamte männliche Besucherschar des Bades – das waren nicht wenige - hockte plötzlich wie durch Zauberhand auf dem Platz vorm Pool. Wieder – was soll's, ich wollte schwimmen, daher warf ich mein Kleid am Poolrand ab und stand im Bikini da. Tosender Applaus erscholl, „Hurra“- und „Bravo“-Rufe kamen von allen Seiten aus den Kehlen der männlichen Zuschauer. Hey, klasse – wann bekommt man sonst so viel Anerkennung? (Weiße Haut stand damals hoch im Kurs in Indonesien und galt als „das“ Schönheitsideal schlechthin.)

Und dann wollte ich es besonders elegant machen, ich hockte mich auf den Poolrand und wollte mich ganz vornehm langsam ins Wasser gleiten lassen. Nur wurde daraus nichts, ich tauchte ab und versank sofort bis über den Scheitel in der Tiefe. Womit ich nicht gerechnet hatte: Dieser Pool war mehrere Meter tief. Ich kam nicht bis auf den Grund – ich schlug unter Wasser wild um mich und kam dann hustend und spuckend wieder ans Tageslicht. Meine „Verehrer“ am Beckenrand konnten sich dann ein leichtes Grinsen nicht versagen. Und sämtliche Damen im Wasser lachten laut, ausdauernd und natürlich sehr schadenfreudig …

 

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