Christina Gerlach-Schweitzer

Pferd, Esel und Zebra

Ein Esel hatte zufällig etwas in der Steppe zu tun gehabt und war jetzt auf dem Weg nach Hause.

Plötzlich traf er ein Zebra. Er betrachtete es neugierig und genauer, von allen Seiten und staunte. Dann musste er lachen. So was hatte er ja noch nie gesehen, er prustete und lachte immer lauter und lauter. „Was für ein peinlicher Esel“, rief er und er zeigte mit seinen Hufen auf das Zebra. Das Zebra wurde traurig und begann sich seiner Streifen und seiner weißen Farbe  zu schämen und schwieg weil es so eingeschüchtert war. Ja, es begann sogar zu weinen nein, wie ein schöner Esel sah es wirklich nicht aus. „Hähä“, lachte der Esel weiter, „und zu reden traust du dich auch nicht“ und dann schrie er laut sein durchdringendes IAaaa in die Steppe hinaus. Am liebsten hätte er seine Kumpel dabei gehabt, dann hätten sie das Zebra noch gebissen um es zu ärgern. Nicht richtig fest , aber so, dass es wenigstens ab und zu „Au“ geschrien hätte. Das macht Spaß, wenn man das zu dritt gegen einen macht. Und zu dritt hätten sie dem Zebra ganz laut die Ohren voll geschrien. So kleine Dingelchen. Der Streifenkerl da war bestimmt schwerhörig.

Da kam ein wunderschönes Pferd des Weges. Es hörte das Lachen, trat neugierig näher  und betrachtete den Esel. Es starrte den Esel lange ungläubig an, schnaubte laut und dann begann es lauthals zu wiehern. „So komische Ohren hätte dieses Grautier da vor ihm, so lange Flauschohren, das ist ja lächerlich. So etwas hätte es ja in seinem ganzen  Leben noch nicht gesehen.“ Ha, ha, ha“, wieherte es amüsiert,“ was für ein hässliches Hasenpferd, ein Hasenpferd, oh wie peinlich, wie kann ein Pferd nur solche Ohren haben“. Da begann sich der Esel seiner Ohren zu schämen und schwieg traurig, denn das Pferd hatte ihn verletzt, also nicht am Körper irgendwo, wo man es hätte sehen können, sondern in der Seele, im Herzen. Das tat genauso weh, als wenn das Pferd ihn gebissen hätte. Er wurde traurig.Dann trabte das Pferd zu dem eigentlich wunderhübschen Zebra, leckte ihm die kleinen, formvollendeten  Zebraohren, flüsterte etwas Nettes hinein und dann gingen das Pferd und das Zebra zusammen weg.

Da begriff der Esel, dass er dumm gehandelt hatte, weil er das Zebra einfach nur deshalb ausgelacht hatte, weil es so ähnlich war wie er selber, aber gleichzeitig auch irgendwie anders. Er bereute also sein Verhalten dem Zebra gegenüber, lief dem Pferd und dem Zebra nach, entschuldigte sich und die drei wurden gute Freunde.

Seit dieser Begebenheit gehören Esel, Pferde und Zebras zu meinen Lieblingstieren, so wie auch zum Beispiel die Oryxantilopen. Wer einer Oryxantilope etwas Böses antut oder sie schlecht versorgt, oder einem Nashorn, einem Elefanten, einer Saigaantilope, einem Meerschweinchen, einem Kaninchen oder einem Wellensittich, einer Katze oder einem Hund, der kriegt es mit mir zu tun, denn es sind meine Freunde, auch wenn sie anders sind als ich. Welchen Freund beschützen ihr?

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