Christina Gerlach-Schweitzer

Ein dicker Fisch als Kritiker

Ein dicker Fisch, den sie „den Kritiker“nannten, schwamm wieder einmal gemächlich seines Weges, wie immer auf der Suche nach Neuem und Unbekannten. Nach allen Seiten lächelnd und sich verbeugend, arbeitete er sich durch das verästelte Holz, das sich an dieser Stelle des Flusses angesammelt hatte. Plötzlich traf er auf ein schlafendes Krokodil.“ Ich wird dich lehren, mich um meinen  Mittagsschlaf zu bringen!“, brüllte ihm das  grüne Ungeheuer entgegen. Wütend und erbost schnappte es  nach dem dicken Fisch, der „der Kritiker“ genannt wurde.

Dieser überlegte ungewöhnlich schnell: Welche Erkenntnis konnte er aus den Worten des Krokodils gewinnen?

  1. nach seiner Interpretation der Stimmführung, war das Krokodil offenbar ärgerlich,
  2. Das Krokodil könnte für ihn möglicherweise lebensgefährlich werden, falls die Annahme a des Kritikers stimmen würde
  3. Aufgrund der ersten, wenn auch leider noch nicht bewiesenen Annahme, schwamm der Fisch doch vorsichtshalber davon, verärgert, dass er auf eine umfassendere Analyse des krokodilischen Verhaltens verzichten musste. Er schwamm davon, seinen Lerneifer in Fesseln legend und seinen drängenden Wissensdurst zurück stellend.

Wenn wir uns über die ganze Tiefe des Handlungsgebarens von Fischen im Klaren sind, dann würden wir annehmen, dass der dicke Kritiker vor den Krokodil ganz einfach geflohen war. Diskussionslos, heute einfach mal diskussionslos geflohen. Vielleicht ein andermal würde er sich umfassender mit dem Verhalten des Krokodils auseinander setzen, aber eben heute nicht. Ein paar Stichlingen, die zufällig vorbei schwammen, erzählte der Kritiker aber, als sei er ganz sicher,:“ Das Krokodil war bloß ein Flegel,ein ausgesprochener Flegel, da bin ich mir jetzt doch ganz sicher.Wirklich gefährlich war die Begegnung mit dem Krokodil nicht“. Dann schwamm er Selbstzufrieden in sein Labor und baute an seinem schönen Atomkraftwerk weiter. Es suchte noch einem passenden Namen dafür. Tihange fand er schön, oder Doel, auch wenn das etwas altmodisch klingt, Kosloduj ist vielleicht zu exotisch, aber Akkuyu, das ist ein schöner Name.

 

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