Klaus-Peter Behrens

Der Kater und sein Magier, 4

- 3 -

Meister?“, rief ich zaghaft, wobei ich vorsichtig in das finstere Loch spähte. Ich erhielt keine Antwort. Wie sollte ich das bloß Fürst Ignaz dem Prächtigen beibringen?

Im Geiste ging ich alle nur denkbaren Erklärungen durch, die bestürzender Weise ohne Ausnahme darauf hinausliefen, daß mir ein beschauliches Leben im Kerker bevorstand. Ich erwog ernsthaft, ein neues Leben als Gletscherführer im hohen Norden zu beginnen, als ein Rauschen aus der Tiefe des Lochs meine Aufmerksamkeit erregte. „Meister?“, rief ich hoffnungsvoll, wobei ich entschlossen zu verdrängen versuchte, was mir bei seiner Ankunft blühen würde.

So ganz gelang es mir nicht.

Mit klopfendem Herzen konnte ich nun etwas Schwarzweißes erkennen, das mit beunruhigendem Tempo aus der Tiefe des Loches empor geschossen kam und von einem seltsam strahlenden Licht umgeben war. Sollte sich der grantige Meister schwarz geärgert haben und sein ohnehin schon graues Haar endgültig schlohweiß geworden sein?

Ich beeilte mich, das breite Grinsen von meinem Gesicht verschwinden zu lassen. Es wäre der Gesundheit sicherlich abträglich, einen verärgerten Zauberer, den man gerade mittels eines rüden Stoßes in die Kehrseite nach Werweißwohin geschickt hatte, bei seiner Rückkehr mit einem schadenfrohen Grinsen zu begrüßen.

„Bei Wutwiedels Hörnern“, entfuhr es mir, als der vermeintliche Meister aus dem Loch geschossen kam und mit schlafwandlerischer Sicherheit auf dem Boden landete. Mit dem Meister hatte er zu meiner Bestürzung keine Ähnlichkeit. Der Ankömmling besaß vier Pfoten, ein schwarzes Fell mit einer weißen Blesse auf der Stirn und Brust, verfügte über ein paar spitze Ohren sowie grüne, mandelförmige Augen, war so groß wie ein ausgewachsener Wolf und vermutlich auch genau so hungrig. Letzteres war gar nicht gut. Zum Glück erinnerte ich mich an den Verwandlungszauber, den der Meister mir bisher erfolglos versucht hatte, beizubringen. Konnte es sein, dass der Meister ihn angewendet hatte.....?

Meister?“, fragte ich daher zaghaft nach, indes ich vorsichtig die Tür ins Auge faßte und die Flucht erwog.

„Na, das nenn‘ ich mal ‘ne angemessene Begrüßung, Käsegesicht“, begrüßte mich der Ankömmling und präsentierte dabei ein paar nadelspitze Zähne. „Wo steht denn hier das Dosenfutter?“

Damit war meine Frage hinreichend beantwortet. Das war eindeutig nicht der Meister, stellte ich entsetzt fest und beschloss, meine Pläne zu ändern. Ich wählte das Naheliegende und fiel in Ohnmacht.

 

- 4 -

Ein regelmäßiges Schaben holte mich aus dem gnädigen Nirgendwo meiner Ohnmacht in die bestürzende Gegenwart zurück. Mit einem Stöhnen registrierte ich, daß ich auf dem harten Boden lag und mein Kopf dröhnte, wie ein halbes Dutzend Klosterglocken, an denen sich gerade eine Bande ausgelassener Mönche vergnügte. Darüber hinaus schien mit meiner Sicht irgendetwas nicht zu stimmen. Anders konnte ich mir das kräftige, schwarzweiße Wesen nicht erklären, das gelassen auf seinem Hinterteil saß und gerade damit beschäftigt war, sich eine beunruhigend große Pfote zu lecken. Dann jedoch entdeckte ich ein dunkles Loch in der Kammer des Meisters, das meiner Erinnerung auf die Sprünge half. Entsetzt fuhr ich hoch, nur, um sofort wieder stöhnend zurückzusinken, da sich das Zimmer plötzlich verhielt, wie es ein gutes Zimmer nicht tun sollte.

Es kreiste fröhlich um mich herum.

Meine Hand ertastete eine dicke Beule zwischen meinen Haaren, die offenbar dafür verantwortlich war.

„Kein Wunder, daß ihr Menschen so wenig Fell habt, wenn ihr so damit umgeht“, sagte das Wesen. „Du solltest zukünftig versuchen, auf deinen Pfoten statt auf deiner Birne zu landen, sonst hast du bald ‘n Schädel so glänzend wie ‘ne Billardkugel.“

„Wer bist du?“, ächzte ich, während ich versuchte, wieder klar zu werden und den pochenden Schmerz zu ignorieren.

„Dein schlimmster Albtraum, wenn du mir nicht verklickerst, was ich hier in Lilliput mache und wieso ich plötzlich sprechen kann“, teilte mir das Wesen gelassen mit. Dabei bedachte es mich mit einem Blick, der vermutlich Beutetieren vorbehalten war, kurz bevor sie auf dem Teller landeten. Ich beeilte mich daher, eine aufrechte Position einzunehmen, bevor mein Gegenüber mich für hilflos halten und auf die Idee verfallen würde, sich die Serviette umzubinden. Dann fiel mir ein, daß mein seltsamer Besucher mir eine Frage gestellt hatte, mit der ich beim besten Willen nichts anfangen konnte.

„Lilliput?“, fragte ich ratlos nach, indes ich den Staub von meinem Kittel klopfte und nach der Tür spähte. Sie war definitiv zu weit weg. Selbst wenn sie nicht geschwankt hätte. Das war unerfreulich, zumal meine Unwissenheit das schwarzweiße Wesen nicht gerade zu begeistern schien. Zumindest schloß ich das aus dem Umstand, daß es ein klagendes Geräusch von sich gab, das ich noch nie zuvor gehört hatte und wie Miauuuooouu klang. Dann wandten sich die Raubtieraugen wieder mir zu und sorgten dafür, daß mir warm unter dem Kittel wurde.

„Du bist wirklich ‘ne trübe Tasse“, konstatierte mir das Wesen und erinnerte mich damit unangenehm an meine Küchenpflichten. “Lilliput ist das Land der sieben Zwerge. Dort, wo die Leute zu heiß gebadet werden und einschrumpfen. Oder hast Du eine andere Erklärung für deine Zwergenstatur“, murrte der Ankömmling, den ich zwischenzeitlich als Dämon aus einer finsteren Anderwelt eingestuft hatte. Irgendwann hatte ich zwar mal gehört, daß mit Dämonen nicht gut Kirschen essen war, aber meine Empörung war zu groß, als daß mich das im Augenblick scherte. Der Meister war in der Versenkung verschwunden, meine Zukunft im Eimer und dann mußte ich mich auch noch von diesem Pelzknäuel beleidigen lassen. Dämon hin oder her. Das ging zu weit!

 

Mehr vom Kater nächsten Freitag..... freue mich über Eure Meinung
 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 28.04.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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