Johanna Döttelmayer

Das verlorene Mädchen - Kapitel 4

Hallo.
Ich brauchte etwas länger, um ein neues Kapitel fertigzukriegen. Manchmal ist das reale Leben eben stressig und leider muss man sich dann um andere Dinge kümmern. Aber jetzt sieht es zeittechnisch wieder etwas besser aus.
Mich würde ja interessieren, ob ihr schon eine Theorie habt, was mit Julie passiert ist...?
Gut lesen wünsch ich!




-Johanna




And sometimes I feel like I’m just a broken vessel, an instrument with a darker purpose



Die Officer brauchten nicht lange, um zu einer Meinung zu gelangen, was in Leonards Appartement passiert war. Nachdem sie Leonard zum Tathergang befragt hatten, zog Leonards Kollegin, die rothaarige Polizistin mit dem fast modelhaft schönen Gesicht, den Officer an seinem Handgelenk ein paar Meter weg von Leonard.
Dann begann sie, auf den jüngeren Officer einzureden, dabei hielt sie ihre Stimme möglichst gesenkt, sodass Leonard nichts von ihrem Gespräch mitbekam. Doch Leonard durchschaute schnell, dass ihre Diskretion bloß gespielt war, denn er konnte trotzdem ein paar Wortschnipsel auffangen, worüber sich die Polizistin mit Sicherheit im Klaren war – nur war es ihr völlig gleichgültig.

In dem Augenblick, in welchem Leonard das bewusstwurde, passierte etwas in ihm. Sein Körper durchfuhr eine Welle an Entspannung; seine Muskulatur entkrampfte sich und aus seinem Mund kam ein erleichtertes Seufzen.

Das einzig Schlimme, das jetzt noch passieren könnte, war, im Krankenhaus zu erfahren, dass Nicole einen irreversiblen Schaden von dem Schlag gegen den Kopf erlitten hatte. Der Krankenwagen war noch nicht angekommen und so musste Leonard sich bis zu einer Antwort in Geduld üben. Doch gerade das fiel ihm unheimlich schwer; er konnte Nicole nicht mal ansehen, hatte ihr mit Absicht den Rücken zugedreht aus Angst und … unsäglicher Scham.

Aber es gab eine Emotion, die Leonard noch viel intensiver spürte, als alle anderen:
Allmählich driftete Leonards Aufmerksamkeit von den zwei Polizisten in seinem Flur weg und zu sich zurück. Er fühlte sich hundsmiserabel. Sein Herz blutete …
Jetzt wanderte Leonards Blick langsam zu der rührlosen Nicole auf dem Stuhl hinter ihm.
Es ist wahr: Manche Menschen merken erst, wie viel ihnen jemand bedeutet, wenn sie kurz davor sind, ihn zu verlieren. Obwohl Leonard diese Sorte Mensch war, selbst er begriff es jetzt: Er hegte tiefe Gefühle für Nicole – noch viel stärkere, als er sich zugetraut hätte.

Diese Erkenntnis trat ein unvorstellbares Chaos in seinem Inneren los: Denn er war doch eigentlich gerade dabei, seine Jugendliebe wiederzufinden, die, wie er hoffte, auch seine zukünftige Liebe sein würde. Hinzu kam, dass Leonard kaum glaubte, dass er die Suche vor Nicole weiter geheim halten konnte – das ließ sein schlechtes Gewissen nicht zu. Ihn plagten Zweifel: Schuldete er Nicole nicht die Wahrheit, darüber, warum sie Opfer dieses Gewaltverbrechens geworden war? Wenn es eines gab, worüber Leonard sich hundert Prozent sicher war, dann über folgende Antwort: „Ja, Nicole hatte die Wahrheit verdient!“

Unglücklicherweise war diese Wahrheit die Sorte, die Nicole von ihm wegstoßen könnte. Heftige Verlustängste stiegen in Leonard empor. Andererseits wurde ihm kotzübel bei dem Gedanken, Nicole alles zu verschweigen und mit ihr in Freuden weiterzuleben, als hätte Leonard nichts mit dem Gewaltverbrechen an ihr zu tun gehabt.
Denn Leonard wusste noch etwas ganz genau – nämlich, dass er nicht noch eine Lüge leben könnte.
Er steckte nun also in ganz schönen Schwierigkeiten.

Bevor Leonard sich eine Lösung ausdenken konnte, rissen die Polizisten ihn aus seinem Gedankenwirrwarr.
Sie kehrten zu ihm und der regungslosen Nicole in die Küche zurück. Sowohl der junge Officer als auch seine Kollegin taten dies mit überaus ernsten Mienen. Etwas an Leonards Geschichte schmeckte ihnen ganz offensichtlich nicht.
„Nun – wissen Sie, es kommt nicht oft vor, dass ein Räuber Geiseln nimmt. Kann es nicht sein, dass Sie und der Einbrecher sich vorher kannten?“
Die schöne Polizistin sah noch hübscher aus, wenn ihre Augen mit Misstrauen gefüllt waren. Leonard bemerkte das jedoch nicht; selbst auf dem Revier war ihre Schönheit ihm stets entfallen.
„Nein, nein. Ich kenne diesen Mann nicht.“ Leonard litt unter furchtbarem Herzrasen in der Sekunde seiner Antwort.
„Es gibt also keine persönliche Vorgeschichte zu dem Überfall?“

„Nein.“

Überrascht sahen alle Parteien im Raum um sich. Diese Stimme hatte so fremd geklungen, sogar für Leonard, der daraufhin ängstlich eine vierte Person im Raum ausfindig zu machen versuchte.
„Der Räuber versuchte mit Gewaltandrohungen von mir zu erfahren, welche Wertgegenstände es im Raum gab, bevor er mich an den Stuhl fesselte.“
Auf den Gesichtern der Polizisten und Leonard machte sich basses Erstaunen breit. Nicole war wieder zu sich gekommen, genau zu dem Zeitpunkt, als zum ersten Mal die Sirenen des Rettungswagens von der Straße erklangen.
Zunächst starrte Leonard Nicole bloß fassungslos an, doch dann entdeckte er, dass das Tape um ihren Mund einen tiefen Riss aufwies. Er war wohl durch den Schlag mit der Pistole entstanden. Allerdings verfälschte es den Ton von Nicoles eigentlicher Stimme.

Leonard warf nun einen eindringlichen Blick über seine Schulter auf seine Kollegin und den jungen Officer.
„Na, da es offensichtlich Notwehr war …“, sagte der Officer beendend.
Aber Leonard war mit den Gedanken schon bei Nicole. Er begab sich zu ihr und ließ sich vor Nicole auf die Knie fallen, ehe er sich eilig daran machte, die Fesseln um ihre Taille zu lösen. Auf Nicoles linker Wange erschienen bereits die ersten Anzeichen einer Quetschung, das gesamte Areal von ihrer Schläfe bis zu ihrem Kinn hatte sich leicht grün verfärbt und ihr Auge war völlig zugeschwollen.
Die ersten Tränen keimten in Leonards Augen auf, während er Nicole von dem Stuhl befreite. Gleichzeitig erschienen zwei Sanitäter mit einer Barre in Leonards Flur, welche von den Officers in das Appartement gelassen wurden.
Kurz darauf befahlen sie Leonard, sich aus Nicoles Reichweite zu begeben. Und Leonard überließ Nicole den Sanitätern auch ohne jegliche Gegenwehr, obwohl er innerlich unter seinem furchtbaren Gewissen litt – weil er keine Chance hatte, wiedergutzumachen, was er Nicole angetan hatte.
Es lag allein in Nicoles Händen, ob und welche Art der Vergebung Leonard widerfahren würde.


Im Clara Maass Medical Center wartete Leonard auf einem der beigefarbenen Plastikstühle darauf, dass die Ärzte Nicoles Verletzungen fertig versorgt hatten. Direkt nach der Ankunft war Leonard wie ein Schlafwandler zum Kaffeeautomaten getaumelt und hatte sich einen billigen Kaffee in einem Pappbecher besorgt, doch Leonard trank ihn nicht. Seine Hände zitterten auch so genug vor Schuldgefühlen, Reue und selbstverständlich auch Nervosität. Er sah und ihm blieb keine andere Wahl mehr, als vor Nicole seine Suche nach Julie offenzulegen.

Obwohl diese Tat viel Herzschmerz mit sich bringen würde, zog Leonard die Wahrheit der schützenden Lüge vor. Er musste die Verantwortung für die Konsequenzen seiner Taten übernehmen, immerhin hatte Leonard nicht genug getan, um Nicole zu beschützen. Außerdem hatte er ihr auch viel zu lange etwas vorgemacht und – ach, er hatte Nicole viel zu viel angetan… und jetzt er musste sicherstellen, dass so eine Katastrophe nicht wieder passierte.

Leonard analysierte seine vergangenen Taten und die momentane Situation, weshalb er dermaßen geistesabwesend war, dass er die Welt um sich herum komplett vergaß. Er vernahm weder die klopfenden Geräusche der Gesundheitsschuhe einer den Flur hinabsausenden Schwester, noch bemerkte er den Jungen am Eingang, der wegen seines gebrochenen Arms dicke Tränen vergoss.

Leonard wurde konsumiert von seinem steigenden Selbsthass. Es war unfassbar, wie viel er aktiv zu dieser Katastrophe beigetragen hatte. Sogar ein Mann, auch wenn er vermutlich kein guter Mensch gewesen war, musste aufgrund seiner Taten sterben.
Ein Aufruf krächzte plötzlich durch die Lautsprecher an den Wänden und holte Leonard zurück in das Hier und Jetzt. Zu Leonards Enttäuschung galt die Nachricht einem Ambulanzarzt.

Frustriert atmete er einmal tief ein und wieder aus, wobei sein Blick am Empfang hingen blieb. Ein Mann mit einem verbundenen Auge forderte durch Schlagen mit der Faust auf den Schwesterntisch nach einem Arzt. Er habe unerträgliche Schmerzen, verlautete er.
Leonard verfolgte den Mann mit seinem Blick wie gebannt. Die quälenden Gefühle in seiner Brust verblassten auf einmal, als hätte ihn eine höhere Macht davon erlöst. In Wirklichkeit hatte er bloß Klarheit erlangt.

Er verstand, dass er sich das alles selbst angetan hatte und auch dringend aufhören musste, sich im Selbstmitleid zu baden. Damit stellte er sich völlig zu Unrecht in den Mittelpunkt; das kapierte er nun endlich. Er war hier nicht das Opfer.
Darum musste er sich zusammennehmen und sich wie ein Erwachsener der Situation stellen.
Trotz allem – als es endlich so weit war und ein Arzt ihn mit einer Hand in Nicoles Krankenzimmer winkte – konnte Leonard nicht verleugnen, wie schwer es ihm fiel, Verantwortung für seine Taten zu übernehmen.

Mit flauem Magen verließ er seinen Platz. Als er Nicoles Arzt auf halbem Weg traf, nickte dieser ihm ermunternd zu, als wollte er Leonard aufheitern. Tatsächlich nahm es Leonard viel Last von der Seele, zu wissen, dass Nicole keine ernsthafte Kopfverletzung erlitten hatte. Einen Moment später verflog Leonards Erleichterung allerdings schon wieder, als er Nicole in dem großen Krankenbett liegen sah. Ihr ganzer Kopf war in Mullbinden eingewickelt und obwohl der Arzt ihr das Blut von der Haut gewaschen hatte, war sie immer noch verquollen und ihr rechtes Auge so sehr zugeschwollen, dass sie es kaum öffnen konnte.
Zuerst nahm Leonard sich einen Stuhl, den er so nahe wie möglich an die Bettkante schob.
Dann fragte er:
„Wie geht es dir?“
Nicole sah Leonard in die Augen, doch sie schien geistesabwesend und zögerte, zu antworten.
„Ich denke, es kommt bald wieder alles in Ordnung, auch wenn ich nicht so aussehe“, entgegnete Nicole dann doch.
Leonard fühlte sich in diesem Augenblick mieser, als er gedacht hätte.
„Ich muss dir etwas sagen …“
„Was denn?“
Egal, wie sehr Leonard ehrlich zu Nicole sein wollte; es kostete ihm trotzdem eine Menge an Überwindung.
Doch es war unumgänglich.
„Es war zum Teil auch meine Schuld, dass du verletzt wurdest. Ich suche nach einer alten Freundin, die vor einigen Jahren verschwunden ist. Und der Mann, der uns besucht hat, sucht aus irgendeinem Grund ebenfalls nach ihr. Es wäre sicherer für dich, wenn du dich in Zukunft von mir fernhalten würdest.“
Von einer Sekunde auf die andere begann Nicole unruhig an ihrem Krankenhausgewand zu zupfen.
„Schon okay“, erwiderte sie zu Leonards Überraschung äußerst gelassen.
„Ich hab die ganze Zeit über geahnt, dass du irgendein Geheimnis vor mir hast. Du warst geistig nie wirklich anwesend, wenn ich in deiner Nähe war … und es war ungefähr vor einer Woche, als ich endlich verstanden hab, dass diese Beziehung nirgendwohin führt. Aber ich habe mich selbst belogen, wollte es nicht wahrhaben und hab mich darum weiter mit dir getroffen. In meinem Kopf allerdings hab ich bereits nach Worten gesucht, wie ich mit dir Schluss machen könnte.“
Als Nicole fertiggesprochen hatte, langte sie nach dem Wasserglas, das neben ihr auf dem Nachtkästchen stand. Da sie es jedoch vom Bett aus nicht erreichen konnte, händigte Leonard es ihr aus.
„Es tut mir nur ehrlich leid …“, sagte Leonard, die Augen an den Boden geheftet wie ein sechsjähriger Junge, der sich unheimlich für eine Missetat schämte.
„Vor allen Dingen, weil ich dich ehrlich gernhatte. Aber nicht dazu Imstande war, es dir so zu zeigen, wie ein liebender Partner es tut. Du hast etwas Besseres verdient.“
Nicoles und Leonards Blicke trafen sich. Nicole musste nach dieser Nachricht hart schlucken.

„Also … kennst du den Kerl, der mich so zugerichtet hat?“
Leonard beobachtete mit Verwunderung, wie fest Nicole ihr Wasserglas auf einmal umklammerte. Ihr Hände zitterten richtig durch die Anspannung der Muskeln.
„Nein“, erwiderte Leonard verwundert über den plötzlichen Themenwechsel.

Nicole erstarrte nach dieser Antwort.
„Aber wieso wusste er dann deinen vollen Namen? Nachdem er die Haustüre aufgebrochen hat, schrie er mich an. Er fragte, wo Leonard Phillip White sei. Nicht mal ich kenne deinen zweiten Vornamen. Er steht auch nicht an deiner Türe oder draußen über der Hausglocke.“
Leonard legte seine Stirn in Falten. Aber er brauchte nicht lange, um zu verstehen, was passiert war. Offensichtlich hatte der Mann über ihn recherchiert, bevor er mit seiner Verfolgung anfing …

Nur aus welchem Grund hatte der Mann sich Leonard ausgesucht? Wieso glaubte er, Leonard wüsste, wo Julie sich befand? Er konnte unmöglich wissen, dass Leonard auf der Suche nach Julie war, denn außer ihm wusste davon doch niemand.
Ehe Leonard in seinen eigenen Gedanken verloren gehen konnte, hielt Nicole ihn auf, indem sie traurig ihre Hand auf Leonards legte, welche am Bettrand ruhte.
Sie wechselten erneute Blicke aus, doch dieses Mal waren sie mit Verständnis und auch einer leichten Trauer über das unglückliche Beziehungsende erfüllt.
Immerhin wussten sowohl Leonard als auch Nicole, wenn sie sich unter anderen Umständen getroffen hätten, hätten sie eine ehrliche Chance auf ein Glück zu zweit gehabt.

Andererseits fand Leonard, dass die Aussprache mit Nicole nicht hätte besser laufen können. Und deswegen verließ Leonard das Krankenzimmer bald schon mit den widersprüchlichen Gefühlen von Dankbarkeit und Trauer.
Und weil Leonard dermaßen aufgewühlt war, entging es ihm, dass Nicole jeden seiner Schritte zählte, bis er aus ihrem Sichtfeld verschwunden war.
Erst dann schloss Nicole die Krankenzimmertüre und ließ sich seufzend auf dem Krankenbett nieder. Eigentlich wusste Nicole, dass ihr Schwindelgefühl und die Kopfschmerzen von ihrer Verletzung herrührten, aber sie war auch fest davon überzeugt, dass sie von Leonards Worten beflügelt wurden.

 


Solange Nicole Leonard kannte, hatte sie stets diese unsichtbare Wand zwischen sich gespürt. Zum einen, da Leonard von Anfang an nie viel von sich preisgegeben hatte.

Nicole war allerdings eine ausgezeichnete Beobachterin und sie hatte einige interessante Dinge über Leonard herausgefunden: Selbst an Wochenenden trank Leonard niemals Alkohol vor sechs Uhr abends. Dabei schränkte er sich stets auf dieselbe Biermarke ein und folgte strikt einer nie mehr als zwei Bier-Regel – auch wenn sie ohne Auto in ein Restaurant gegangen waren.
Des Weiteren nahm Leonard gern den langen Fahrtweg zu dem Supermarkt in Kauf, neben dem eine Apotheke stand.
Und einmal, als Nicole am Morgen eines Übernachtungsbesuch Leonard ins Badezimmer folgen wollte, war die Türe abgeschlossen. Damals entschuldigte sich Leonard mit der Ausrede, es sei eine Angewohnheit – aber warum gewöhnt man sich an, das Badezimmer abzuschließen, wenn man doch seit Jahren alleine wohnt?
Als die Übernachtungen in Leonards Appartement sich immer mehr häuften, bestand Nicole darauf, ein paar Utensilien im Badezimmer zu deponieren. Dabei öffnete sie eines Tages – oder eher versuchte sie erfolglos – eine bestimmte Schublade zu öffnen. Aber Nicole konnte den Inhalt der Schublade scheppern hören.
Natürlich hatte Nicole an diesem Zeitpunkt bereits eins und eins zusammengezählt – und als sie die Geräusche von Plastik und rollenden Pillen vernahm, hatte sie auch einen Beweis für ihre Theorie gefunden.

Von da an war sich Nicole sicher: Leonard nahm Psychopharmaka. Doch welche genau und warum er das verheimlichte, war ihr immer noch ein Rätsel. Es könnte Scham gewesen sein – andererseits hatte sie Leonard doch von ihrer Schwester erzählt, die schon seit Jahren gegen Depressionen kämpfte. Ob Leonard stärkere Psychopharmaka einnahm – etwa die Sorte, die man lieber vor anderen Menschen verheimlicht?

War Leonard unter Umständen verrückt?
Nicole hatte keine genauen Antworten auf diese Fragen. Sie war sich allerdings über ihre Gefühle für Leonard im Klaren. Besonders, nachdem sie fast durch einen Mann getötet wäre, der irgendwie mit Leonard in Verbindung stand.

Nicole konnte in dieser Nacht vor lauter Gedanken kaum schlafen. Ihr Unterbewusstsein war zu aufgewühlt und sie wollte wissen, was mit Leonard los war. Doch Nicole war sich so sicher wie noch nie zuvor in ihrem Leben, dass sie nie wieder etwas mit Leonard zu tun haben wollte. Sie hatte so lange das Gute in Leonard sehen wollen, aber je besser sie Leonard kennenlernte, desto mehr Dinge traten an die Oberfläche, die Leonard in ein gespenstisches Licht rückten.
Und wenn Nicole ehrlich zu sich war, schätzte sie sich glücklich, Leonard nicht noch näher kennengelernt zu haben. Denn sie ängstigte sich aufrichtig vor Männern wie Leonard: Nach außen hin gefühlvoll, gewissenhaft und aufrichtig. Aber in Wahrheit vielleicht ein Monster.


Es war ungefähr Mitternacht, als Leonard in sein Appartement zurückkehrte. Er begann jedoch sogleich mit der Aufräumarbeit, wenn auch schweren Herzens. Noch hatte er die Schuldgefühle nicht überwunden und langsam kam der Schmerz über Nicoles Verlust hinzu.
Sobald das Schlafzimmer und die Küche wieder halbwegs ordentlich aussahen, brach Leonard die Aufräumarbeit ab.
Er holte sich eine Flasche Weißwein aus einem sonst leeren Schrank über dem Herd. Während er die Flasche aufschraubte, stellte er sich die Frage, wo er eigentlich die Weingläser aufbewahrte. Vielleicht lag es an der Aufregung des Tages, aber Leonard konnte sich schlicht nicht erinnern. Zudem hatte er sie ja auch schon ewig nicht mehr benutzt.
Bei diesem Gedanken zögerte Leonard einen Moment, sich nach den Gläsern umzusehen. Sollte er das wirklich tun? Er wusste, was der Alkohol mit ihm anstellte. Wie viel er durch Alkohol verlieren könnte.

Aber dann wurde Leonard klar, wie lächerlich diese Angst war. Wie könnte er noch etwas verlieren, wenn er denn gar nichts mehr zu verlieren hatte?
Und Leonard spürte, dass er heute unbedingt diesen Wein trinken musste. Er brauchte es, um die Realität ertragen zu können. Und er brauchte diese Dröhnung dringend.
Intuitiv griff Leonard nach der richtigen Schranktüre. Er nahm ein Glas heraus, füllte es dermaßen schnell an, dass es beinahe überschwappte und schüttete es sich richtiggehend die Kehle runter.

Aber Leonard hatte ganz vergessen, wie bitter manche Weine sein konnten. Er begutachtete das Etikett. Wann hatte er denn einen Chardonnay aus dem Napa Valley gekauft?
Je länger Leonard das Etikett betrachtete, desto mehr kam die Erinnerung an den Kauf zurück, obwohl dieser schon sehr lange zurücklag.
Müde und erschöpft ließ sich Leonard gemeinsam mit der Flasche vor dem Esstisch nieder. Er begann, über verschiedenes nachzudenken:
Nach dem heutigen Vorfall würde sein Chef Leonard sicher ein paar Tage freigeben. So hätte er genug Zeit, um in Detroit nach Julie zu suchen. Dieser Plan stand noch. Jetzt war er schon so weit gekommen, da warf er doch nicht einfach die Flinte ins Korn. Er würde schon bekommen, was er wollte. Das tat er doch meistens.
Leonards Blick schweifte allerdings alles andere als glücklich zum Küchenfenster. Er sah nach draußen in die Dunkelheit. Genau so dunkel fühlte sein Inneres sich im Moment auch an.
Wie lange würde es wohl dauern, bis er sich vergeben hatte? Und bis er Nicole loslassen konnte?
Der Schmerz in seiner Brust saß so tief, dass er nur noch vergessen wollte. Er wollte vergessen, wie lange er Nicole etwas vorgemacht hatte und was für ein Idiot er gewesen war, seine Gefühle für sie erst zu bemerken, als es schon zu spät gewesen war.
Leonard goss sich mehr Wein ein. Seine Finger legten sich um das Weinglas, als ein helles Schrillen der Hausglocke die Stille zerbrach.
Dabei erwartete Leonard gar keinen Besuch. Oder – ein kleines Fünkchen der Hoffnung entfachte in Leonard – war es Nicole? Hatten sie sie entlassen, da ihre Wunden von allein ausheilten?
Neugierig wanderte Leonard in das Vorzimmer und nahm den Hörer ab.

„Hallo? Wer ist da?“
Leonard konnte jemanden laut atmen hören.
„Hallo, Leonard? Ähm, ich bin’s, Marti.“
Vor Verblüffung zog Leonard die Stirn kraus.
„Ich hab versucht, dich über das Telefon zu erreichen. Aber du hast nicht abgehoben. Ich weiß, es ist spät, aber ich muss mit dir reden. Lass mich rein, ja?“
Leonards Gedanken begannen zu kreisen. War etwas mit Linda passiert? Marti klang so aufgewühlt. Und er wirkte ebenfalls etwas angetrunken.

Leonard öffnete die Haustüre und wartete dort auf den Besucher. Marti kam aus dem Fahrstuhl, langsam, wie immer. Sein Gehstock klang am Flurboden wie das Pochen eines Fingernagels auf Plastik.
Im Vorbeigehen lächelte Marti Leonard dankbar an, dass er ihm die Türe geöffnet hatte. Aber Leonard schloss die Haustüre erst, nachdem er sich den Hausflur etwas näher angesehen hatte. Er war jedoch leer.

Der faltige, alte Mann blieb vor dem Esstisch mit der Weißweinflasche und dem Glas darauf stehen. Leonard verfolgte seinen Blick zu der Flasche und bot ihm etwas an.
Während Leonard ein neues Glas herbrachte, ließ sich Marti schwer schnaufend auf dem Stuhl gegenüber nieder.
Leonard drückte Marti das Weinglas in die von Arthritis gezeichneten Hände und Lindas Ex-Mann bedankte sich durch einen brummenden Laut.
„Alles in Ordnung, Marti?“, fragte Leonard, welcher nicht aufhören konnte, den alten Mann anzustarren. Marti blickte mit aufgelöstem Gesichtsausdruck zu Boden.
„Irgendetwas stimmt mit Linda nicht. Sie verhält sich in letzter Zeit so merkwürdig. Letztens kam ich an ihrem Haus vorbei und hab gesehen, dass sie einen Flohmarkt vor der Garage veranstaltet hat. Ihre ganzen Wertgegenstände waren da. Selbst ihre geliebte Perlenhalskette hat sie zum Verkauf angeboten! Natürlich habe ich sie gefragt, was los ist. Sie hat irgendwas gefaselt von einer Cousine, die ihre Unterstützung bräuchte. Aber ich meine, sie hat ihr halbes Haus verkauft. Wozu sollte ihre Cousine denn so viel Geld brauchen?!“

Leonard nippte nachdenklich an seinem Glas, während er zuhörte.
Nach einer Schweigeminute fuhr Marti fort:
„Nach diesem Wochenende wollte ich sie besuchen. Und als ich in ihrem Haus war hab ich gesehen, dass außer ihren Möbeln kaum noch etwas im Haus war. Sie hat alles verkauft! Ihre antiken Vasen, die Gemälde … ich hab sie selbstverständlich auf diese Cousine angesprochen und wozu sie all das Geld braucht. Da ist Linda richtig nervös geworden …“
Marti blickte nun zum ersten Mal während des Gesprächs in Leonards Augen:
„Es kam mir so vor, als würde sie mir etwas ganz Wichtiges verschweigen. Also hab ich sie gefragt: ‚Hat es irgendetwas mit unserem Sohn zu tun?‘“
Für einen Augenblick riss diese Neuigkeit Leonard aus seiner Trauerstarre.
Leonard fuhr auf:
„Und was ist dann passiert?“
Leonard antwortete so schnell, er stolperte beinahe über jedes Wort.
Das Weinglas zitterte in Martis Hand, denn er umklammerte es mit all seiner Kraft, als müsste er sich an etwas festhalten.
„Sie hat es abgestritten. Natürlich.“ Verwundert über Leonards heftige Reaktion blinzelte Marti. Doch er war zu verwirrt, um nachzuhaken.
„Ich mache mir große Sorgen, Leonard. Ich weiß nicht, was sie tut, aber es kann nichts Gutes sein.“
Aus Marti kam ein gequältes Seufzen.
Leonard strich sich nachdenklich mit den Fingerkuppen über die Lippen.
„Und du möchtest, dass ich sie beschatte, oder?“
In der Sekunde, in der Leonard diese Worte aussprach, leuchtete ein Funken der Hoffnung in Martis grau-grünen Augen auf.
„Ja. Könntest du das tun für mich?“
Leonard hielt inne. Eigentlich war er es doch, der Hilfe bräuchte. Sein Herz schmerzte fürchterlich. Es schmerzte auf eine Weise, die nach einem Ventil verlangte. Aber immer, wenn er diese Art von Schmerz fühlte, wusste er nicht, wie er damit umgehen sollte.
Er kannte nur ein Ventil für diesen starken Schmerz …
Leonard wollte sich noch ein wenig Wein nachgießen, als Martis Hand sich plötzlich über das Glasrand legte.

Leonard funkelte den alten Mann bedrohlich von der Seite an.
„Du willst doch, dass ich Linda beschatte, oder? Dann tu das besser nicht.“
Marti schluckte trocken vor Furcht, trotzdem konnte er von seinem Standpunkt nicht abrücken.
„Ich mache mir nur Sorgen. Du hattest doch zu trinken aufgehört?“
„Ich habe NIE mit dem Trinken aufgehört“, korrigierte Leonard ihn streng.
„Stattdessen habe ich mir angelernt, mir ab einem bestimmten Punkt nicht mehr nachzuschenken.“
Widerwillig zog Marti seine Hand zurück.
„Ich kann dich nicht dazu zwingen. Aber wenn du aufwachst und dir Schwierigkeiten aufgehalst hast, kannst du mich nicht mehr um Unterstützung bitten. Ich bin jetzt ein alter Mann, ich ertrage das nicht mehr.“
Marti hievte sich von seinem Sessel hoch, den Gehstock fest umklammert.
„Es wird Zeit, zu gehen. Du bist ohnehin mit deinen eigenen Problemen beschäftigt.“

Aber Marti blieb noch kurz stehen. Er betrachtete Leonard ausgiebig. Marti war etwas weitsichtig, trotzdem konnte er genau erkennen, was für eine Wirkung seine Worte auf Leonard hatten. Dieser erinnerte sich nun wieder. Daran, wie oft Marti ihm aus einer prekären Lage herausgeholfen hatte, wenn er in alkoholisierten Zustand Mist gebaut hatte. In Leonards Augen glitzerte ebenfalls die Erinnerung an den Tag vor zwei Jahren, als Leonard Marti für sein Verhalten um Vergebung gebeten hatte. Natürlich hatte erst zugeben können, wie schwer alkoholkrank er gewesen war, als alles schon vorbei war.

Außerdem erinnerte Leonard sich nun auch, dass er Marti damals als Wiedergutmachung versprochen hatte, ihm in Zukunft immer mit Rat und Tat zur Seite zu stehen.
Trotzdem es Leonards Plan, nach Julie zu suchen, weiter verzögerte, gab Leonard schließlich nach. Er hatte keine andere Wahl.
„Okay. Ich kümmere mich um Linda.“
Früher oder später würde er herausfinden, was Lindas Geheimnis war und danach Julie in Detroit besuchen.
Marti klopfte dankbar mit seinem Stock gegen die Küchenfliesen.
„Ich danke dir.“
„Ich muss mein Versprechen doch halten“, entgegnete Leonard mit kühlem Pflichtbewusstsein.
Marti senkte besorgt seinen Blick.
„Übertreibe es nicht. Ich kann nur hoffen, du weißt, was du tust.“
Als der alte Mann seinen Weg aus Leonards Appartement machte, starrte Leonard müde die halbvolle Weinflasche an.
‚Keine Ahnung. Ich weiß doch nie wirklich, was ich tue‘, dachte Leonard und nichtsdestotrotz stürzte er kaum eine Sekunde darauf sein viertes Glas Wein seine Kehle hinab. Mit einem lauten Rumsen warf Marti die Haustüre ins Schloss.

Leonard verschluckte sich und spürte auf einmal ein brennendes Gefühl in seiner Lunge. Der Wein musste sofort da raus. Er zwang sich zum Husten. Er hustete so lange, bis seine Lunge sich wieder entkrampfte.
Aber seine Augen hatten sich durch den Vorgang mit Tränen gefüllt.
Da erkannte Leonard eine Chance. Vor ein paar Stunden erst hatte er sich von seiner ersten Liebe nachdem er sehr lange Single gewesen war, getrennt – und ohne einen Schubs schaffte er es doch sonst nie, zu weinen.
Jetzt, wo seine Augen bereits nass waren, konnte er es vielleicht …
Dann könnte Leonard die Trennung von Nicole irgendwie verarbeiten. Und noch so viel mehr. Es gab so viel mehr, dass Leonard sonst stets runterschluckte.
Schritt für Schritt setzte die Wirkung des Alkohols ein. Der graue Holztisch vor ihm schien zu wackeln. Die Küchenzeile neben ihm schien, als wäre sie nur noch eine Armlänge entfernt. Diese Erkenntnis ließ Leonard amüsiert schnaufen. Und doch liefen ihm die Tränen über die Wangen.

Vor seinem geistigen Auge blitzten verschiedene Erinnerungen auf. Zuerst betrat er noch einmal Nicoles Krankenzimmer und fühlte diesen Knoten im Magen zurückkehren, den er vor Angst auf das bevorstehende Gespräch gehabt hatte. Dann war da sein ehemaliger Freund Ray, mit dem er gemeinsam die High-School besucht hatte.
Ein paar Tage bevor Leonard am College anfing, saß er in seinem Kellerzimmer in dem Haus seiner Eltern. Auf diesem Doppelbett, das heutzutage in seinem Schlafzimmer stand, versuchte er Ray mit dem Haustelefon zu erreichen.
Aber niemand ging ran.
Denn nach Julies Verschwinden hatte Ray den Kontakt zu Leonard abgebrochen. Am selben Tag hatte er einen fürchterlichen Streit mit seinem kleinen Bruder Orson gehabt.
Leonard und Ray hatten sich seither nie wiedergesehen. Und Orson wollte ebenfalls nicht mehr von seinem großen Bruder wissen.
Das letzte Erinnerungsstück … nun ja, es war Julie.
Sie spielte auf dem Boden in Leonards Kellerzimmer ein Lied auf ihrer Gitarre. Zur Aufmunterung. An diesem Vormittag hatte Leonard die Nachricht über den Tod seiner geliebten Großmutter erhalten.

Durch all die Erinnerungen wurde eine Menge an aufgestauter Trauer freigesetzt. Das Wasser schoss Leonard richtiggehend aus den Augen.
Er hatte alles verloren. Seine engsten Freunde, die Menschen, die ihm am Meisten bedeutet hatten – und sogar Linda verbarg irgendetwas vor ihm.
Erst nachdem Leonard diesen Fakt verarbeitet hatte, hörte er auf, zu weinen. Je mehr er sich beruhigte, desto mehr nahm eine andere Emotion von ihm Besitz: Wut.
Er sagte sich, zuallererst müsste er aufhören, weiterzutrinken. Doch während er zur Küchenspüle ging, um sich ein Glas Wasser zu holen, bemerkte er, dass vom Wein nicht mehr viel übrig war.
Die paar Milliliter machten in Leonards Augen auch keinen Unterschied mehr, also trank er sie.
Und dann begann er, sich einen Plan auszudenken.
Denn irgendetwas musste sich ändern. So konnte es nicht mehr weitergehen.
Leonard litt zu sehr unter der momentanen Situation. Die Schmerzen waren unerträglich. Er wusste, noch heute Nacht musste er damit anfangen, seine Lebensumstände zu verändern.
Leonard wusch sich das Gesicht über der Küchenspüle mit kaltem Wasser, um wieder munter zu werden. Währenddessen kam ihm eine erleuchtende Idee.

Am nächsten Morgen versuchte Leonard mit aller Kraft sich zu erinnern, was er getan hatte, nachdem er die Weinflasche ausgetrunken hatte. Doch er konnte es nicht. Er wusste nur noch, dass er vor der Küchenzeile in seinem Appartement gestanden hatte. Aber danach verschwamm seine Erinnerung und tauchte ein in schwarzes Nichts.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.04.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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