Christina Gerlach-Schweitzer

Die Gepardin

Zärtlich neigte sich die Gepardin über ihr Junges, das sich ein wenig verletzt hatte. Sie leckte ihm tröstend das Fell.“ Du, sagte sie, wenn du erst mal groß bist, dann bist du das herrlichste Tier auf der Welt. Das schnellste bist du sowieso, aber du hast auch noch fast die allerbesten Zähne, die schärfsten Augen und die kräftigsten Krallen. Niemand wird dir später überlegen sein. Ein Gepard kann seine Beute viel schneller jagen und schlagen als die allermeisten Tiere auf der Welt. Du wirst einmal ein freieres Leben führen als die Löwen, stärker sein als die Luchse und schneller als die Leoparden. Nichts und niemanden brauchst du in dieser Steppe zu fürchten, mein Hübscher, mein Lieber, mein Kleiner.

Schweigend beobachteten die beiden eine Gruppe Gazellen, die unweit von ihnen äste. Die Gepardin beschloss ihrem Sohn zu zeigen, wie herrlich, wie stark und allmächtig der Gepard war. Sie schoss davon, um eine Gazelle zu erbeuten. Die Sonne ließ ihr Fell glänzen und der kleine  Gepard tanzte auf dem Termitenhügel  hin und her vor Freude und Bewunderung über das Können der Gepardin. “Da, du hast eine Gazelle gefangen!“, rief er aufgeregt.

In dem Moment schießt ein Adler vom Himmel herab, greift sich den kleinen Geparden, trägt seine Beute hoch, hoch in die Luft.

Die Gepardin schaut ohnmächtig zu, die schnellen Beine fest auf der Erde.

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