Heinz-Walter Hoetter

Das Notwendige ist Utopie, das Überflüssige real.

Unübersehbar, wie die Umweltproblematik Medien und Öffentlichkeit beherrscht. Oder irre mich gar? Haben wir möglicherweise die Probleme der Umwelt schon wieder vergessen?

 

Wie auch immer.

 

Die Vorhersage vieler Experten haben sich längst bewahrheitet: »Im Vergleich zu dem, was uns ökologisch erwartet, ist das hier eher belanglos.« (gemeint ist damit der verheerende Tsunami seinerzeit, der an die 300.000 Menschen getötet hat).


Das Verhalten der Masse der Bevölkerung ist freilich höchst widersprüchlich. Von der Politik erwarten sie die Quadratur des Kreises: konsequenten Umweltschutz, nur darf er keine großen Opfer fordern, vor allem keine Verhaltensänderung.

 

Die Leute hängen an tradierten Gewohnheiten, der Prozess des Umdenkens trägt noch nicht. Es scheint, als habe das kollektive Gedächtnis die Mühsal und die Plackerei der vergangenen Jahrhunderte gespeichert.

 

Nur nicht wieder so vegetieren müssen, signalisiert offenbar diese Angst, wie unsere Vorväter im 19. Jahrhundert, die als Lumpenproletariat bezeichnet worden sind. Daher wollen alle von dem erreichten Komfort nichts aufgeben.

 

Es ist, als sollte siegreichen Eroberern zugemutet werden, die Beute wieder herauszurücken.


Energiesparen — ja. Aber nicht bei der Heizung, beim Kühlschrank, beim Bügeleisen, beim Fernseher, bei der Waschmaschine, beim Rasierer und, und, und.

 

Grüne Wälder — ja, aber nicht auf Kosten des Autos. Umweltschutz, natürlich, aber das System soll so bleiben, wie es ist. Es sei denn, die Industrie bringt bessere Produkte auf den Markt, dann macht man gerne mit. Dann darf es auch etwas teurer sein. Ein fatales, passives Verhalten nicht nur bei uns in Deutschland, sondern überall auf der Welt.


Es gibt sie nicht, die globale, kollektive Vernunft, die weltweite Verbindlichkeit der Ethik. Die Vernunft der Individuen summiert sich zur Unvernunft des Kollektivs, die Frömmigkeit des einzelnen zur Bigotterie und zum Fanatismus der Massen.

 

Religionen verhindern die Entwicklung der Vernunft.

 

Daher wird nicht sein, was lebenserhaltend unumgänglich wäre: eine globale Kurskorrektur. Hinter diesem harmlosen Begriff verbirgt sich als Konsequenz die erste zivilisatorisch-kulturelle Kehrtwende der Menschheit. Umkehr als Fortschritt, das ist noch keiner Generation zuvor zugemutet worden.

 

Nein, das gab es wirklich noch nicht!


Die Kulturentwicklung als Teil der Evolution hat sich, wenngleich um Zehnerpotenzen rascher, zu immer komplexeren Strukturen heraus differenziert.

 

Nun soll eine Re-Evolution folgen. Die Natur kennt eine solche Rückwandlung nicht, bei keiner Art und bei keinem System. Sie ist unmöglich. Aus einem Huf kann kein Paarzeher werden, aus einer Lunge kein Kiemenatmer.

 

Wenn sich ein Prozess als Irrtum herausstellt, kann das Problem nur durch Aussterben gelöst werden.

 

Wird die Menschheit auf Dauer gesehen aussterben oder zumindest auf ein erträgliches natürlich angemessenes Maß minimiert? Wahrscheinlich wird es so kommen. Jedenfalls arbeiten die Naturgesetze in diese Richtung.


Unser Wirtschafts- und Industriemodell, wie es sich in den letzten 150 Jahren herausgebildet hat, auf dem die gesamte Zivilisation und Kultur beruht, stellt sich aber immer unabweisbarer als Irrtum heraus. Die technische und ökonomische Entfaltung seiner Potenzen, für sich genommen und aus dem Zusammenhang gelöst höchste Rationalität, droht die Irrationalität des Gesamtsystems ins Ausweglose zu steigern. Die höchste Form der Irrationalität ist aber die Zerstörung der Lebensgrundlagen, also der (kollektive) Selbstmord.


Das Zivilisationssystem des Menschen befindet sich auf Kollisionskurs mit dem System der Natur. Da es aber selbst nur ein Untersystem der Natur ist, kann der Ausgang dieses Zusammenpralls nicht zweifelhaft sein: Was sich nicht mit dem Globalsystem der Natur und ihren Gesetzen verträgt, ist zum Untergang verurteilt.

 

Paradoxerweise ist es gerade der gewaltige Erfolg des modernen Zivilisationssystems, der es in Widerspruch zur Natur und zur Evolution bringt.

 

Der Mensch hat die Balance bewirkenden und für Ausgleich sorgenden negativen Rückkoppelungssysteme umgepolt in positiv rückgekoppelte, auf unentwegtes Wachstum, das in sich schon einen Widerspruch offenbart. Es kann kein ewiges Wachstum geben.

 

Dennoch ist das Wachstum zum obersten Sachzwang geworden, der das System stabilisiert und aufrechterhält. Ohne Wachstum bräche es wieder in sich zusammen. Wachstum ist für das Industriesystem, was die Rotation für den Planeten ist.

 

Wie schon gesagt, kann aber nichts ad infinitum („bis ins Unendliche“)

wachsen.

 

Am Ende bedeutet Wachstum eigentlich nur noch Ausweglosigkeit, Auffressen der eigenen Voraussetzungen. Wie bei einem Heuschreckenschwarm.


*Konrad Lorenz sagte einmal: „Wir haben diese Weisheit der Evolution mit Hilfe unseres Verstandes außer Kraft gesetzt. Nichts und niemand hindert uns am Fressen. Da wir den Magen und das Verdauungssystem weg gezüchtet haben, um die Effizienz zu steigern, können wir ungehindert fressen. Und uns vermehren. Sechs Milliarden Menschen: Wachstum. Ausschließlich positive Rückkoppelung. Grenzenlos. Ausweglos. Wofür? Wozu? “


Kein Zweifel, dass die Politik überfordert ist.

 

Zur intellektuellen Unzulänglichkeit der Agierenden gesellen sich die System- und Strukturfehler. Das Schielen auf Wahlen, die Gefälligkeitsdemokratie. Die Angst, die sachlich notwendige Entscheidung könnte die wahltaktisch falsche sein. Die Trägheit der Entscheidungsprozesse. Die Gefahren sind alle globale, internationale, die Politik bleibt jedoch national.

 

Es gibt auch heute keine Globalpolitik. Wir bräuchten eine verantwortungsbewusste Weltregierung, ein Weltparlament, eine Weltpolizei. Globale Handlungsfähigkeit. Aber — nicht daran zu denken.

 

Die sog. „zivilisierten Staaten“ auf diesem Planeten geben mehr als 1 Billion Dollar für militärische Rüstung aus. Es werden immer noch im 21. Jahrhundert fürchterliche Kriege geführt, die zu nichts führen, außer Tod und Elend verursachen.

 

Wenn die Menschheit so weitermacht, hat sie auf gar keinen Fall eine angenehme Zukunft vor sich, sondern eine grauenvolle Schreckenszeit, die es so noch nie gegeben hat. Natürlich wird sie nicht plötzlich über die Menschheit herein brechen, aber sie, diese schreckliche Zeit des Unterganges unserer derzeitigen Zivilisation, kündigt sich heute bereits schon ganz real an. Man muss nur genau hinsehen. Übrigens wird nicht die Natur untergehen bzw. aussterben. Wir Menschen mit unserer künstlich erschaffenen Zivilisation werden auf ein erträgliches (normales) Maß zurück geschnitten, das ein Massensterben unter den Menschen auslösen wird.

 

Deshalb wiederhole ich mich am Ende nochmals: Das Notwendige ist Utopie, das Überflüssige real.

 

Ist es nicht so?

(c)Heiwahoe

Wer ist Konrad Lorenz?


https://de.wikipedia.org/wiki/Konrad_Lorenz

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 01.05.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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