Maike Opaska

Der Nackthals

Der Nackthals Zwischen hohen Felswänden schwebte er lautlos dahin. Auf seinen Schwingen spürte er die Sonne und gerne hätte er noch an Höhe gewonnen, doch er zog es vor, sich von der Brise tragen zu lassen. Gemächlich schwebte er ins Tal hinaus, wo die mächtigen Berge niedriger wurden und allmählich in Hügelketten übergingen. Unter sich sah er graue Ebenen und grüne Hänge. „Ich habe Hunger“ dachte er bei sich. Vergangene Nacht hatte er Schüsse gehört, vereinzelte und ein paar geballte Salven, und wenn nachts Schüsse zu hören waren, schienen die Schatten ihm zu sagen „freue dich, morgen findest du totes Fleisch“ Es war Hochwildjagd. Große Tiere, einen Wolf, einen Bären, vielleicht auch einen Menschen; einen toten Menschen zu finden war ungewöhnlich und herrlich. Seit Jahren hatte er schon kein Menschenfleisch mehr gefressen. Den Geschmack hatte er jedoch nicht vergessen. Jedes Mal, wenn er einen toten Menschen entdeckt hatte, war es in der Nähe eines Pfades gewesen und er hasste Pfade. Außerdem war es auch für Geier nicht leicht an einen toten Menschen heranzukommen, denn es waren immer andere dabei, die ihn bewachten. Der Geier hörte einen Sperber über sich dahinfliegen und drehte den Kopf, um nach ihm zu schauen und suchte mit einigen rhythmischen Schlägen seiner mächtigen Schwingen, Geschwindigkeit zu gewinnen und wegzukommen. Seine Schwingen warfen eine großen Schatten auf die Bergflanke. „Nackthals“ schrie der Sperber ihm zu, „du verscheuchst mir die Beute. Der Schatten deiner Schwingen streicht immer wieder über den Hügel hin. “ Der Geier antwortete nicht, denn er fühlte sich allmählich alt, und die Überlegenheit ist unter den großen Vögeln besser mit Schweigen zu erreichen. Er spürte das Alter an seinem leeren Magen, der ihn bereits das vor vielen Jahren verschlungene Fleisch wieder riechen ließ. Er flog im Kreis um sich zu orientieren, und schnellte plötzlich wie ein Pfeil durch das Tal hinaus, wo der Sperber jagte. Er flog lange Zeit in der gleichen Richtung. Es war frühmorgens, und vom fernen Horizont war Gewittergrollen zu hören, doch der Himmel war wolkenlos. „Der Mensch hat Krieg mit dem Menschen“ sagte er zu sich selbst. Er misstraute dem menschlichen Tier, das auf zwei Beinen geht, den Blitz in der Hand hält und ihn abfeuert, wann er es will. Dem Menschen, der manchmal das Feuer zwischen den Fingerspitzen hält und in den Mund steckt. Was er nicht verstand, dass der Mensch, der doch so mächtig war, immer in Gruppen ging. Raubtiere verachten Herdentiere. Der alte Geier flog nun in Richtung des fernen Donners. Hie und da öffnete er den Schnabel, und im Fahrtwind vibrierte seine Zunge und verursachte ein eigenartiges Surren in seinem Kopf. Trotz des Hungers war ihm wohl zumute und so überflog er langsam einen Berg und kam in ein anderes Tal. Aber die Erde war so ausgetrocknet, dass es ihn erstaunte, am Grunde des Einschnittes ein Bächlein zu erblicken. Und wenn dieses Tal hier auch tot zu sein schien, ausgelöscht sein musste, das Bächlein lebte. Erst glaubte er, in einem Talwinkel einige grüne Vierecke zu erkennen, aber als die Sonne darauf schien, sah er, dass auch diese grau wie Asche waren. Einen nach dem anderen untersuchte der Geier, auch die Schatten der Vertiefungen, die Büsche, Bäume und Zwergkräuter. Der Geier versuchte Witterung zu bekommen, obwohl er wusste, dass er in diesen Höhen keine Gerüche mehr wahrnehmen könne. Ferne stieg Rauch auf. Er wollte nicht mit den Flügeln schlagen und hoffte, dass Gegenwind aufkomme und ihn noch etwas hebe. Getragen von der Luftströmung segelte er immer noch in einem großen Kreis und erblickte zwei kleine Hütten. Kein Rauch stieg aus den Kaminen. Wenn am Horizont Kanonen donnern, rauchen die Kamine der Häuser nicht. Die Türen waren zu. An der einen, der zum Hühnerhof führte, hing ein durch die Brust aufgespießter Raubvogel. Mit einem langen Nagel, der ihn zwischen den Rippen durchbohrte, war er an die Tür genagelt. Der Geier sah jetzt, dass es ein Sperber war. Die Bauern tun das, um die Raubvögel in Schrecken zu versetzen und sie von ihren Hühnern zu verscheuchen. Der alte Geier hasste zwar die Sperber, freute sich jedoch nicht an diesem Anblick. Die Sperber jagen lebende Vögel, und dazu haben sie alles Recht. Dieses Tal war sauber. Nichts gab es da, nicht einmal eine tote Eidechse. Er sah eine Maus davonrennen, aber die rennen immer und vergessen meist den Grund ihrer Eile, denn seine Spezies jagt nicht und tötet auch nicht. Der Geier wollte nun ins nächste Tal hinüber, aber ohne höher steigen zu müssen, denn er war alt, hungrig und müde und so suchte er einen Einschnitt im Felsvorhang, wo er durchfliegen könnte. Die Müdigkeit tat ihm weh, doch die Hoffnung auf Futter gab ihm Kraft. Trotzdem fürchtete er, es könnte ihm das Gleiche geschehen wie seiner Geier - Freundin, die vor Jahren bei einem solchen Manöver gegen eine Felswand gestoßen war. Aber an sie wollte er jetzt nicht denken, denn er entdeckte eine Bresche in der Bergkette und durchmaß sie mit starken Flügelschlägen:“ Jetzt, jetzt,…so alt bin ich noch nicht,,..“ Und um es sich selbst zu beweisen, faltete er die rechte Schwinge zusammen und segelte nur auf der linken, ohne Furcht vor den hohen Gipfelfelsen. Es wäre für ihn schön gewesen, hätte ihn so seine Freundin sehen können und wenn nicht sie, dann wenigstens der Sperber. Das Tal hinter der Bresche schien tiefer zu sein, denn obwohl er nicht gestiegen war, kam er sich höher über dem Boden vor. Es war ihm recht, denn so konnte er überall in jenem Tal hinkommen und brauchte nur auf seiner Schwinge zu segeln. Hier hörte man auch das Donnern der Kanonen noch besser. Er sah auch ein Haus, aber auch hier war der Kamin ohne Rauch. Die Wolken am Himmel waren bleigrau, doch an den Spitzen von der Sonne vergoldet. Der alte Geier ließ sich ein wenig fallen. Die Einsamkeit und die Stille des Tales gefielen ihm. Am Himmel war kein einziger Vogel zu sehen, denn alle flohen, wenn Kanonen zu hören waren, alle außer den Geiern. Und er sah seinen eigenen Schatten wieder und wieder über die Bergflanken streichen, Mit der Brise stieg ein Geruch auf, den der Geier unter Tausenden erkannte. Ein süß-saurer Geruch: „Der Mensch“. Und der Geier sah einen reglosen Menschen, der auf der Erde mit ausgebreiteten Armen, einem ausgestreckten und einem angezogenen Bein, lag. Der Geier stürzte sich senkrecht hinunter, aber lange bevor er auf dem Boden anlangte, öffnete er die Schwingen wieder und blieb in der Luft stehen. Der Geier hatte Angst. „Was tust du hier?“ Er beobachtete den auf dem Boden Liegenden, besah sich seinen Bauch, sein Gesicht, seine Hände und konnte sich nicht entschließen, hinunter zu stoßen, „Du, König der Tiere, der du deinen Bruder tötest und den Wald anzündest, du Unbesiegbarer, bist du tatsächlich, bist du wirklich tot?“ Das Tal antwortete ihm mit Schweigen. Die Brise ließ die Kanten des halboffenen Schnabels in einem metallischen Geräusch vibrieren. Vom Horizont dröhnte immer wieder Kanonendonner herüber. Der Geier begann mit den Schwingen zu schlagen und stieg höher, diesmal ohne zu ermüden und er zog einen weiten Kreis um den Körper des Menschen. Der Geruch sagte ihm, dass jener Körper tot war, aber es war so unerhört, einen Menschen in diesem Zustand besiegt und geschlagen zu entdecken, dass er es kaum glauben konnte. Er stieg höher und beobachtete die weitere Umgebung. Niemand. Es war niemand im ganzen Tal. Und die Erde schien ebenso grau und tot wie jener Mensch. Einige verstümmelte entlaubte Bäume streckten ihre zersplitterten Äste in die Luft. Das Tal schien nie bewohnt gewesen zu sein. Es gab da zwar eine Schlucht, aber an ihrem Grunde war kein Bächlein zu sehen. „Niemand“ Die Augen auf den daliegenden Menschen geheftet, ließ er sich langsam wieder sinken. Lange bevor er den Boden erreichte, hielt er inne. Dieser gelben unbeweglichen Hand war nicht zu trauen. Der Geier schaute den Toten unverwandt an: „Gefallener Mensch, ich kenne deine Wahrheit, die eine große Lüge ist. Steh auf, sage mir, ob du lebendig oder tot bist. Bewege dich und ich gehe weg von hier und suche ein anderes Tal. “ Der Geier dachte: „Es gibt kein Tier, das dem Menschen traut. Niemand weiß, ob der Stock, den der Mensch in der Hand hält, ihm als Stütze dient oder ob er den Blitz daraus abfeuert. Es könnte sein, dass jener Mensch tot ist. Es könnte aber auch nicht sein.“ Jeder Kreis um den Menschen herum wurde ein bisschen enger. Auf diese Entfernung war der Gestank – der Duft – unwiderstehlich. Er ließ sich ein wenig tiefer gleiten. Der Menschenkörper lag immer noch ruhig da, aber die Schatten bewegten sich. In den Vertiefungen des Körpers waren auf einer Seite unter dem Haar verdächtige Schatten. „Alles beherrscht du, wenn du lebendig bist. Aber wenn du tot bist, hast du deine Macht eingebüßt und gehörst mir. Mein bist du.“ In langsamen Spiralen glitt der Geier tiefer, Etwas in der Hand des Menschen schien sich zu bewegen, Die Schatten bei den Armen und die bei den Stiefeln änderten ihren Platz. Ebenso die ganz kleinen beim Mund und bei der Nase. Der Geier flog vorsichtig: „Wenn ein Vogel stirbt“, sagte er „So sträubt sich das Gefieder“, Und er schaute die Finger, die Haare an, ohne einen Hinweis zu entdecken, der ihn überzeugt hätte: „Komm schon, bewege deine Hand. Kannst du wirklich nichts rühren?“ Der Kanonendonner drang aus der Ferne in dumpfen bebenden Wellen immer wieder herüber ins Tal. Der Geier nahm sie erst im Magen wahr und dann in den Ohren, Der Wind bewegte etwas auf dem Kopf des Menschen: das Haar. Erschrocken flog der Geier wieder höher. Als er merkte, dass es der Wind gewesen war, beschloss er, irgendwo in der Nähe zu Boden zu gehen und von einem festen Punkt aus zu beobachten. Also flog er auf eine kleine Felsgruppe zu, die wie ein verankerbares Schiff aussah, und ließ sich langsam darauf nieder. Als er festen Boden unter sich spürte, faltete er die Schwingen zusammen. Er wusste sich in Sicherheit, hob das linke Bein, um es an seinen Bauchfedern zu wärmen und atmete tief auf. Dann neigte er den Kopf zur Seite und schaute den Menschen mit dem einen Auge an, während er das andere genießerisch schloss: „Jetzt will ich sehen, ob die Schatten dich beschützen oder nicht“. Der Wind, der träge rauschend daher strich trug kalte Asche mit sich und knickte das dürre Gras. Das Haar des Menschen hatte die Farbe des Staubes, der das Gebüsch bedeckte. Die Brise drang dem Geier in den Körper wie in einen alten Blasebalg. „Wenn du vom Menschen frisst, pass auf, dass es auf festem Boden und in einer Lichtung ist.“ Und jetzt erinnerte er sich, dass er auch Angst hatte, als er das letzte Mal Menschenfleisch gefressen hatte. Er schämte sich seiner Angst, er, der alte Geier. Aber so ist das Leben, In diesem Augenblick wurde ihm klar, dass es mit dem Menschen, der da mitten in einer von Gebüsch umstandenen Lichtung lag, zu Ende sein musste. Seine Schatten bewegten sich nicht, „Hallo, hallo, schreie, sage etwas.“ Er ließ sein linkes Bein auf dem Felsen ruhen und hob das rechte, um es auch an den Federn zu wärmen. „Hast du den Mond heute gesehen? Er war rund und gelb“. Er neigte den Kopf zur Seite und schaute den Toten mit nur einem seiner blutunterlaufenen Augen fest an. Die Brise ergriff den Staub auf dem Felsen und wirbelte ihn in einer hübschen Spirale auf. Die Kanonendonner entfernten sich. „Der Krieg verlegt sich ins nächste Tal.“ Er schaute die Felsen über sich an und sah, dass der höchste in goldenes Sonnenlicht getaucht war, Und so öffnete der alte Geier die Schwingen ein wenig, kratzte sich mit dem Schnabel an der Schulter, plusterte die Brustfedern auf, damit die Sonne bis auf seine Haut dringen konnte, hob den Kopf wieder und schaute weiterhin mit nur einem Auge um sich. Um den Menschen herum war der Boden fest, weder Schlamm noch Sand und er lag in einer Lichtung. Der Geier horchte. In dieser Einsamkeit hallte jedes auch noch so geringfügige Geräusch nach: Wasser, das über die Felsen rieselte, ein Steinchen, das sich unter dem Tritt einer Eidechse löste. Aber ein einziges Geräusch übertönte alle anderen, es kam nicht durch die Luft, sondern vom Boden und schien manchmal wie ein ferner Trommelwirbel. Ein galoppierendes Pferd tauchte auf, ein junger Schimmel. Er war verwundet und galoppierte ziellos umher, wollte nur zum Protest seine Jugendkraft messen, bevor er starb. Der Geier sah wie seine weiße Mähne im Wind flatterte und die Kruppe zitterte. Das Pferd kam heran, erschrak beim Anblick des daliegenden Menschen und verschwand am anderen Rand der Hochfläche. „Nur dieses Pferd und ich haben den Menschen gesehen“ überlegte der Geier und ließ sich mit geöffneten Schwingen in die Tiefe fallen, flog gemächlich zum Toten hin, bremste ab, hob die Brust und ließ sich auf die Erde nieder. Er getraute sich nicht, den Menschen anzuschauen und ging rückwärts, denn er war sicher, dass er zu nahe herangekommen war. Die Eile, gepaart mit einer gewissen Feierlichkeit, gab ihm ein groteskes Aussehen. Er wirkte lächerlich auf der Erde und stieg auf einen kleinen Felsblock und schaute den Menschen nun doch wieder an: „Dein Pferd ist durchgebrannt Warum holst du es nicht zurück?“ Er stieg wieder vom Felsblock hinunter, näherte sich dem Toten, aber als er seiner sicherer zu sein schien, hieß ihn eine seltsame Anwandlung die Richtung ändern und auf einen anderen Stein steigen, näher als der vorige, immerhin. „Tot?“ Wieder waren ferne Schüsse zu hören. Sie waren so laut, dass die Insekten, die um den Geier herumflogen, in der Luft geschüttelt wurden. Er stieg wieder vom Stein hinunter und ging um den leblosen Körper herum, der ihn zu erwarten schien. Die Kleider des Menschen waren zerrissen, ein Knie und ein Teil der Brust schauten daraus hervor, Hals und Arme waren nackt. Die Verwesung hatte Gesicht und Bauch aufgedunsen. Lauernd hielt der Geier den Kopf schräg zur Seite, als er noch zwei Schritte näher ging. Das Haar hatte die Farbe verdorrten Grases. Er wäre gerne noch näher gegangen, aber er konnte nicht. Er schaute die Hände an. Die rechte bohrte sich in die Erde wie eine Kralle. Die andere war hinter dem Rücken versteckt. Vergeblich suchte der Geier den Ausdruck der Augen. „Wenn du lebendig wärst, hättest du dein Pferd geholt, anstatt auf mich zu warten. Ein Pferd ist nützlicher als ein Aasgeier, meinst nicht auch so?“ Der zwischen den Steinbrocken liegende Mensch sah selbst aus wie ein Felsblock. Sein Haar schien im Nacken sehr lang, aber in Wirklichkeit war es nicht Haar, sondern ein Blutfleck auf der Erde. Der Geier ging mit kleinen tänzelnden Schritten vor und zurück während sein kahler Kopf und seine Augen sich nach dem Toten reckten. Der Wind hob den Hemdzipfel des Menschen, der Geier schnellte auf und sein Flügelschlag tönte, als ob Plachen ausgeschüttelt würden. Er zog einige Kreise. Der Gestank schien ihn in der Luft zu halten. Dann sah der Geier, dass der Mundschatten von zwei Reihen Zähnen gesäumt war. Das Gesicht war breit und den Kiefer überzog ein blauer Schatten, Die Sonne kletterte unmerklich und golden am Felsvorhang einer fernen Bergkette empor, Mit einer Bewegung, die er von den Adlern gelernt hatte, ließ er sich wieder fallen, aber er blieb noch über dem Körper und außerhalb der Reichweite der Arme in der Luft stehen und äugte. Etwas bewegte sich. Es waren keine Schatten und es war auch nicht der Wind. Es waren lebendige Larven, sie kamen unter dem unteren Augenlid hervor und krochen über die Wange hinunter. „Weinst du, Menschenskind?“ Wie kommt es, dass dein Mund lacht und deine Augen weinen und deine Tränen lebendig sind?“ In der Sonnenhitze belebte sich der verwesende Körper wieder und der Geier sagte zu sich „Vielleicht wacht er wieder auf, wenn ich ihn berühre?“ und so ließ er sich fallen bis er ihn mit einem Flügel streifte und flog sofort wieder hoch. Als der Geier sah, dass der Mensch sich immer noch nicht rührte, setzte er sich ganz in der Nähe auf den Boden. Er wäre gerne noch näher gegangen und auf dessen Bauch gestiegen, aber er wagte es nicht. Die Sonne überflutete nun schon das ganze Tal. Sie war an der Hose des Toten hinaufgeklettert, hatte an der metallenen Schnalle des Gürtels einen Augenblick lang inne gehalten und beschien nun voll das Gesicht des Menschen. Die weit offenen Augen standen nun voll im Licht und die Pupillen sahen gläsern aus. Als der Geier dies alles so deutlich sah, sprang er dem Toten auf die Brust und sagte: „Jetzt, jetzt...“ Das Gewicht des Vogels auf der Brust presste in einem schnarchenden Geräusch Luft aus den Lugen des Toten. Der Geier sagte:“ Es nützt nichts, Menschenkind. Schnarche, schreie, weine, es nützt alles nichts.“ Und er neigte den Kopf zur Seite, schaute ihm in die Augen und setzte hinzu: „ Dieser Mensch kann voll in die Sonne blicken“, In den Pupillen des Toten standen winzige Landschaften voll Beschaulichkeit und Ruhe. Darauf schien die Sonne. „Wagst du schon voll ins Licht zu blicken?“ In der Ferne Kanonendonner „Zu spät, Menschenskind, “ und er fraß ihn an.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 04.05.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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Atempause von Maike Opaska



Ein weit gereister Journalist schließt innerhalb weniger Stunden Freundschaft mit einem liebenswerten Naturkind. Die Nachricht von seiner lebensbedrohenden Krankheit treibt den engagierten Kriegsberichtserstatter in die Abgeschiedenheit, in die Einsamkeit, wo er allein mit seinem Schicksal fertig werden will.
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