Doris E. M. Bulenda

Die Umgangsformen in den 1980-er Jahren waren anders…

Es war in den 1980-er Jahren, ich arbeitete als Schichtleiterin in einer Setzerei. Damals war das Grafische Gewerbe noch eine ziemliche Männerdomäne, ich war die einzige weibliche Vorgesetzte weit und breit. Wobei ich damit eigentlich keine Schwierigkeiten hatte, jedenfalls nicht mit den Männern in meiner Schicht.

Aber es gab einen Abteilungsleiter einer anderen Abteilung, der dem klassischen Typ „kanadischer Holzfäller“ perfekt entsprach. Sowohl vom Aussehen her wie von der Statur – und auch die (kaum vorhandenen) Manieren waren die eines „Naturburschen“.
Eines Tages kam dieser „Holzfäller“ in meine Abteilung, wo wir alle friedlich arbeiteten. Er stellte sich in die Tür und fing das Brüllen in voller Lautstärke an. Warum er brüllte oder über welches Thema weiß ich nicht mehr – und es interessierte mich damals auch nicht. Ich sprang von meinem Schreibtisch auf, stellte mich vor ihn und brüllte so laut, dass ich ihn tatsächlich übertönte: „Brüllen Sie gefälligst, wo Sie wollen – aber nicht in meiner Abteilung. Und jetzt RAAAAUUUUSSS!“

Der Typ war so verblüfft, dass er tatsächlich ging. Alle Augen meiner Leute waren auf mich gerichtet, einer der Setzer murmelte: „Aber Frau B…“, dann wandten sich alle wieder ihrer Arbeit zu.

Wie die Sache weiterging, erfuhr ich von einem anderen Kollegen. Der „Holzfäller“ rannte schnurstracks ins Zimmer der Geschäftsleitung, wo er in eine kleine Besprechung platzte. Ohne sich um die anderen Anwesenden zu kümmern, legte er sofort los und beschwerte sich in den höchsten Tönen darüber, dass ich ihn gerade angeschrien hatte.

Der Geschäftsführer ließ ihn ausreden und als er endlich verstummte, musterte er ihn von Kopf bis Fuß. Also: 1,85 m Größe, gefühlte 200 kg, schwarzer Vollbart, riesige Pranken… Wieder und wieder ließ der Geschäftsführer seinen Blick über den „Holzfäller“ wandern. (Ich bin 1,63 m groß und wog damals 46 kg, das nur nebenbei…)

Dann endlich bemerkte der Geschäftsführer: „Soso, Frau B hat Sie angebrüllt? Na, dann wird sie schon einen Grund dafür gehabt haben!“ Der Holzfäller schaute sich verblüfft um und bemerkte das süffisante Grinsen auf den anderen Gesichtern. Er erkannte offensichtlich, was er da gerade getan hatte und zog wortlos ab.

Soweit so gut – und außerdem hatte ich ab diesem Tag keine Probleme mehr mit diesem Herren. Auch wenn er bei allen anderen weiterhin nicht wusste, was Manieren waren – zu mir war er seit diesem Tag respektvoll und höflich. Ich habe mich immer köstlich darüber amüsiert… Und gelernt, dass man bei manchen Leuten eben brüllen muss, damit sie einen wahrnehmen und akzeptieren.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 05.05.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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