Silwe Stoll

Nacht vom 9. bis 10. Juni, 2016

                 Nacht vom 9. zum 10. Juni, 2016

Gerade ausgestreckte Rückenlage, paralysiertes Träumen, seit einer Woche Kopfschmerzen mit Übelkeit.
Dann der Geist. Mein eigener, der innerlich zu toben anfing. Nichts mehr, das ich noch hätte nehmen können, und jede Dosis von irgend etwas hiervon - oder davon?   - vergriffen!
So schlief ich ein, der Tag war klar, kühl und wechselhaft gewesen, unverständliches Wetter brachte mich an den Rand.
Und dann der Traum, der keiner war, sondern das Durchdringen von einer Wahnsinns-Welt, durch die Membran der Haut aufgenommen - so konnte ich also doch etwas zu mir nehmen, da Nahrung und Medikamente nicht mehr gingen.
Der Schlaf war tief, fest und kurz.
Der Traum nun : fühlte sich äußerst real an.
Durch Straßen, musste draußen bleiben, suchte mir Erdbeer-Hütten oder Holzschuppen, die allesamt öffentlich verschlossen waren - ich durchdrang sie immer, ohne Gewalt, ohne List. Großstadt, meine eine Schwester las mich dort auf, nahm mich mit, nein, ließ mich zwischendurch zurück, war praktisch, erzählte von Terminen und Arbeit. Es wurde früher Morgen, wir mussten jetzt einfach schlafen, irgendwie wusste eine vom andern, dass das jetzt nur sehr schlecht ging.
So gingen die Menschen rastlos mal hierhin, mal dorthin, es war alles ganz geschäftig, eine Welt ohne Schlaf. Ich hatte auf einer Schlafstätte bei der Schwester etwas zur Ruhe gefunden, sie suchte meine Augenwinkel nach Tränen ab: sie waren aber trocken. Jedoch fürchtete ich trotzdem, ich könnte auf irgendeine Weise auslaufen.
Ich lief weiter, vorbei an Menschenmengen, hin zu einem Jazz-Happening, Klavier,, selbstgebaute Instrumente, sehr gut. Daraufhin wurde es plötzlich dunkel, denn nun hatte ich mich gesetzt. Plötzlich war es ein Riesen-Freiluft-Kino, für alle zu sehen. Ich ging innerlich stark mit, ein sehr dünnes Mädchen tanzte, wirbelte, sie war professionell und sie hatte Tanzröckchen an. Auf einer ( von mehreren) kurz zwischengeblendeten Sequenzen kam ich an einem Wohnblock an, doch anstatt ihn zu betreten, weil doch eine Nachbarin drin war, blieb ich lieber draußen - ich wollte raus! Doch die Nachbarin zeterte laut, sie lallte laut aus ihrem Fenster, aber man sah sie nicht mehr, sie duckte sich.
Das Open-Air mittlerweile  war ein Kino für die Sinne geworden, mit einem Mal war ich auch in einer Art Umzieh-Künstler-Kabine. Und die Eine .. ich werde es nie wissen, , was tat der andere ??? Das Kino war in vollem Gang, wir wurden mit einbezogen, ich sagte schon, in die Umkleide -
Vor allem waren jetzt die Sinne gefragt: wir schunkelten, betraten das Geschehen, wirkten an der Handlung mit, und sei sie noch so trivial und alltäglich.
Ich ging mit einer Fra und, einem jungen Dunkelhäutigen, nein, es war doch ein Heller. Wir sahen zwei Männer unter der Dusche, einer musste spielen, als wenn er, naja, alsio irgendwie Schwule. Auch ich bekam mein Fett weg: Als ich mit einer Frau mit ging, meinte ich, sie küssen, berühren zu müssen, ich verstand sie so. Aber es war falsch, und ich musste gehen, was ich ohne Weiteres tat.
Wieder ein neuer Gang mit einem jungen Mann, übrigens waren alle in dieser Sequenz sehr mager. Ich beschrieb ein Bild ("mit grünen Flecken, Rasen"), ich hörte elektronisch synthetisiertes Herzklopfen, sah, SAH das Klopfen.
Wir gingen durch Sand, weiß wie Schnee, es war Eischaum. Man saß in einem komplizierten Gerüst, manche waren zuerst dran, sich irgendwie wegzubewegen, man wartete in Reihen.
Ich lief weiter, es waren Ausschnitte, ich erkannte Hannover, Glocksee,, und einen Bus, der wendete.
Das Kino ruckelte, nun wurden Dämpfe abgegeben, man lachte breit, manche liefen hinaus, ich, wir wollten das nicht einatmen. Ich biss auf unessbares Essen, es waren Augen,
ich wachte auf. Es knallte draußen, wie Schüsse, erst einmal - Sehr Laut! - dann lange Pause, ein zweites Mal, eine Pause, lang geführt, wieder Schuss. Ich hatte solche Angst!
Ich lag paralysiert auf dem Rücken, die Hände fanden zueinander, ich betete das Vaterunser. Ich sah meine Schatten an der Wand - alles da, Kopf, Rumpf ... mit etwas Glück wird der Tod nicht eintreten, nicht jetzt, nicht so grausam wie gedacht.
Die Luft auf dem Balkon war kühl, ruhig. Es regnete nicht.



 

es scheint unfassbar, aber ich habe es wirklich geschafft, in Windeseile diesen Traum - ich möchte ihn beinahe Lebenstraum, Welttraum oder so - nennen. Entsprechend schwer fällt mir heute, die inneren Erlebnisse dieses Tages / dieser Tage zu rekonstruieren; was da mit meinem Hirn, in mir los gewesen ist. Ich bin einfach wahnsinnig erfurchtsvoll, was der Schlaf, das Traümen vermag, und ich, tja, bin fast auch ein wenig dankbar, dass sich dass alles so "zugetragen" hat, in mir.
Da ist etwas mehr, mehr als alles, was wir und unsere Wissenschaft ergründet. Wir Menschen sollten es stets als etwas Kostbares betrachten, unser Denken, Fühlen, TRÄUMEN.
Silwe Stoll, Anmerkung zur Geschichte

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 06.05.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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