Erna Maria Viehhauser

Ein ruhiger Arbeitstag sieht anders aus

Als der Wecker klingelt steht Sabine sofort auf. Heute ist ein
wichtiger Tag, der Chef hat gestern sehr deutlich klargemacht, wenn
unsere Firma, die DI Haldener und Partner den Zuschlag für das wichtigste
und größte Bauvorhaben der Stadt erhält, gibt es für alle viel Arbeit, jedoch auch
eine ordentliche Gehaltserhöhung, und nach Bauende eine Prämie.
DI Haldener hatte nur einen Partner, einen Juniorpartner, und das war
Mag. DI Sabine Bernardi seit auf den Tag genau sechs Monaten, so war dieser Tag
auch sehr wichtig für ihre berufliche Zukunft.
Sie stellt die Kaffeemaschine an und geht ins Bad. Na toll, es gibt wieder
einmal nur kaltes Wasser! Gut dass sie die Haare gestern gewaschen hat.
Duschen geht auch kalt, ist zwar nicht so angenehm, aber man wird
wenigstens munter. Dezent geschminkt, zum schwarzen Kostüm eine
hellblaue Seidenbluse und die schicken neuen Schuhe, schnell ein
paar Schlucke Kaffee im Stehen und los zum Bus, der ihr vor der Nase
davonfährt. Also retour zum Auto, genervt findet sie endlich in der Nähe
der Arbeitsstelle eine freie Parklücke und wird beim Aussteigen wütend
angehupt. Ein Mann ruft aus seinem offenen Autofenster "da wollte ich
gerade einparken, Sie haben mich geschnitten, so ein unhöfliches
Benehmen!" Sabine schnellt herum "na bravo, da Sie anscheinend zu faul
sind sich selber einen Parkplatz zu suchen, blaffen Sie lieber mich an und
glauben ich fahre vor lauter Angst sofort weg, schönen Tag noch Mister Macho,"
und sie geht mit hoch erhobenem Kopf an ihm vorbei Richtung Firma. Die nächsten
Stunden vergehen wie im Flug, es herrscht viel Hektik, der Chef ist beim
Vergabeamt der Stadt und braucht alle paar Minuten eine sofortige
Auskunft über dies und das. Am frühen Nachmittag schließlich erscheint
er mit einem lauten "hallo Leute hört genau zu, wir haben den Auftrag, und
ich habe unseren Ansprechpartner von der Stadtverwaltung, Herrn
Diplomingenieur Klering mitgebracht damit er sich ein Bild von unserer
Firma machen kann." Nacheinander werden alle vorgestellt, als Sabine an
der Reihe war wäre sie am liebsten im Erdboden versunken, vor ihr stand
der Mann vom Parkplatz. Den sie faul und Macho genannt hatte! Na das kann ja
heiter werden! Da meint der doch lächelnd "freut mich außerordentlich, sie kennen
zu lernen Frau Magistra, auf gute Zusammenarbeit." Sabine nahm die ihr
entgegengestreckte Hand, "Herr DI Klering, das mit der Freude werden wir
noch herausfinden! Ich fahre normalerweise mit dem Bus oder dem Fahrrad,
ausser der Bus fährt überpünktlich ab. Bei einem Stadtbus der täglich
Tausende Berufstätige befördert sollte das nicht passieren! Bei dem geplanten
Projekt muss unbedingt darauf geachtet werden dass genügend Parkplätze
vorhanden sind, allein schon um möglichen Rüpeleien vorzubeugen.
Also auf gute Zusammenarbeit!"
Mein Chef sieht ich erstaunt an "Sabine..." wird aber sofort von DI Klering
unterbrochen "Lassen Sie nur, wir hatten heute morgen ein Erlebnis von
besonderer Art, ich möchte sagen man hat mich vom hohen Roß geholt, das
war wahrlich nötig, man wird schnell übermütig. Keine Sorge, die
Zusammenarbeit wird sicher spannend werden, aber auch gut klappen."
Nach Sekt und Sushi wird der Herr DI verabschiedet und es gibt noch jede
Menge zu tun.
Sabine stöhnt, ihre Füße halten die neuen schicken Schuhe nicht mehr aus.
Kurzerhand werden sie unter dem Schreibtisch verstaut, ist das ein gutes Gefühl!
Sie streckt die Beine und autsch! Was sticht da in ihren großen Zeh? Es tut Furchtbar
weh! Durch ihr Stöhnen alarmiert kommt die im Nebenzimmer sitzende Sekretärin
Katharina hereingestürmt "Sabine gehts dir nicht gut? Kann ich irgendwie helfen?"
"Heute ist ein Tag wo alles schiefgeht, am Morgen eine kalte Dusche, dann ein
Typ der mich anpfaucht seinen Parkplatz zu stehlen, ich nenne ihn Faul und Mister
Macho, der stellt sich dann als DI Klering heraus, und letztendlich will ich nur
meine schmerzenden Füße von den neuen Schuhen kurz befreien, da sticht mir ein
Irgendwas in den Zeh, das tut furchtbar weh. Kannst du schauen was das ist bitte?"
Katharina hebt Sabines Fuß hoch, legt ihn gleich wieder ab, rennt hinaus und ist sofort
mit Desinfektionsmittel und Pflaster wieder zur Stelle. "Du hast eine Stecknadel
in deinem großen Zeh! Ich zieh die jetzt heraus und geb ein Pflaster drauf. Der Zeh
ist ja ordentlich angeschwollen. In den Schuh kommst du sicher nicht mehr
hinein."
"Eine waaas steckt in meinem Zeh? Wo Kommt die Stecknadel denn her?"
"Richtig eine Stecknadel, woher weiss ich nicht, und jetzt halt endlich still,es wird gleich weniger wehtun" antwortet Katharina und macht sich an den Zeh. Das Pflaster klebt erst halb, da fragt eine zynische Stimme "haben die Damen so wenig Arbeit dass sie sich mit einer Pediküre die Zeit vertreiben müssen?" Mit finsterer Miene stand der Chef in der Tür.
Sabine endgültig frustriert von diesem nervtötenden Tag reagiert ohne Nachdenken
"ich habe mir eine Stecknadel in meinen großen Zeh gestochen, ich meine eingetreten, ach ich weiss nicht wie die da reinkam, verdammt! Katharina hat sie rausgezogen, mich desinfiziert, den Zeh meine ich, und ein Pflaster draufgegeben. Von wegen Pediküre!
Vielen Dank für ihr Mitgefühl!" Chef DI Haldener sieht Sabine konsterniert an, äußert in
Chefmanier "Sie gehen jetzt nach Hause oder zum Arzt, auf jeden Fall sorgen Sie dafür dass Sie morgen wieder fit sind, wir haben in nächster Zeit genug Arbeit."
Sabine wird langsam wütend, immerhin hat sie heute genug gearbeitet, so eine
gefühlsarme Ansage, es reicht, genug für heute, genug für lange, genug für immer wenn es
so weitergeht denkt sie, das ist ein krankmachendes Arbeitsklima. "Sehr geehrte Herr Chef,
ich fahre auf Firmenkosten mit einem Taxi nach Hause, Sie werden nicht verantworten
wollen dass ich ohne Schuh mit dem Bus fahre oder? Ob ich morgen schon wieder in einen
Schuh reinkomme kann ich heute nicht beurteilen! Übrigens hat Ihr gesamtes Team den
heutigen Tag über verdammt viel gearbeitet und hätte ein Lob mehr als verdient. Den
Zuschlag der Stadt haben Sie auch uns zu verdanken, Sie haben, das wage ich als Ihre,
möglicherweise nicht mehr lange, Juniorpartnerin zu sagen, ein tolles sehr loyales Team,
das alles für die Firma tun würde. Nicht ganz umsonst habe ich Herrn DI Klering Mister
Macho genannt und der freut sich trotz dieser Titulierung auf die Zusammenarbeit! Ich
fahre jetzt wie gesagt auf Firmenkosten mit dem Taxi, aber nicht sofort nach Hause,
sondern mit Katharina und dem gesamten Team, übrigens auch auf Firmenkosten zum
Griechen, das macht Sinn, gut essen, gute Musik, tanzen, Sirtaki geht auch ohne Schuhe,
und Ihnen wünsche ich einen schönen Abend Chef, komm Katharina ich habe genug
diesem Affentheater! Mach bitte folgende Durchsage: An alle Mitarbeiter: Zur Feier
für unseren gemeinsamen Erfolg treffen wir uns um achtzehn Uhr beim Griechen und
der Chef freut sich auf zahlreiches Kommen!" Katharina blickt zwischen Sabine und
dem finster aussehenden Chef hin und her, weiss nicht wie sie reagieren soll. Sabine
nimmt energisch das Mikrofon in die Hand und startet die Durchsage: "Durchsage des
Chefs, wir haben heute einen sehr großen Erfolg zu feiern, also werden alle Mitarbeiter
aufgefordert ihre Arbeit sofort zu beenden zum Griechen zum Feiern zu kommen. Keine
Gedanken an Über-oder Minusstunden verschwenden, Überstunden macht ihr wie ihr
wollt beim feiern! Minusstunden kann es mit Chefeinladung nicht geben! Es wird unser
Teamgeist gefordert sein beim Sirtaki >Kalimera<"
Der Chef hat einen hochroten Kopf als Sabine endlich das Mikro loslässt, er schreit
"was glauben Sie eigentlich wer Sie sind? Das rechtfertigt das ich Sie aus der
Partnerschaft entlasse, es war den Versuch nicht wert! Gehen Sie feiern so
viel Sie wollen, ohne meine Anwesenheit wohlgemerkt! Ich lade niemanden
ein, warum auch? "
"Müssen Sie auch nicht, ich mach das ja, und noch bin ich Juniorpartner, der
mit dem der Herr DI Klering sich auf die Zusammenarbeit freut! So sehr dass
er auch mit dabei bei unserer Feier. Und einen Sirtaki werde ich exakt wegen
dieses für die Firma erfreulichen aber die Belegschaft scheußlichen Tages
auf jeden Fall mit ihm auch ohne Schuhe riskieren!"konnte sich Sabine nicht
verkneifen. Sie bestellt zehn Grossraumtaxis aufs Firme engelände
und geschlossen fährt die Belegschaft ins Griechenrestaurant
wo sofort eine fröhliche Atmosphäre herrscht, die Apperitife
tragen dazu bei, alle so richtig zu lockern und eine herzliche
ungezwungene Stimmung zu schaffen. Der Chef steht
irgendwann unter uns, einigermassen orientierunglos,
bei der aufgeheizten Atmosphäre ist es jedoch leicht
ihn einfach mitzureißen. Es ist eine Bombenstimmung
alle freuen sich über den Erfolg der Firma, jeder ist stolz
dafür zu arbeiten, gegen Mitternacht teilt die gesamte
Belegschaft dem Chef mit dass sein Juniorpartner
einsame Spitze ist, wenn die geht gehen alle mit.
Der Chef meint Lebenserfahrung gehört auch zum
Erfolg und daran hat seine Juniorpartnerin noch viel
zu arbeiten und.....ab da hat der Chef viel zu arbeiten
und zwar am Sirtaki! Ungefähr um zwei oder vier
herum hat dieser unglaubliche Tag endlich ein
unglaublich entspanntes, fröhliches, stressfreies Ende.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 09.05.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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