Hans Fritz

Waldmusik

Der Wald ist uns vertraut als Erholungsraum mit Spielplätzen, Vitaparcours, Lehrpfaden und gepflegten, schnurgeraden Wanderwegen. Die Lebensgemeinschaft Wald spiegelt ein vielfältiges Walten der Natur, als ein Ökosystem, das besonders in neuerer Zeit in seinem Bestand stark von Umweltschäden beeinträchtigt wird.

Seit eh und je ist der Wald beliebter Gegenstand der Dichtkunst und der Musik, vor allem auch des Volks- und Wanderlieds. Darin kommt auf unterschiedliche Weise eine gefühlte befreiende Waldeslust zur Geltung.

Die Ruhe des Waldes und die Stille der Nacht hat Goethe in Wanderers Nachtlied verherrlicht: Über allen Gipfeln ist Ruh… , das mehrfach vertont wurde. Waldesruhe ist der Titel einer A. Dvoráks Klavierzyklus Aus dem Böhmerwald entnommenen, orchestrierten Komposition.

Eichendorff beschreibt den Abschied aus dem heimatlichen Lubowitzer Wald: O Täler weit, o Höhen/ o schöner grüner Wald … Und in Jägers Abschied: Wer hat dich, du schöner Wald, aufgebaut so hoch da droben …, beide vertont von Mendelssohn-Bartholdy. Hoffmann von Fallersleben schrieb den Text zur Volksweise: Im Walde möchte ich leben zur heissen Sommerzeit. Vom gleichen Dichter stammt das kindliche „Rätsellied“ Ein Männlein steht im Walde …, wobei sich das Vorkommen der Hagebutte, um die es schliesslich handeln soll, eigentlich mehr auf den Waldrand beschränkt.

Grosse Volkstümlichkeit haben Lieder wie Die Post im Walde, vertont von Heinrich Schäffer, und die Waldeinsamkeit von Max Reger (aus Schlichte Weisen) erlangt. Robert Schumann komponierte die Waldszenen, einen Zyklus aus neun Klavierstücken.

Die dritte Sinfonie von Joachim Raff trägt den Titel Im Walde. In F-Dur, einer für Pastoralen (Bach, Beethoven u.a.) bevorzugte Tonart.

Engelbert Humperdinck schuf die im zauberhaften Wald spielende Märchenoper Hänsel und Gretel.

In Richard Wagners Opernzyklus Der Ring des Nibelungen dient im Siegfried hauptsächlich der Wald als Kulisse. Eine Verklärung des Waldes als zeitlose Idylle finden wir auch im Parsifal.

Der Hain, eigentlich ein kleiner Wald, wird oft romantisch verklärt. Musikalisch in einer der lyrischsten aller Arien der Opernwelt: Horch, die Lerche singt im Hain aus Die Lustigen Weiber von Windsor von Otto Nicolai. Das Werk endet mit einer Maskerade im Wald, wobei ein wilder Jäger und Elfen um die Wette spuken.

Damit haben wir den Übergang zum Mysteriösen, Unheimlichen vollzogen.

Goethes Ballade Erlkönig wurde mindestens dreimal vertont, und zwar von Franz Schubert, Carl Löwe und Johann Friedrich Reichardt.

Rübezahl, der Berggeist des Riesengebirges, wird opernmässig behandelt: Rübezahl (Friedrich von Flotow, 1853), Rübezahl und der Sackpfeifer von Neisse (Hans Sommer, 1904).

Sibelius schuf die Tondichtung Die Waldnymphe, worin Zwerge und Kobolde herumwuseln. Franz Liszt komponierte ausser dem berühmten Waldesrauschen einen Gnomenreigen.

Eng mit einer Waldromantik verbunden ist seit alters die Jägerei, was in unzähligen Tonschöpfungen zum Ausdruck kommt.

Der wohl bekannteste Jägerchor im deutschsprachigen Raum ist der aus Webers Freischütz: Was gleicht wohl auf Erden … Auch in Silvana und Lortzings Wildschütz hat der Jägerchor seinen für die damalige Hohe Zeit der Romantischen Oper angemessenen Platz.

Es versteht sich fast von selbst, dass in den Orchesterwerken das Waldhorn, als vervollkommnetes Jagdhorn par excellence, die dominierende Rolle spielt.

Joseph Haydn wird eine besondere Vorliebe für die Jagd nachgesagt, was u.a. die Jagdsinfonie (Nr. 31), für die 4 Hörner vorgeschrieben sind, unterstreichen mag. Auch Leopold Mozart und Johann Friedrich Fasch schrieben Jagdsinfonien. Von W.A. Mozart ist eine Jagdsonate für Klavier überliefert. In Smetanas sinfonischer Dichtung Die Moldau wird sehr eindrucksvoll eine Waldjagd geschildert.

 

SCHLUSSAKKORD

Nach meiner Ansicht wird der Wald musikalisch nirgends so schön gewürdigt wie im Lied von den Wäldern, komponiert von Dimitri Schostakowitsch (op. 81, 1949). Entsprechend einem Oratorium ist das Werk für Soli, Chor und Orchester eingerichtet. Zur Zeit der Herrschaft Stalins soll die Komposition als eine Art von Propaganda-Kantate aufgefasst worden sein. Der Text von J. Dolmatowski mag dem in gewisser Weise gerecht werden. Im 4. Satz pflanzen Junge Pioniere Bäume, ein symbolischer Akt für den Wiederaufbau nach dem Krieg. Auf jeden Fall ist Aufforstung, wo immer sie geschieht, ein lobenswertes Tun.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 11.05.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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