Klaus-Peter Behrens

Der Kater und sein Magier, 6

Wachhabender Gardist Kloppdenstock. Ich erbitte die Erlaubnis, eintreten zu dürfen“, tönte es energisch von der anderen Seite.

„Warum?“, brachte ich krächzend hervor.

Fürst Ignaz der Prächtige wünscht Eure Anwesenheit als Hofzauberer in einer dringenden Angelegenheit.“

„Da wird er ‘ne Weile warten müssen“, kommentierte der Kater mit einem bezeichnenden Blick zur Raummitte, wo zwischenzeitlich das Loch dem Meister nachgeeifert hatte und verschwunden war. Dafür ging die Tür auf, und ein misstrauischer, ohnehin stets übellauniger Kloppdenstock betrat den Raum und blieb verblüfft stehen.

Ein Dämon“, entfuhr es ihm ungläubig.

„Kater“, korrigierte Mikesch ungnädig. „Du darfst mich anbeten.“

„Wo ist der Meister?“, fragte Kloppdenstock, der nicht geneigt war, einer neuen Religion zu frönen. Nervös befummelte er den fleckigen Knauf seines rostigen Schwertes.

„Denk nicht mal drüber nach, Kumpel“, mahnte der Kater, wobei er demonstrativ seine Pfote betrachtete. Bisher war es meiner Aufmerksamkeit völlig entgangen, welche mörderischen Krallen sich unter dem samtweichen Pelz verbargen.

„Er ist gerade mal außer Haus“, beantwortete ich lahm die Frage des Gardisten und schob mich vorsorglich zwischen die beiden Kontrahenten, indes ich verlauten ließ, daß der Meister den Kater gebeten habe, in der Zwischenzeit auf seine Sachen acht zu geben. Dabei deutete ich mit dem Daumen auf meine neue Bekanntschaft.

„Leider hat er vergessen, mir mitzuteilen, wo das Futter steht“, ergänzte Mikesch. „Also trab an. Die kleinen Schlemmerdosen aus der Werbung genügen fürs erste.“ Erwartungsvoll sah der Kater den Gardisten an, der jedoch keine Anstalten machte, sich auf die Suche nach dem begehrten Dosenfutter zu machen. Das Personal im Heim des Katers schien besser zu funktionieren. Ich beschloss, das Gespräch in andere Bahnen zu lenken, bevor der Kater sich eine zweibeinige Alternative für das Dosenfutter suchen würde.

„Der Fürst wird sich wohl noch ein wenig in Geduld üben müssen“, brachte ich leichthin hervor, was eine noch größere Fassungslosigkeit auf das Gesicht Kloppdenstock’s zauberte als der ominöse Dosenwunsch.

Geduld? Der Fürst? Seine Tochter, die hochwohlgeborene Prinzessin Nobeline, ist verschwunden und das einen Mond vor der Hochzeit mit Prinz Vanadium dem Wagemutigen aus Protzland. Ich glaube, ihr solltet euch schleunigst bei ihm einfinden, falls ihr an euren Köpfen hängt.“

„Was haben wir mit dieser Nuckelbiene zu tun?“, murrte Mikesch.

„Nobeline!“, korrigierte Kloppdenstock gereizt. „Die Suche der Garde war erfolglos. Nun stützt sich die ganze Hoffnung des Fürsten auf die magische Unterstützung von Meister Schrecktvorgarnichtszurück. Und da er nicht da ist.....“ Er hob vielsagend die Augenbrauen.

„Naja, ich hatte ohnehin eine Beförderung ins Auge gefaßt“, seufzte ich und begab mich zur Tür, gefolgt von dem Kater.

„Hoffentlich hat wenigstens er ein paar Dosen zur Hand“, murrte er. „Am liebsten mag ich Thunfisch.“

 

- 5 -

Unter anderen Umständen wäre eine Einladung an den Hof des Fürsten sicherlich schmeichelhaft gewesen. Wenn man allerdings vor der unerfreulichen Aufgabe steht, mitteilen zu müssen, daß man den letzten Hoffnungsträger des Reiches womöglich für unabsehbare Zeit nach Nimmerwiedersehen katapultiert hat, hält sich die Begeisterung in Grenzen. Das brachte mir wieder in Erinnerung, was ich den Kater fragen wollte, der mit einer beneidenswerten Anmut neben mir die Treppen des Turms hinunter glitt.

„Wenn du den Platz des Meisters eingenommen hast, wo ist dann der Meister gelandet?“, flüsterte ich, damit der voranschreitende Kloppdenstock nichts mitbekam.

„Vermutlich in meinem Körbchen. Ich hoffe, er ist stubenrein, sonst bekommt er ernsthafte Probleme mit meiner Dosenöffnerin. Sie ist nämlich bei der Polente und hat immer ‘ne Wumme im Haus“, erklärte der Kater, spreizte die Schnurrhaare und grinste dabei auf eine beunruhigende Art und Weise, die darauf schließen ließ, daß der Meister gerade eine schwere Zeit durchmachte. Während ich noch überlegte, wie der Dank des Meisters angesichts dieser höchst unerfreulichen Erfahrung wohl ausfallen würde, sollte er jemals wieder auftauchen, hatte der Kater den mürrischen Kloppdenstock ins Visier genommen.

„Hey, Zockdenmopp, können wir nicht ‘n Umweg über die Küche machen? Es ist an der Zeit für ‘ne Kühlschrankinspektion.“

„Bloß das nicht“, bremste ich den Kater. Der Gedanke, wie meine Erzfeindin wohl reagieren würde, wenn ich ihr einen vorlauten, verfressenen Kater in die Küche schleppte, ließ mich blass werden. Außerdem gab es da noch das Problem mit dem Topf...

„Du scheinst ja ‘ne angesehene Position zu haben“, stichelte Mikesch, worauf ich spürte, wie mir das Blut ins Gesicht schoss. So würdevoll wie möglich ignorierte ich den feixenden Kater, während wir Seite an Seite dem Gardisten über den Burghof folgten. Das grobe Kopfsteinpflaster unter den dünnen Ledersohlen meiner Schuhe fühlte sich angenehm warm an. Hier und da wuchs vereinzelt Löwenzahn zwischen den halbrunden Steinen, der ein paar herum taumelnden Schmetterlingen als Nahrungsquelle diente. Das Leben könnte so schön sein….

„Nett habt ihr’s hier. Geht doch nichts über eine heimelige Steinbruchatmosphäre“, holte mich der Kater auf den Boden der Tatsachen zurück. Ich wurde bei dieser sarkastischen Bemerkung schon wieder rot, mußte aber insgeheim zugeben, daß der Kater Recht hatte. Finsterburg war nicht gebaut worden, um das Auge des Betrachters zu erfreuen, sondern um darin zu leben und um unternehmungslustigen Raubrittern schon beim Anblick der trostlosen Mauern den Wind aus den Segeln zu nehmen. Es gab weder sich in den Himmel hebende, kühn geschwungene Minarette, noch elfenbein farbene Zinnen, geschweige denn zauberhafte Märchentürme oder anmutig verzierte Palastmauern, die auf Reichtum schließen ließen. Noch nicht einmal farbenfrohe Fahnen waren vorhanden. Das Ganze wirkte eher so, als habe ein riesiges Kind lustlos mit in die Jahre gekommenen Bauklötzen gespielt, und dabei war zufällig Finsterburg herausgekommen. Ein Aushängeschild für Heruntergekommenheit und Geldknappheit um das jeder Raubritter, der etwas auf sich hielt, einen Bogen machen würde. Stolz konnte ich auf meine Wohnstatt wahrlich nicht sein. Meine Verlegenheit war dem Kater natürlich nicht entgangen.

„Da laust mich der Affe. Du bist ja rot wie ‘n Pavianhintern“, stellte er amüsiert fest. Ich ignorierte das feixende Pelzgesicht und konzentrierte mich stattdessen auf unser Ziel, das Portal des Fürstensitzes, das leider auch alles andere als eine Augenweide war. Ich mußte zugeben, daß die Heirat zwischen Nobeline und dem angelich dämlichen, wenn auch vermögenden Prinz Vanadium, dem Wagemutigen der finanziellen Situation unseres bankrotten Fürstentums sicherlich nicht schaden würde. Wagemutig war er in der Tat, wenn er hier einheiraten wollte.

Mit einem unguten Gefühl beobachtete ich Kloppdenstock, der entschlossen die Torflügel öffnete. Die rostigen Türangeln quietschten protestierend, während die Torflügel langsam aufschwangen. Eine innere Stimme flüsterte mir bei diesem Anblick zu, daß der Ärger hinter diesen Torflügeln auf mich wartete wie ein hungriges Raubtier.

Apropos Raubtier. Mein Blick wanderte zu Mikesch, der mit um die Vorderpfoten gelegtem Schwanz auf seinen Hinterläufen saß und einen gelassenen Eindruck machte, um den ich ihn beneidete. So, wie ich den Kater einschätzte, machte er sich höchstens Sorgen darum, wann er etwas zu Fressen bekommen würde. Ich kam jedoch nicht dazu, diesen Gedanken zu vertiefen, denn in diesem Moment kündigte Kloppdenstock uns mit einer dröhnenden Stimme an, die mir durch Mark und Bein ging.

Der Lehrling von Meister Schrecktvorgarnichtszurück nebst Begleitung zur Audienz!“

Was der Kater dort anstellt...... nächsten Freitag erfahrt ihr es. Kommentare sind wie immer willkommen

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.05.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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