Christina Gerlach-Schweitzer

Was ein alter Wolf im Laufe seines Lebens lernte

Vor Jahren hatte man den mittlerweile alten Wolf, zum Richter gewählt. Er war sehr gerecht, waltete seines Amtes mit großer Sorgfalt und wurde bald berühmt, denn seit er Recht sprach, herrschte  Frieden unter den Tieren. Viele kamen von weit her, um sein Urteil zu hören, so dass er mit Arbeit überhäuft  war.

Seine Aufgabe aber war ihm über die vielen Jahre zur Bürde  geworden, zum ewigen Kampf. Mittlerweile wünschte er sich nichts sehnlicher, als sich zur Ruhe setzen zu können,  abends friedlich den Sonnenuntergang zu betrachten, durch  maigrüne Wälder zu streifen und den  würzigen Duft der Kieferbäume nach einem warmen Frühjahrsregen zu atmen. Doch die ständigen Streitereien unter den Tieren ließen das nicht zu. Noch auf  dem Totenlager musste er Recht sprechen über drei Haselnüsse um die sich zwei Siebenschläfer bis aufs Blut stritten. Nie war der alte Wolf selbst in den Genuss des Friedens gekommen, um dessentwillen er Recht sprach. Nie hatte er geglaubt, dass Frieden so viel Arbeit machen könnte.

Er wünschte sich, dass es seine Kinder einmal besser hätten als er. Er wünschte ihnen ein Leben in Ruhe und  Frieden. Leben eben. Die einzige Beruhigung im Leben des alten Wolfes war die, dass er die Welt ein klitzekleines bisschen friedlicher verlassen durfte, als sie war, bevor er kam. Aber ein bisschen Frieden ist für einen alten Wolf  eben zuwenig.

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