Patrick Rabe

Xavier Naidoo und die "freie" Presse

 

Liebe e-stories-Gemeinde. hier ein paar Gedankenanstöße zur gegenwärtigen Dauer-Hetze gegen Xavier Naidoo und der Diskussion um seinen Song "Marionetten".

16. Mai 2017

Liebe Familie XYZ,

 

Zutiefst merkwürdig angerührt stehe ich vor dem Medienspektakel um den angeblich rechten Xavier Naidoo. Und ich springe hier nicht auf hysterisch hochgepeitschten Quark auf. Mir geht es um etwas anderes. Nämlich um die Frage, wie frei und unanbhängig unsere Presse denn wirklich ist. Darüber laut nachzudenken, ist ein Minenfeld. Die wenigen Freunde, vor denen ich das getan habe, vermuten mich nun tendenziell in der rechtsdralligen Verschwörungstheoretiker-Ecke. Das sind Freunde, die mich teilweise seit 20 Jahren kennen. Ich staune. Meine Mutter bekam gar das besorgte "Oh, er ist wieder psychotisch-Gesicht" und fragte mich, ob ich nicht psychiatrische Hilfe in Anspruch nehmen wolle. Ähnlich merkwürdig gestaltete sich ein Anruf bei der Telefonseelsorge. Nachdem ich mein Thema genannt hatte, versuchte man, mich schnellstmöglich aus der Leitung zu schmeißen. Auch hier spürte ich Angst, Überforderung und das "Mit-der-Pinzette-Anfassen" eines gefährlichen Irren, der jederzeit durchs Telefon kommen könnte, um die Beraterin abzustechen. Mir wird derart seltsam begegnet, dass ich mich mittlerweile fühle wie in einem ganz miesen Science Fiction Film. Wahlweise vermittelt man mir, ich sei dumm, durchgeknallt, internetverrückt oder bereits total wahnhaft. Ich hingegen nehme alle diese Leute so wahr, als ob sie sich völlig inadäquat, teilweise sogar gehirngewaschen verhalten würden.

 

Desgleichen die ganze multimediale Diskussion um dieses Thema!!! Alleine, dass dieses banale, simple und plumpe (aber ganz sicher nicht antisemitische) Protestlied nun schon seit zwei Wochen durch die Medien geistert, befremdet mich total. Wir haben uns seinerzeit über die Unisono-Presse-Meinung zur Masernimpfung unterhalten. Ähnlich geht man mit dem Thema Elektrokrampftherapie in den Medien um (Elektroschockbehandlung). Es ist zwar nicht omnipräsent, aber immer, wenn ein Bericht darüber kommt, ist er positiv. (Dabei ist diese Methode grenzwertig gefährlich und in ihrer Wirkung unkalkulierbar!!!!) Immer wieder begegnet dem aufmerksamen Leser eine offenbar lobbygeseuerte Presse. Immer wieder tuten sämtliche Presseorgane ins selbe Horn. Frei? Unabhängig? Integer? Ich sage "Nein!" Für mich sind das mittlerweile alles dpa-Zombies. Wer wirklich hinter der dpa steckt, entzieht sich meiner Kenntnis. Und ich möchte deutlich sagen, dass ich mich linksliberal verorte. Ich bin kein AfD oder Pegida-Sympathisant!

 

Ich hänge hier den EINZIGEN Artikel an, den ich zu diesem Thema gefunden habe, der journalistisch ausgewogen und diskutierbar war.

(Der betreffende Artikel heißt "Medienhetze gegen Systemkritik" und wurde verfasst von Marcus Klöckner.)

 

Ich grusel mich.

 

Liebe, nachdenkliche Grüße,

 

Patrick


Bereits am 9. Mai schrieb ich auf Facebook:

 

So Leute: Xavier Naidoo ist Halbinder, spielt in einer Multikultiband, ist Christ - eine Religion, die auf dem Judentum aufbaut- aber ist natürlich rechts, Rassist und Antisemit! Ihr seid alle auf die - mit Verlaub- Lügenpresse reingefallen! Ich - zum Mitschreiben - bin linksliberal und zweifelnder Christ und habe nix gegen Juden. Bin auch kein großer Naidoo-Fan, aber die (multi-)mediale Schlachtung, die er gerade erfährt, ist leider bezeichnend für unsere offenbar mehrheitlich medien-gehirngewaschene Gesellschaft. Z.B. die munter immer wiedergekäute Behauptung, er habe vor Reichsbürgern gespielt, sei quasi selber einer. FAKT: Er spielte auf einer Demo, an der AUCH Reichsbürger beteiligt waren. Frühstücksfernsehen? Klar: Verschwörungstheorie. Eine von ca. 100, die Naidoo uns in seiner Karriere schon um die Ohren gehauen hat. Rechts? Sicher nicht. Höchstens reingefallen auf eine rechte Verschwörungstheorie. "Marionetten": Antisemitisch? Kann ich im reinen Text nicht feststellen. Die mehrheitlich gehörte Behauptung, "Marionettenspieler" sei ein "altbekannter, antisemitischer Kampfbegriff" und Naidoo meine damit das "Finanzweltjudentum".... Abenteuerlich! Ich habe mich mit dem 3.Reich als junger Mensch eingehend beschäftigt. Der Begriff "Marionettenspieler" wurde damals zwar verwendet, aber nicht so prominent, wie uns die Presse das jetzt weismachen will. Zudem hat dieser Begriff eine ellenlange Tradition von Marx über Büchner bis hin zu Plato. Wenn ich den reinen Text von "Marionetten" lese, deutet er für mich eher darauf, dass die Politiker Staffage der Wirtschaft sind. Schon mal über diese Deutungsmöglichkeit nachgedacht? Und überdies: Stellt das noch irgend Jemand in Frage? Glaubt jemand WIRKLICH noch, dass es in der deutschen Politik um echte Positionen und Werte geht? Na dann gut Nacht. Die Geschicke der Welt liegen politisch in den Händen ganz weniger. Und ich meine nicht die Illuminaten und Bilderberger. Ich meine Konzerne, die real existieren. Politiker haben keine reale Macht (mehr). Das ist keine Verschwörungstheorie, das ist fucking Realität. Und eine freie Presse haben wir auch nicht. Alles dpa-Zombies. Man fällt leider auf den immer wieder gut ziehenden Mix aus political correctness, intellektuellem Schmus (was nicht gleichbedeutend mit Intelligenz ist!) und gut verketteten "Beweisketten" rein. Und wer mich jetzt in die Pegida-Ecke stellen will, dem empfehle ich nochmals, weiter oben nachzulesen, dass ich linksliberal bin. Mir ist hier etwas der Kragen geplatzt. Aber diese hochgepitchte Naidoo-Scheiße regt mich einfach nur noch auf. Haben wir denn sonst keine Probleme?



© by Patrick Rabe

16. Mai 2017.

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.05.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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