Tobi Prel

Die Geschichte von Ihr und Ihm

Da war es wieder, das Gefühl des Unbehagens, die innere Unruhe. Immer wenn sie sich trafen, immer wenn sie telefoniert hatten, war Er komplett erschöpft und ausgelaugt.

Beide kannten sich schon eine sehr lange Zeit. Beide hatten kaum etwas gemeinsam und trafen nur zufällig auf einander. In Phasen ihres Lebens, die trubolös und ungewiss waren.

Sie wusste, sie konnte sich an Ihn wenden und ihm alles berichten, was Ihr zu schaffen machte und Er fand bei Ihr immer einen guten Rat, den er vorher nicht erkennen konnte.

Durch Ihn bekam ihr geordnetes Alltagsbild ein wenig Farbe. Er konnte bei Ihr sein Chaos sortieren. Sie teilten Momente aus ihren Leben und plötzlich klebten sie an einander.

Doch eines Tages war es da, dieses Gefühl der Unruhe.

Es war da als Sie Ihm erzählte, dass sie schwanger sei. Es war da als Sie Ihm erzählte, dass zweite Mal schwanger zu sein. Es war auch da als Sie Ihm erzählte, dass sie heiraten werde. Die Unruhe wurde Schritt für Schritt immer stärker, immer intensiver und nagte an seinen Gedanken.

Er ist nicht für Sie verantwortlich, sagte Er sich wieder und wieder. Denn das war es nicht, was zwischen ihnen ist, was ihre Bande ausmachte. Beide waren sich einig gewesen, es war etwas Anderes, etwas Besonderes. Sie gehörten nicht zueinander, aber sie gehörten zusammen. Und diese Verbindung wollten sie bewahren. 

Aber mehr und mehr hatte Er Angst um Sie. Ihre Entscheidungen konnte er nicht mehr nachvollziehen. Was Sie tat war falsch, würde sie irgendwann unglücklich machen und bereuen. Aber Er sah auch Sie, die ihren Weg ging, ihren eigenen Vorstellungen folgend, wie sie es immer tat und das war es, was Er am meisten an Ihr bewundert.  

Doch auch dass Unbehagen in ihm, die innere Unruhe verließ Ihn nicht. Irgendwann würde es ihn zerstören, das wusste er genau.

Also betäubte Er sich, suchte den Abstand in Alkohol, Nikotin und THC. Fand hübsche Gesichtern und bekam alles, was die Nacht ihm bieten konnte. Versuche Sie zu ignorieren, Versuche Sie zu vergessen. Wie oft hatte Er abends am Hafen gesessen, still in die Endlosigkeit geschrien und doch keine Antworten erhalten.

Es war sein Weg, der einzige Weg die innere Unruhe zu bekämpfen. Denn er war stärker als das Gefühl und warf ihm alles entgegen, was er konnte. Doch morgens, wenn sein Verstand wieder erklarte und von seinem Bett aus Fragezeichen an die Decke zeichnete, kamen ihm all die Dinge in den Sinn, die sie beide geteilt hatten und brachten ihn zum schmunzeln. Auch nach Wochen, selbst nach Monaten ohne Kontakt sehnte Er sich danach, zu wissen wie es Ihr geht.

Es würde ihn niemals verlassen, das Gefühl der Unruhe, so leer er innerlich auch wurde.

Aber da war etwas, das ihn weit mehr sorgte. Sie und Er würden sich weiter von einander entfernen, in unterschiedliche Richtungen auseinander driften, bis beide irgendwann nichts mehr hätten, das sie verbindet. Nur noch das, was einmal war und nicht das, was gerade ist. Als würden sie zu Schatten ihrer Vergangenheit.

Doch schließlich zog Sie fort, außerhalb seiner Reichweite und bot Ihm ohne es zu wissen die Chance für den endgültigen Abstand. Er war erleichter, jedoch nicht ohne sich zuvor tränenreich zu verabschieden. Ihr Leid war seins und seine Freude ihre, sie mochten sich sehr, konnten alles teilen, sie klebten aneinander. Das war es, was diese Sache zwischen ihnen so besonders, so einzigartig, aber niemals einfach machte. Das war es, nicht mehr und nicht weniger.

Er spürte sie wieder, die innere Unruhe. Lange Zeit war das Gefühl verschwunden gewesen, doch nun traf es Ihn so stark wie eh und je. Da war es wieder, das Gefühl des Unbehagens als Er seine Krawatte richtete und die Tür der Kirche öffnete.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.05.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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