Irene Beddies

Igi

„Wo steckt Berta so spät noch?
Greta ist in Sorge um ihre kleine Tochter.

„Sie war vorhin in der Küche und hat eine Schüssel mit Müsli gefüllt“, meint Mira.
„Aber wohin ist sie damit gegangen? In ihrem Zimmer ist sie nicht, auch nicht im Bad. Sie muss doch jetzt insBett!“
Mutter, Paolo und Mira machen sich auf die Suche. Manchmal heckt Berta einen Schabernack aus und versteckt
sich.

Die Drei suchen in jedem Winkel, selbst im Keller, in den Berta nicht gerne geht, denn dort ist sie einmal in ein Spinnennetz gelaufen. Sie rufen überall, bekommen aber keine Antwort.
„Kann es sein, dass Berta noch im Garten ist?“, fragt Paolo.
„Um diese Zeit und im Dunkeln?“, wundert sich Greta.
„Berta hat immer die verrücktesten Ideen…“, meint Mira.

Mutter macht sich auf die Suche. Nicht weit von der Haustür entfernt erkennt sie das Kind. Es sitzt auf dem Rasen
und murmelt unverständliche Worte vor sich hin.

„Kind was machst du hier im Dunkeln?“ Berta schaut hoch und legt den Zeigefinger auf den Mund. Da entdeckt
Greta eine weiße Schüssel auf dem Gras und einen dunklen Haufen daneben.
„Was soll das?“ fragt sie flüsternd.

„Komm nicht näher, dann hat er Angst“, flüstert Berta zurück.
„Wer denn?“

„Mein neuer Freund Igi. Er hat sich noch nicht richtig an mich gewöhnt, aber er ist ganz lieb. Ich durfte ihn schon
vorsichtig anfassen.“

„Igi? Ist das ein Igel?“
„Ja Mama, er kommt schon mehrere Tage in den Garten und ich füttere ihn mit Müsli. Das mag er sehr gerne.“
Greta schaut sich den Igel aus der Nähe an. Er zeigt keine Scheu. Sie entdeckt, dass er eine verletzte Pfote hat,
die aber schon verheilt ist. Daher die Nähe zum Haus.

„Weißt du, Berta, Müsli ist nicht das richtige Futter, da ist doch Zucker drin. Davon bekommt dein Freund Durchfall.
Das willst du doch nicht, oder?“

„Aber was kann er denn dann  fressen, Mama?“
„Wir werden morgen Hundefutter und Vogelfutter kaufen, davon darf er dann jeden Abend ein kleines Schüsselchen haben. Außerdem braucht er auch ein Schälchen mit Wasser.“
„Keine Milch?“
„Nein, die verträgt ein Igel nicht, wenn er ausgewachsen ist. Nun sag Gute Nacht zu Igi. Du musst jetzt ins Bett. Morgen sehen wir weiter.“

Müde schleicht Berta hinter ihrer Mutter her und ist dann schnell im Bett.
„Träum schön von Igi.“

„Der arme. . . hat kein Bett. . .“ murmelt Berta schon im Halbschlaf.„Dem machen wir morgen eine gemütlich Ecke unter der hinteren Hecke“, verspricht Greta. Aber das hört Berta schon nicht mehr.


© I. Beddies


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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 23.05.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Buch von Irene Beddies:

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In Krollebolles Reich: Märchen von Irene Beddies



Irene Beddies hat in diesem Band ihre Märchen für Jugendliche und Erwachsene zusammengestellt.
Vom Drachen Alka lesen wir, von Feen, Prinzen und Prinzessinnen, von kleinen Wesen, aber auch von Dummlingen und ganz gewöhnlichen Menschen, denen ein wunderlicher Umstand zustößt.
In fernen Ländern begegnen dem Leser Paschas und Maharadschas. Ein Rabe wird sogar zum Rockstar.
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