Klaus-Peter Behrens

Der Kater und sein Magier, 8

„Das wirft die Frage auf, warum sie verschwunden ist?“, brachte sich Nichtsnutz ins Gespräch. In seinen öligen Haaren spiegelte sich das wenige Sonnenlicht, das den harten Weg durch die von Motten zerfressenden Vorhänge auf der Westseite des Thronsaales geschafft hatte, in dem nur ein paar trübe Kerzen vor sich hin blakten. Ignaz liebte es schummrig. Wenn ich mir seine Gemahlin so ansah, konnte ich gut nachvollziehen, warum.

„Tja, Schnullerbacke, das ist eine intelligente Frage für eine so unterbelichtete Gestalt wie dich“, lobte der Kater den Berater. „Was ist denn Prinz Valium, der Wankelmütige für ein Typ?“, wandte er sich an Ignaz.

„Ein echter Kerl. Er meuchelt alles nieder, was sich erdreistet, sich ihm in den Weg zu stellen; vorzugsweise mit den bloßen Händen. Feiner Junge. Er kann stundenlang Jagdgeschichten erzählen, ein Weinfaß allein austrinken, rülpsen wie ein Stier und mit dem Bogen umgehen wie kein anderer“, lobte Ignaz die Vorzüge seines zukünftigen Schwiegersohns. „Und er besitzt beträchtliche Ländereien, nicht zu vergessen“, ergänzte er ein wenig verlegen.

„Also ein richtiges Herzchen“, spottete der Kater. „Und Prinzessin Torkeline, wie ist die so drauf?“

„Liest gern Gedichte, erfreut sich an hübschen Blumen, singt und schreibt“, gab Ignaz widerstrebend zu. „Wird an der Zeit, daß sie unter die Haube kommt.“

„Damit das Katerchen das mal rafft. Die Prinzessin auf der Erbse soll Conan den Barbaren heiraten...“

„Der ist schon verheiratet“, warf ich ein.

„Stimmt, mit Gundi der Gräulichen“, schwärmte Ignaz. „War ne’ schöne Hochzeit. Gab kaum Tote.“

„..und verschwindet auf Nimmerwiedersehen vor der Hochzeit. Und das wundert Euch? Wer davon den Vorteil hat, liegt auf der Hand“, brachte Mikesch seine Zusammenfassung ungeachtet der Einwände zum Ende.

„Natürlich die Südländer“, hakte sich Nichtsnutz mit gut geölten Stimmbändern ein. „Wenn die Heirat zwischen Nobeline und Vanadium scheitert, sind wir zu schwach, um uns dauerhaft gegen eine Invasion zu behaupten. Ihr müßt die Armee mobilisieren und ihnen zuvorkommen, mein Fürst.“

„Ähm, die besteht aus nur zwölf Mann“, gab ich zu Bedenken.

„.und die scheren gerade die Schafe auf der Nordweide“, fügte Ignaz hinzu. Nichtsnutz stöhnte.

„Dann ruft alle jungen Leute zu den Waffen“, probierte er es mit einer anderen Variante.

„Da kommt keiner“, winkte Ignaz ab. „Wir haben keine Waffen“, klärte er seinen neuen Berater auf, der allmählich verzweifelte. Dann jedoch hellte sich sein Gesicht auf, als würde die Sonne aufgehen. „Dann gibt es nur eine Möglichkeit, mein Fürst. Wenn Eure Tochter Vanadium nicht will, müßt Ihr stattdessen eine Allianz mit Baron Brusgon von Nordland eingehen. Kennt Ihr seinen Sohn, Berthold den Wehrhaften?“

„Hmmm. Er riecht so ähnlich wie meine Schafe, wenn sie naß sind“, erinnerte sich Ignaz mit gerümpfter Nase. „Außerdem kann ich Brusgon nicht leiden. Nein, wir bleiben bei Vanadium.“

„Leider habt Ihr eine Kleinigkeit übersehen, Euer Kurzsichtigkeit. Nektarinchen hat die Düse gemacht und Prinz Valium den Laufpass erteilt. Da wird’s mit ‘ner Hochzeit schwierig“, erinnerte Mikesch.

„Dann findet sie und Ihr werdet reich belohnt, anderenfalls.....“

„Gebongt, Chef“, brummte der Kater erfreut, das Anderenfalls geflissentlich übergehend. „Nun verstehen wir uns.“

 

„Das nenn ich mal Motivation“, bekundete der Kater, nachdem wir den Thronsaal hinter uns gelassen hatten.

„Nur das mit dem anderenfalls gefällt mir an der Geschichte nicht so ganz“, gab ich zu Bedenken.

„Bah, laß das Katerchen nur machen“, brummte Mikesch erfreut, dem die Sache Spaß zu machen begann.

„Das ist ja gerade das, was mir Bauchschmerzen bereitet“, knurrte ich.

 

Zu Recht ....
Wird fortgesetzt.....


 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 26.05.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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