Diethelm Reiner Kaminski

Ria sei Dank

„Haben sie dich heute wieder in der Schule geärgert? Hast du eine schlechte Note gekriegt? Du siehst nicht gerade fröhlich aus“, sagte Janines Vater besorgt.

„Ria sagt, ich sehe billig aus? Stimmt das?“

„Quatsch. Du siehst völlig normal aus. Wie immer. Du hast dich doch nicht über Nacht verändert“, versuchte ihr Vater sie zu trösten. „Guck in den Spiegel.“

„Ich möchte aber nicht normal aussehen.“

„Sondern?“

„Wie Ria und die anderen.“

„Und wie sehen die aus?“

„Nicht so billig.“

„Das verstehe ich nicht. Deine Kleidung ist sauber, sportlich, praktisch, schick. Ich mag sie leiden. Du hast sie doch auch selbst ausgesucht. Und billig waren sie auch nicht gerade, ich weiß also gar nicht, was Mademoiselle Ria daran auszusetzen hat.“

„Sie erzählt überall herum, die hätten wir in einem Ramschladen, bei BIK oder so, gekauft, und so würden sie auch aussehen.“

„Warum sagst du nicht, wo wir sie gekauft haben? So lange ist das doch noch nicht her. Das war bei …“

„Das habe ich gesagt, aber sie glauben mir nicht.“

„Und warum glauben sie dir nicht?“

„Sie sagen, das sind keine bekannten Marken. Sondern billige Massenware aus Hongkong.“

„Soll ich dich nun einkleiden wie eine Modepuppe, nur damit Ria ihre vorlaute Klappe hält? Ich denk nicht dran. Da hätten wir viel zu tun, wenn wir uns danach richten würden, was Ria meint. So weit kommt es noch. Dann geh der dummen Pute einfach aus dem Weg.“

„Das geht nicht. Sie sitzt in der Klasse doch neben mir.“

„Dann sprich nicht mit ihr.“

„Ich spreche auch nicht, aber sie. Sie sagt auch, dass ich nur eine Hose und einen Pulli habe.“

„Du weißt, dass das gelogen ist. Du trägst nun mal bestimmte Sachen besonders gerne. Wenn du wechseln möchtest – dein Kleiderschrank ist voll.“

„Aber alles alte Sachen. Und viele mag ich überhaupt nicht mehr leiden.“

„Ach, daher weht der Wind. Die Prinzessin möchte neu eingekleidet werden. Aber das trifft sich gut. Das ist ja fast wie Gedankenübertragung. Ich wollte dir nämlich vorschlagen, dass wir am Samstag einen Einkaufsbummel machen. Ich wollte dir sowieso ein paar neue Sachen kaufen. Aus etlichen bist du auch schon rausgewachsen. Aber denk nicht, dass mein Vorschlag irgendwas mit dieser Ria zu tun hat. Die kann mir gestohlen bleiben. Und das eine sage ich dir gleich: Wir kaufen, was uns gefällt und worin du gut aussiehst, ohne Rücksicht auf die Marke oder gar auf den dämlichen Geschmack dieser Ria.“

„Und wenn mir eine Markenjeans gut passt und mir gefällt, kaufen wir sie dann?“

„Wir werden sehen. Das können wir jetzt nicht theoretisch entscheiden. Erst mal musst du sie ja wohl anprobieren, oder?“

22.04.2012

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