Elke Müller

Amerika 2

Der Tag neigte sich dem Ende, alles war friedvoll und die letzten warmen Sonnenstrahlen wollte Ashley für ein kurzes erfrischendes Bad nutzen. Sie band ihr langes Haar zu einem einfachen Zopf zusammen, legte sich eine warme Decke um die Schultern. Der trockene Boden unter ihren nackten Füßen fühlte sich warm an, nur das Gras war hart und pickte etwas. Die Badestelle lag nicht weit vom Lager entfernt, so, das man es noch sehen konnte. Ashley liebte ihren Mann, aber wusste nicht, wie sie mit Redmon umgehen sollte. Sie interessierte sich für ihn. Er war anders als die Männer, die sie kennen gelernt hatte. Er war... interessant, jemand, auf den man sich in jeder Lage sicher verlassen konnte. Sie beschloss sich an Abigail und wenn er nicht weiter wusste, sich an den alten Medizinmann zu wenden. „ Das Schicksal würde seinen Lauf nehmen, wie es auch immer aussehen würde,“ murmelte sie vor sich hin. Leises knirschen war zu hören. Ashley drehte sich um, vielleicht war eine ihrer Freundinen gekommen. Nein! Redmon stand da und blickte sie unverholen an. Sie fürchtete sich davor, was er von ihr verlangen würde, zwang sich aber ein gequältes Lächeln ab. „ Hätte es nicht Zeit bis nachher gehabt?“ Er packte sie am Handgelenk und zog sie einige Schritte weiter. Entsetzt starrte sie ihn an. „ Keine Angst, ich tu dir nichts. Hör nur zu!“ Ruhig sah er sie an, kniete sich vor ihr hin. „ Ich bin nicht der Mann der widerstandslos unsinnige Befehle ausführt. Ich... ich habe mich entschlossen... dich unter meinen Schutz zu stellen... Du weißt nicht was ein Überfall von einer Armee voller Soldaten bedeutet. Die knallen alles ab, ob Kind, Frau oder Mann, es wird kein Unterschied gemacht, alles wird in Flammen aufgehen! Nur eins zählt, nur ein toter Indianer ist ein guter Indianer.“ Denn er wusste, wenn Roger weiterzog, dann würde es kein Leben mehr, hier, in den Zelten geben. Kein Zeuge sollte von den Gräueltaten berichten können. „ Ich habe nicht vor, die heißen Kastanien aus dem Feuer zu holen, um dann dafür ins Gras beißen zu müssen. Und wenn, dann will ich wenigstens wegen meinen Idealen dies tun.“ Er fühlte sich auf einmal leer, verbraucht und kraftlos. „ Verdammt noch mal wie ich solche Momente hasse, in denen Dinge passierten, die man nicht wollte und man trotzdem nichts dagegen tun kann.“

Als sie zurück kam, saß Redmon mit untergeschlagenen Beinen am Feuer und starrte sinnend hinein. Er zuckte zusammen als sie seine Schulter berührte.
Ihm ist, als würden sie ihm beobachten. Das verdammte Gefühl lässt ihn nicht los. Was war nur los mit ihm? Er hatte eine Aufgabe übernommen, die er erfüllen wollte. Er wusste, die Armee schien etwas zu plane, wovon er keine Ahnung hatte. Die nächsten Monate würden für den kleinen Lakota- Stamm sehr schwer sein, welche aber alle durchstehen mussten. Er war bemüht ein distanziertes Verhalten zu halten, doch das Leben dieser Menschen hatte ihn in seinen Bann gezogen. Er konnte die Angst, die Verzweiflung und die völlige Resignation in ihren Gesichtern ablesen. Auch er hatte schon viel Leid gesehen und gespürt, die einem Einzelgänger wie ihm ständig entgegen gebracht wurde. Ob es sich dabei um ungewollte Pflichten oder angelastete Fehler handelten. Trotzdem hatte er immer die Hoffnung, das es nur besser werden konnte. Aus seiner Sicht war die Fehde zwischen den verschiedenen Völkern völlig unnötig. Die Menschen vergifteten sich selber dadurch. Diskussionen deswegen, stießen wie immer nur auf taube Ohren.

Er musste weg, es war unvermeidlich. Er war schon viel zu lange hier. Immerhin schon einen Monat. Die Armee.... Irgendwann, da war er sich sicher, würde man sie aufspüren und eine Treibjagd auf sie ansetzen. Er biss sich auf die Lippen. Ohne ein Wort zu sagen stand er auf, um seine aufsteigenden Tränen zu verhindern. Als Mann stand es ihm nicht zu Gefühle zu zeigen, oder doch? Draußen sog er die warme, nach Blumen, Kräutern und Erde würzig riechende Luft ein. Die Einsamkeit der dicht bewachsenen Wälder hat er jetzt schätzen gelernt. Hier konnte er seinen Gedanken freien Lauf lassen. Er wollte versuchen diesen Menschen ein wenig zu helfen, wusste allerdings noch nicht wie. Aber ihm würde schon etwas einfallen.

Ashley folgte ihm leise. Wortlos ging sie an ihm vorbei, band den schwarz-weiß gefleckten Hengst vor dem Zelt ab, der freudig wieherte und flüsterte dabei einige Worte dem Tier zu, strich über die Nüstern und über den schlanken Hals, hielt dann Redmond die Zügel hin. „ Bitte gehe sehr sorgsam mit ihm um. Er wird seinen Herrn eher finden als du. Heika hat mit ihm viel gemeinsam erlebt.“ Redmon bekam große Augen. „ Warum dieses große Vertrauen?“ „ Deine Augen haben dich verraten, in ihnen liegt viel Wärme und Herzlichkeit. Du bist ein guter Scout und... jemand der sich nichts auf seine weiße Hautfarbe einbildet. Auch denke ich, du wirst sicher ein guter Freund für Heika werden. Heika ist wie ein Wüstenwolf, der immer herumstreift, der mal hier ist und dann wieder dort ist, aber auf unheimliche Art dort auftaucht, wo er gebraucht wird. … Allerdings...Tinker duldet keinen anderen Reiter auf seinen Rücken, du musst also erst sein volles Vertrauen gewinnen.“ „ Oh, keine Angst, ich bin auf einer Ranch aufgewachsen, wo auch wilde Pferde eingeritten wurden... aber ich halte von dieser Praxis die angewendet wird, nicht viel.“

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 29.05.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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