Yvonne Schwab

VIV LAS VEGAS 11

Wasser lief mir die Nase hinunter, doch das störte mich nicht. Ich wollte nur Elvis‘ Lippen auf meinen spüren. Dieser Kuss schien nie zu enden und das wollte ich auch nicht. Schon wieder ein Tropfen, dieses Mal fiel er mir direkt auf meine Wange. Dann der nächste und der nächste. Es schien auf mein Gesicht zu regnen. Schließlich öffnete ich doch die Augen und löste mich schweren Herzens von Elvis. Da fiel es mir erst auf. Elvis war natürlich auch total durchnässt. Dicke Wassertropfen fielen von seinen pechschwarzen Haaren, die ihm durcheinander ins Gesicht hingen. Wie er mich jetzt ansah, erinnerte er mich an ein begossenes Hundebaby. Ich kicherte bei dem Gedanken.

„Was ist so lustig?“ Elvis schaute mich etwas verunsichert an.

„Du siehst sexy aus mit nassen Haaren“, antwortete ich und strich ihm zärtlich über den Kopf.

Elvis erschauderte, er zitterte vor Kälte.

„Wir können doch oben in meiner Suite weitermachen, wo wir gerade aufgehört haben“. Er strahlte mich an obwohl seine Lippen schon blau anliefen.

„Oh Gott, es tut mir so leid. Wegen mir holst Du Dir noch eine Erkältung“. Schnell legte ich ihm eines meiner Handtücher über. „Du hast Recht. Im Zimmer kannst Du Dich aufwärmen“.

„Es ist nicht nur das“. Elvis blickte in Richtung Casino. Einige späte Gäste, die noch im Casino waren, hatten die Aufregung bemerkt und schauten neugierig zu uns herüber.

„Das ist nicht gut“, Elvis runzelte die Stirn, „zu spät, sie haben uns gesehen“.

Da deutete auch schon der Erste auf Elvis: „Das ist Elvis Presley! Huhuhu, Mr. Presley!“

Und eine der Frauen rief ganz aufgeregt: „ Aber die junge Frau ist nicht Priscilla. Die hätte ich erkannt. Wer ist sie?“

Die Gruppe setzte sich in Bewegung und kam auf uns zu. Die Frauen liefen immer schneller und steuerten direkt auf Elvis.

„Ein Autogramm! Bitte, ein Autogramm!“

Elvis umklammerte fest meinen Oberarm: „Komm, schnell. Nichts wie weg hier!“

Ich stand blitzartig auf, Elvis fasste mich an der Hand und wir rannten los. Es war unglaublich, aber die Leute folgten uns tatsächlich.

„Können die Dich nicht einfach in Ruhe lassen?“ keuchte ich. Mit Elvis Schritt zu halten entpuppte sich als große Herausforderung. Ich war sauer, denn wegen diesen neugierigen Menschen musste ich nun halbnackt mitten in der Nacht und nach allem was ich erlebt hatte, quer durch ein riesengroßes Hotel rennen. Ich verstand diese Leute nicht. Man konnte doch deutlich sehen, dass Elvis und ich gerne privat geblieben wären. Hatten diese Menschen denn gar keinen Funken Anstand?

„Das ist nicht gut! Die haben uns zusammen gesehen. Das wird Ärger geben!“ Elvis war stocksauer und wurde immer schneller. Ich stolperte und fiel beinahe hin.

„Elvis, bitte nicht so schnell. Ich kann nicht mehr!“, flehte ich ihn an.

Doch anstatt das Tempo zu senken, packte er mich nur noch fester am Handgelenk und zog mich weiter hinter sich her.

„Elvis! Bitte, lass mich los. Du tust mir weh!“

„Komm schon Idy. Die dürfen uns nicht erwischen. Ich möchte jetzt keine dummen Fragen beantworten. Wir reden am besten kein Wort mit ihnen. Das gibt nur Gerüchte und die kann ich jetzt gerade gar nicht gebrauchen.“

Doch noch bevor Elvis das zu Ende gesagt hatte, drehte ich mich um und versuchte die Gruppe abzuwimmeln.

„Meine Damen, meine Herren. Lassen Sie uns doch bitte in Ruhe. Es ist schon spät. Sie sehen doch, dass wir komplett durchnässt sind und jetzt gerne nach oben gehen würden, um uns auszuruhen. Mr. Presley hat jetzt keine Zeit für Sie“.

Nachdem ich es gesagt hatte, erkannte ich auch sofort, dass dies ein großer Fehler war.

Die Leute redeten nun wild durcheinander und es kamen immer noch mehr Menschen dazu, die aufmerksam geworden waren. Sie strömten aus allen Richtungen herbei. Plötzlich fühlte ich mich von der Menge bedroht. Ich hatte Angst, dass sie uns einfach überrennen würden. Panisch schaute ich zu Elvis.

Er starrte mich mit finsterem Blick an und sagte nichts.

„Wir verschwinden wohl besser“, stellte ich fest und umklammerte verkrampft seine Hand.

Wir schafften es tatsächlich den Leuten zu entkommen und waren froh als der Aufzug leer war und wir unbehelligt zu Elvis‘ Suite gelangen konnten. Vor der Suite standen zwei große Männer in dunklen Anzügen.

Als sie uns kommen sahen, öffnete einer der beiden die Türe und hielt sie uns auf.

Elvis begrüßte die beiden Männer: „Charlie, Fred? Das ist Idy. Sie wird öfter hier vorbeikommen. Lasst aber außer ihr bitte niemanden durch, okay?“

„Natürlich, Boss“, antworte einer der beiden. Ich vermutete es war Charlie. Er sah zumindest wie ein Charlie aus.

„Idy, das sind Fred und Charlie. Die beiden passen auf, dass hier niemand auftaucht, der nicht willkommen ist. Aber Du kannst natürlich immer durch.“ Sein Lächeln erschien mir sehr gequält. Es war sonnenklar, er war ziemlich wütend weil ich unten im Casino eigenmächtig gehandelt hatte. Ich konnte ja nicht ahnen, dass die Leute so unvernünftig reagieren würden.

Ich nickte und Elvis zog mich immer noch hinter sich her, hinein in die Suite.

Als die Türe hinter uns ins Schloss gefallen war, ließ er mich einfach stehen. Er drehte mir den Rücken zu, knöpfte wortlos sein Hemd auf, zog es aus und pfefferte es wütend auf den Boden. Er lief ins Bad und kam mit zwei Handtüchern zurück. Eines reichte er mir.

„Am besten Du ziehst Dich komplett aus, leg Dich ins Bett und decke Dich gut zu“. Er sagte es ohne mich eines Blickes zu würdigen. Vielmehr war er damit beschäftigt sich ein Glas Gin einzugießen. Jetzt fielen mir auch die vielen Flaschen Gin, Wodka, Wein und anderen alkoholischen Getränken auf. In einer Ecke stand ein goldener Servierwagen voll davon.

„Es tut mir leid Elvis“, ich war irritiert, weil er so wütend war. So schlimm konnte der Vorfall doch nicht gewesen sein. Klar, ich hatte einen Fehler gemacht. Das wusste ich jetzt auch, aber war das ein Grund mich so zu behandeln?

„Es tut Dir leid?“ Elvis nahm einen großen Schluck aus seinem Glas „Nun, es war nicht besonders klug mit diesen Leuten zu sprechen. Du hättest das mir überlassen sollen. Jetzt werden sie sich das Maul über Dich zerreißen. Es wird zur Presse durchsickern und man wird spekulieren, dass ich eine Affäre habe“.

„Was ja auch stimmt!“, ich spürte wie Wut in mir aufstieg. Ich fühlte mich mal wieder in meiner Annahme bestätigt, dass ich nur die billige Gespielin des Kings war und ich hatte endgültig genug davon.

„Das spielt doch keine Rolle“, Elvis schaute mich aus düsteren Augen an, “Du hättest es mir überlassen sollen mit der Situation umzugehen. Schließlich geht es dabei um mich“.

„Aha. Läuft es so bei Euch? Du bist der Boss und Priscilla muss kuschen? Und von mir verlangst Du das auch? Ich bin was ich bin Elvis. Niemand hat mir vorzuschreiben was ich tun oder was ich lassen soll!“

Empört warf ich ihm das Handtuch vor die Füße. Es hatte wohl keinen Sinn sich mit ihm darüber zu unterhalten. Er schien völlig festgefahren zu sein. Ich hatte den Eindruck, dass er sehr unsicher im Umgang mit der Öffentlichkeit war. Ich bekam wohl gerade einen guten Einblick in die Bedeutung ein so ein großer Star zu sein und obwohl ich so wütend auf Elvis war, tat er mir in diesem Moment doch sehr leid. Er schien in einem goldenen Käfig gefangen zu sein.

„Es ist besser, wenn ich jetzt gehe“, enttäuscht versuchte ich irgendwie die Überreste meines nassen Badeanzuges an meinem Körper festzuhalten. Es war unglaublich, nun würde ich bereits zum zweiten Mal die Suite von Elvis quasi nackt verlassen. Ich kam mir so dumm vor.

„Keine Sorge“, sagte ich noch schnippisch an Elvis gewandt, „ ich werde Fred und Charlie einen Gruß von Dir ausrichten, wenn ich jetzt durch diese Türe gehe. Adieu mein König!“ Ich wollte einen dramatischen Abgang. Theatralisch drehte ich mich um, etwas zu schwungvoll, denn ich kam ganz schön in Schräglage und eher stolpernd als stolz schreitend torkelte ich in Richtung Ausgang.

Plötzlich hörte ich hinter mir schallendes Gelächter. Elvis krümmte sich vor Lachen. Meine kleine Showeinlage hatte den düsteren Blick aus seinem hübschen Gesicht vertrieben.

„Und was, wenn der König bittet, dass seine Königin bei ihm bleibt?“ Elvis streckte mir seine Hand entgegen und setzte einen Blick auf, der alles zum schmelzen bringen konnte. „ Idy, du hast Recht. Das ist es doch gerade was ich so an Dir schätze. Du lässt Dir nichts vorschreiben. Komm. Ich möchte keinen Streit mit Dir.“

Und schon wieder hatte er mich. Ich konnte diesem Mann einfach nicht widerstehen. Es schien als hätte er mich in seinem Bann. Als ich seine Hand ergriff packte er mich blitzschnell und hob mich hoch, in Richtung Zimmerdecke.

„Oh Idy, ich bin so froh, dass ich Dich habe. Ich liebe Dich so sehr. Wir machen uns jetzt noch zwei schöne Tage ohne Streit, ja?“ Er klang sehr europhisch.

Ich musste ziemlich verdutzt aus der Wäsche geschaut haben, als er mich wieder auf den Boden absetzte.

„Zwei Tage? Was meinst Du?“

Elvis nahm mein Gesicht in seine Hände: „Ich werde übermorgen abreisen. Die Dreharbeiten sind fast beendet und ich muss zurück nach Graceland“.

Mir lief ein eiskalter Schauer über den Rücken.

„Du wirst mich verlassen?“

„Ja, aber ich komme wieder. Ich werde zu Hause alles mit Priscilla regeln. Dann komme ich Dich holen und wir stellen Dich der Öffentlichkeit als die neue Frau an meiner Seite vor“.

„Du kommst mich holen? Wohin gehen wir denn?“, fragte ich.

Elvis schaute mich mit verstörtem Blick an: „Na nach Graceland natürlich. Du wirst bei mir leben. Willst Du das denn nicht?“

Ich war mir da nicht so sicher. Ich hatte mich unsterblich in Elvis verliebt, doch ich wollte auch unbedingt in Las Vegas bleiben. Mir gefiel mein Leben dort ganz gut und Graceland hörte sich für mich stark nach Gefängnis an. Das war der goldene Käfig.

Es schien Elvis zu verunsichern, dass ich ihm nicht jubelnd um den Hals fiel sondern zögerte.

Ich sah in seine sinnlichen Augen und plötzlich sprudelte es einfach so aus mir heraus:

„Elvis, ich liebe Dich! Ich liebe Dich! Ich liebe Dich!“ Erschrocken über mich selbst und was ich da gerade gesagt hatte, hielt ich mir den Mund zu.

Elvis strahlte mich an: „Du wirst schon sehen Idy. In ein paar Monaten bin ich wieder zurück und dann wird alles gut“.

„Monate?“, ich verschluckte mich beinahe, „warum wirst Du so lange fort sein? Du willst mich wirklich so lange hier alleine lassen?“

„Idy, versteh doch. Ich muss die Dinge mit Priscilla irgendwie regeln. Ihre Eltern werden nicht begeistert sein, der Colonel wird nicht begeistert sein und dann gilt es auch noch den neuen Film zu promoten. Ich werde erst mal viele Termine haben. Aber ich werde die ganze Zeit über immer nur an Dich denken, versprochen“.

Ich spürte wie sich mein Herz zusammenzog. Schon der Gedanke ihn monatelang nicht wiederzusehen brachte mich um den Verstand. Er hatte es geschafft, dass ich mich trotz aller Vorbehalte Hals über Kopf in ihn verliebte und nun würde er wieder aus meinem Leben verschwinden. Was, wenn ich in der Zwischenzeit aus meinem Traum erwachte und nie wieder zu ihm zurückfinden würde? Das war ein schrecklicher Gedanke, der mich sehr traurig machte.

-Fortsetzung folgt-

 

 

 

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 02.06.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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