Irene Beddies

Gartenpati

Gartenpati

 

„Ihr Drei dürft am Samstag den ganzen Tag tun, was ihr wollt.“
Greta ließ die Bemerkung beim Frühstück am Mittwoch fallen. Klaus nickte dazu: „Es muss nichts
Gemeinsames sein. Jeder kann machen, was er will, solange es nicht einem anderen in die Quere kommt.“

„Toll!!!“, schoss Paolo los“, dann kann ich endlich mal den ganzen Tag mit meinen Freunden auf dem Bolzplatz Fußball spielen.“
„Und ich kann den ganzen Tag im Bett bleiben und Harry Potter lesen.“
„Ich will eine Pati feiern mit Inge, eine Gartenpati.“

So traf jedes Kind seine Vorbereitungen.
Paolo verabredete sich mit drei Freunden und besorgte Limonade und Würstchen für die Pausen.
Mira hortete jede Menge Knabberzeug, das sie neben dem Bett lagerte.
Berta erbat sich den kleineren Gartentisch und zwei Stühle unter den Fliederbusch. Sie stellte Teller und Becher darauf und eine große Schüssel mit Deckel, in der sich ein Obstsalat befand. Kartons mit Milch und Apfelsaft stellte sie unter den Tisch.

Ingrid kam schon zum Mittagessen, das heute ohne Paolo und Mira eingenommen wurde.
Ihre anfängliche Schüchternheit verflog schnell.
Berta und ihre Freundin fingen schon jetzt mit Albernheiten an.
„Na, das kann heiter werden“, dachte Greta bei sich und zwinkerte Klaus zu. Da mussten sie wohl hin und wieder ein Auge auf die Kleinen haben.

Zunächst ging alles gut.
Die beiden kleinen Mädchen setzten sich gesittet an den Tisch und aßen von dem Obstsalat.
Sie spielten vornehme Prinzessinnen und unterhielten sich über die anderen Kinder aus dem Kindergarten, die sie sich als ihre Bediensteten in den verschiedensten Rollen vorstellten.

Sie merkten nicht, wie der Himmel sich schnell zuzog. Die ersten Regentropfen störten die Prinzessinnen. Berta wusste einen Ausweg: schnell ins Gewächshaus, das war ja schließlich auch Garten.Der Regen trommelte ordentlich auf das Glasdach. Berta fand, das klang wie die Musik, die Paolo manchmal hörte. Die fingen an zu singen, erfanden neue Texte und kicherten unendlich.

Als der Regen wieder aufhörte, standen auf dem Weg zum Fliederbusch drei große Pfützen.
„Lass uns sehen, wer am weitesten über sie springen kann“, schlug Berta vor. Schon nahm Inge Anlauf und sprang. Sie schaffte es gut. Berta wollte es ihr nachtun, aber ohne Anlauf. Der kam für sie nicht infrage. Schwupps, sprang sie. Aber o Schreck, sie landete mitten in der Pfütze und rutschte aus. Wasser spritzte nach allen Seiten.
„Das war cool“, rief Inge und sprang ebenfalls in die Pfütze.

Durch das laute Juhu-Geschrei war Greta alarmiert. Sie musste nun wohl ernsthaft nachschauen, was das bedeutete. Da saßen beide Mädchen, die eben noch Prinzessinnen gewesen waren, wie die Strolche im schlammigen Wasser und ruderten mit den Händen im Nass.

Greta holte eine nach der anderen aus der Pfütze. Sie befahl ihnen, bis zur Haustür zu gehen. Kleinlaut folgten die Kinder der Aufforderung.
Sie selbst ging als erste ins Haus und holte zwei Badetücher, ließ die Mädchen auf die Fliesen im Flur und half ihnen, sich auszuziehen.

Im Bad duschte sie die Kinder zuerst ab, dann verschloss sie den Ablauf. Die Wanne füllte sich schnell. Nun noch Badeschaum hinein.

Greta ließ Berta und Inge z einem neuen Vergnügen in der Wanne mit der Bitte, nicht das ganze Bad unter Wasser zu setzen. Dann ging sie.
Später wurden die zwei Racker im Schlafanzug in Bertas Zimmer verbannt. Die Schüssel mit dem Obstsalat und eine Schachtel Zwieback stellte Greta ihnen noch ins Zimmer mitsamt Tellern und Löffeln.

So wurde aus der "Gartenpati" eine Schlafanzugparty, die bis in die Nacht dauerte.
Mira, die ihr Buch ausgelesen hatte, durfte zum Schluss mitfeiern.

 

© I. Beddies


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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 03.06.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

Die Autorin:

Buch von Irene Beddies:

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In Krollebolles Reich: Märchen von Irene Beddies



Irene Beddies hat in diesem Band ihre Märchen für Jugendliche und Erwachsene zusammengestellt.
Vom Drachen Alka lesen wir, von Feen, Prinzen und Prinzessinnen, von kleinen Wesen, aber auch von Dummlingen und ganz gewöhnlichen Menschen, denen ein wunderlicher Umstand zustößt.
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