Karl-Heinz Fricke

Wildschweine

Wildschweine

Im Nachkriegsjahre 1946 war es noch keinem Deutschen gestattet eine Schußwaffe zu besitzen. Ich war deshalb verdutzt, als mich ein befreundeter Stadtpolist, mit dem ich Fußball spielte fragte, ob ich gewillt sei, an einer Wildschweinjagd teilzunehmen. Verblüfft darüber kam ich nicht umhin zu bemerken, ob wir mit Pfeil und Bogen auf das Schwarzwild losgehen sollten. Er lachte und erklärte, dass die britische Besatzungsmacht, die das Land Niedersachsen verwaltete, acht Treiber benötige. Die Bauern des Landkreises   baten die Engländer ein Rudel der Schweine, die sich in den Kriegsjahren sehr vermehrt hattenzu reduzieren. Besonders Kartoffelfelder wurden heimgesucht und verwüstet. Die Ernte in den damaligen Hungerjahre würde stark reduziert   Natürlich sagte ich zu, denn es hieß, wir würden einer guten Sache dienen und gut dafür belohnt. In den früheren Jahren des Dritten Reiches hatte der Reichsforstmeister Göring dort einen Saupark eingerichtet, in dem er mit Freunden und Gästen das Schwarzwild zu jagen pflegte. Mit Beginn des Krieges fielen diese Jagden allerdings aus und die Folge war die Vermehrung der Wildschweine. An einem klaren
Dezembermorgen bestiegen wir einen Planwagen und fuhren in Richtung des Waldgrundstückes, das hauptsächlich von Buchen und Eichen bewachsen und  eine ungefähre Größe von 200 Quadratmetern hatte. Der Förster des Ortes  blies das Halali mit seinem kleinen weißen Hund an seiner Seite.  Wir waren bewaffnet mit derben Knüppeln und fünf britische Offiziere mit Armeekarabinern. Wir postierten uns am oberen Ende des leicht abfallenden Geländes, während die Jäger am unterem Ende auf die auf die anstürmenden Tiere warteten. Wir gingen langsam geschlossen vor und schlugen mit den Stöcken an die Baumstämme. Nach weniger als hundert Metern schlug der Hund des Försters an. Kurz darauf trafen wir auf etwa 10 Schweine, die von dem Gebell des Hundes und unser Rufenund Geschrei panikartig in genauer Richtung auf die Schützen zustürmten. Der kleine Hund des Försters, laut bellend, war direkt an den Fersen des fliehenden Wildes. Wir liefen hinterher. Als wir das Ende des Waldes sehen konnten, hätten schon Schüsse fallen müssen. Hatte das Schwarzwild wohlmöglich einen Haken geschlagen und war seitlich an den Schützen vorbeigerannt ? Als wir jedoch näher kamen ging das Geballere los. Die Offiziere hatten die Schweine nicht im Ansturm angenommen. Wohl  aus Unkenntnis oder Vorsicht sprangen die wackeren Krieger zur Seite und ließen die Tiere vorbeirasen. Dann war für sie der Augenblick des Schießens gekommen und sie zielten auf die Rückseiten der großen Schweine. Alles ereignete sich in Sekundenschnelle. Das tragigkomische an dieser possenartigen Jagd war, dass die Waidmänner nicht das Schwein hatten auch nur eines zu treffen. Sie waren genau betrachtet entweder große Tierlieber oder einfach zu aufgeregt um richtig zu zielen. Sie trafen jedoch den kleinen Hund , der sich sehr zum Leidwesen des Försters in seinem Blut wälzte. Unsere Schützenhilfe wurde mit je drei Schachteln Zigaretten belohnt, die damals ein kleines Vermögen bedeuteten. Ein zweiter Versuch die Tiere zu reduzieren wurde meines Wissens nicht unternommen.

Karl-Heinz Fricke  3.6.2017

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