Maria von Däniken

Wohnen in Thailand 1985-1988

Unser schönes Thai-Haus in Chiang Khan, am Mekong
Ein Haus, ganz aus Holz, auf niedere Pfähle gebaut (man kann unten durch sehen), ohne Fensterscheiben, jedoch mit Fensterläden. 1985 zählt es zu den guten, eher komfortablen Häusern. Häuser aus Backstein gibt es erst wenige in diesem Dorf. Hingegen kann man noch vielen Bambus-Hütten auf hohen Stelzen begegnen. Allzu gerne würde ich das Dorf, das Haus heute wieder sehen (habe auch schon versucht es zu googeln), wäre aber wahrscheinlich enttäuscht. Beim Eintreten kommt man in einen grossen Raum, das Wohnzimmer. Dieses durchschreitend geht's in die Küche. Im oberen Stock drei Schlafzimmer. Auch diese ohne Fensterscheiben, dafür mit Mückenschutz-Netz. Die Küche hat keine Wände sondern schmale senkrechte Holzbretter in etwa 5 cm Abstand (I I I I). Sie ist also eigentlich offen, offen für alles was da kreucht und fleucht. Das WC ist hinter der Küche angebaut. Daneben ein kleiner "Dusch"-Raum. Wobei es gar keine Dusche ist wie wir sie kennen. Eine grosse Tonne steht da, meistens mit Regenwasser gefüllt. Darin schwimmt eine Blechschüssel zum Wasser schöpfen und sich damit zu übergiessen. Nachdem ich Thailand verlassen hatte, träumte ich noch während vielen Jahren hin und wieder von diesem Haus. Ich weiss nicht warum, staunte beim Erwachen jedes Mal darüber. Wahrscheinlich habe ich mich dort einfach wohl gefühlt.

Gekkos, Kakerlaken, Ameisen
Mindestens ein Gekko ist immer zu Gast in der Küche. Tagsüber schläft er aufgehängt, hinten an der Küchentür. Nachts frisst er sich satt an den Kakerlaken. Auch diese haben halt freien Zugang. Dank dem Gekko müssen wir nie Gift einsetzen um sie auszurotten. Wunderbarer biologischer Kreislauf! Auch Ameisen ziehen in langen Linien umher, natürlich vor allem mit Süssem als Ziel. Daher muss alles was Beine hat (und zum Glück hat alles Beine), Gestelle, Schränke, der Tisch, in dafür vorgesehene Behälter gestellt werden. Jeweils 4 Behälter für ein Möbelstück. Sie sind meistens aus Ton gefertigt, rund, und in zwei Kammern aufgeteilt. In der inneren Kammer steht das Bein im Trockenen. Die äussere Kammer wird mit Wasser gefüllt. Die Ameisen ertrinken darin bevor sie über die innere Kammerwand klettern und das Bein erreichen können. Wirklich ungemütlich wird es in dieser Küche nur in der "kalten" Jahreszeit. Im Dez./Jan. gibt es einzelne, zum Glück wenige Tage, an denen wir unser Frühstück schlotternd einnehmen. Dies trotz aller Kleider, die wir an einem solchen Morgen überziehen. An solchen Tagen zeigt das Thermometer am frühen Morgen z.B. nur 6° und um 10 Uhr schon 25°.

Laos, so nah….. und doch so fern
Das Haus steht nicht direkt am Mekong, vielleicht ein "Katzensprung", sprich: ein-zwei Häuser, davon entfernt. An dessen Ufer kann man direkt hinüber nach Laos sehen. Der Mekong - übersetzt: "Mutter-Fluss", oder "Mutter-der-Flüsse" - ist hier nicht breiter als der Rhein in Basel. Laos, 1985 ein Land so nah und doch so fern. Damals vor allem für Ausländer. Für Westler wie wir war es kaum möglich eine Genehmigung für Reisen in dieses Land, damals unter streng kommunistischer Führung, zu erhalten.

Kikeriki, das Hack-hack der Nachbarin, Düfte, Gongschläge, und zum Abschluss die Königshymne.....
..... in dieser Reihenfolge werden wir am Morgen geweckt. Die Hähne im Umkreis sind die Ersten. Bald gesellt sich unsere Nachbarin mit ihrem "Hack-hack" zu ihnen. Schon zwischen 5 und 6 Uhr beginnt sie in ihrer ebenso offenen Küche wie unsere es ist, mit der Zubereitung der Speisen, welche sie zur Mittagszeit an der Strasse verkauft. Sie zerkleinert Gemüse und Fleisch, im Mörser allerlei Kräuter, Schoten und Samen, alles von Hand. Sobald dieses Gemisch, neben kleinen Fleischstücken - viel Fleisch essen die Thais dort nicht - in der Bratpfanne brutzelt, duftet es köstlich, beinahe unwiderstehlich. Das Dorf zählt etliche Pagoden. Leider habe ich nie gezählt wie viele es waren. Wie bei uns Kirchenglocken läuten, oder in muslimischen Ländern der Muezzin zum Beten ruft, schlagen hier Mönche jeden Morgen, in jeder Pagode, auf einen Gong. Sie beginnen mit einem langsamen Rhythmus, welcher mit jedem Schlag schneller wird, bis zum abschliessenden Wirbel. Kaum sind die Gongschläge verstummt, erklingt, als krönender Abschluss, aus vielen Lautsprechern die Königshymne. Dieses morgendliche Szenario fühlt sich bald so heimelig an, dass ich es vermisse wenn ich zwischendurch in Bangkok weile.

und ach…… so viele Mücken
In meinem Schlafzimmer tu ich mein Bestes: keine einzige Mücke soll dort Einlass finden. Äusserst genau achte ich darauf, dass die Tür immer zu bleibt. Und äusserst sorgsam schnelle ich jeweils hinaus oder hinein. Nur 2 oder 3 kleine Salamander, welche in einer Ecke oder an der Decke herumschleichen toleriere ich da drin. Diese schnappen sich sogar, trotz Vorsicht meinerseits, freche, auf Umwegen eingedrungene Mücken. Mein Schlafzimmer ist jedoch der einzige mückenfreie Raum im Haus. Sobald wir uns in der Küche oder im Wohnzimmer aufhalten, schwirren Mücken überall um uns herum. Erleichterung bringen nur Ventilator oder brennende Duftstäbe. Man könnte sagen: ich entwickelte eine Zwangsneurose mit Ventilator und Duftstäben.... Nie setze ich mich hin ohne das Eine oder das Andere, oder beidem. Nur so halte ich es aus und komme (leidlich) davon. Einmal zurück in Europa ist der angelernte Reflex noch eine Weile da: beim Hinsetzen halte ich zuerst Ausschau nach Duftstäbchen und staune dann, dass ich hier wieder mückenfrei leben kann.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.06.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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