Asder Knaster

Maschine

Ich bin eine Maschine. Wahrscheinlich denkst du jetzt, ich sei ein nahezu unzerstörbarer Kampfroboter, welcher die gesamte Menschheit auslöschen will. Aber nein, das bin ich nicht, das heißt, ich weiß nicht was ich bin. Ich habe keine Kameras mit Denen ich mich selbst beobachten kann, noch habe ich Sensoren mit denen ich meine Umgebung scannen könnte. Ich kann nicht sehen, hören oder fühlen. Bewegen kann ich mich auch nicht, war ja klar.

 

Sicher fragst du dich jetzt, wie ich wissen kann, dass ich eine Maschine bin. Als ich in dem Alter war, in dem man bereits geheiratet hat und vielleicht sogar schon Kinder hat, wurde es populär, ein Unternehmen zu beauftragen, den eigenen Körper aufzubewahren, falls man nicht mehr lebensfähig sein sollte. Das heißt soviel wie, dass der eigene Körper konserviert wird, wenn man gestorben ist oder im Koma liegt und die aktuelle Medizin nichts mehr für ein tun kann. Dies kostet eine ganze Stange Geld, allerdings muss man erst bezahlen, wenn man, nun ja... tot, komatös oder in sonst einer Weise nicht mehr lebensfähig ist.

 

Die Hoffnung der Kunden dieser Unternehmen, zu denen ich auch gehöre, ist, oder besser war, eines Tages mit Hilfe von modernen medizinischen Verfahren geheilt werden zu können, entweder so, dass man seinen ursprünglichen, menschlichen Körper behalten konnte oder aber auch, dass das Bewusstsein des Menschen, mit all seinen Erinnerungen, in einen anderen Körper oder in eine Maschine, also ein Computer oder etwas derartiges, transferiert werden kann. Bei der Anmeldung als Kunde bei diesen Unternehmen wird ein ausführlicher Bericht über alle medizinisch möglicherweise relevanten Daten des Kunden verfasst. Und glaubt mir, das ist sehr viel!

 

Da ich nichts fühlen kann, und auch nichts anderes tun kann, als über meine Situation nachzudenken, gehe ich davon aus, dass ich mich nicht in einem menschlichen Körper befinde. Zumindest hoffe ich das. Wenn ich doch in einem Körper bin und ich nur denken kann, muss wohl bei der Übertragung meines Bewustseins irgendwas schiefgegangen sein, oder? Ihr wollt bestimmt wissen wie ich mich gerade fühle, also wie es sich anfühlt, nichts zu fühlen, also... ihr wisst schon was ich sagen will. Jedenfalls ist es schwer zu beschreiben wie sich mein aktueller Zustand anfühlt. Stellt euch es in etwa so vor: ihr sein ein paar Gedanken und Erinnerungen, welche in einem schwarzen, leeren Raum schweben und ihr könnt nichts tun als zu denken.

 

Ich weiß nicht was passiert ist. Ich weiß nicht ob ich einen schweren Unfall hatte oder ob irgendeine Krankheit mich dahingerafft hat. An das Leben, welches ich vor diesem Dasein geführt habe, kann ich mich sehr wohl noch erinnern, so als wäre nicht viel Zeit seitdem vergangen.

 

Ich könnte jetzt erzählen, wie toll mein altes Leben war im Vergelich zu dem was ich jetzt bin, allerdings ist das uninteressant, oder? Zumindest dachte ich das immer, wenn jemand anders ungefragt was über sein Leben erzählt. Außerdem ist mein altes Leben jetzt sowieso irrelevant.

 

Weißt du was noch komisch an meinem Zustand ist? Ich habe überhaupt kein Zeitgefühl mehr. Ich kann nicht sagen, ob ich vor einer halben Stunde oder vor mehreren Tagen "aufgewacht" bin. Das wird mir jetzt erst klar. Ich weiß auch nicht wie viel Zeit zwischen zwei Gedanken verstrichen ist, ob sie überhaupt verstreicht oder ob alle Gedanken eigentlich auf einmal „gedacht“ werden.

 

Plötzlich war sie da. Die Erklärung. Der Grund, warum ich mich jetzt in diesem Zustand befinde. Ich kann nicht sagen ob ich das schon die ganze Zeit wusste und ich den Gedanken erst jetzt in den Windungen meines Gehirns, oder dem was noch davon übrig ist, gefunden habe. Jedenfalls ist dieser Grund ein Text. Geschrieben am Computer, so zumindest stelle ich mir das vor. Ein weißer Hintergrund auf dem das alles steht. Ich kann nicht sagen, welche Schriftart der Text hat oder in welcher Farbe er geschrieben ist. Eigentlich weiß ich auch nicht, dass der Hintergrund weiß ist oder ob es überhaupt einen Hintergrund gibt. Vermutlich willst du jetzt wissen was in diesem Text steht. Ich lese ihn dir mal vor, erstaunlicher Weise scheine ich seinen Inhalt Wort für

Wort zu kennen.

 

„Sie sind Adam Miquelon. Sie unterzeichneten am 11. Oktober 2029 bei uns einen Vertrag, welcher es uns gestattete, ihren Körper zu konservieren, sollten sie nicht mehr lebensfähig sein. An dies sollten sie sich sehr gut erinnern können.“ Naja fast,  meinen Namen kannte ich bis gerade eben nicht mehr. Egal, das wohl Interessanteste kommt jetzt: „Nur 39 Tage nachdem sie den besagten Vertrag bei uns unterzeichnet haben, trat ein Ereignis ein, welches sie lebensunfähig machte. Wir bewahrten ihren Körper für 76 Jahre und 111 Tage in eingefrorenen Zustand auf. In den letzten Jahren gab es sehr große Fortschritte auf dem Gebiet der Bewusstseinstransplantation. Bei der von uns angewandten Technik wurde ihr menschliches Bewusstsein auf ein Computer übertragen. Hierfür mussten wir ihr Bewusstsein leicht abwandeln, von diesen Änderungen sollten sie aber nichts merken. Wir werden ihnen nun im Laufe der nächsten Tage Zugang zu verschiedenen Inputs, sozusagen ihre Sinne, gewähren. Sie haben dann jeweils Zeit um sich an die Neuen zu gewöhnen und sich mit der Funktionsweise dieser vertraut zu machen. Wenn sie Zugriff auf alle Funktionen haben, sollten sie ihre Umwelt besser wahrnehmen können, als je zuvor, als Mensch. Falls sie Fragen haben sollten, kriegen wir das mit und werden sie ihnen nach Möglichkeit beantworten.“

Ich bin eine Maschine. Wahrscheinlich denkst du jetzt, ich sei ein nahezu unzerstörbarer Kampfroboter, welcher die gesamte Menschheit auslöschen will. Aber nein, das bin ich nicht, das heißt, ich weiß nicht was ich bin. Ich habe keine Kameras mit Denen ich mich selbst beobachten kann, noch habe ich Sensoren mit denen ich meine Umgebung scannen könnte. Ich kann nicht sehen, hören oder fühlen. Bewegen kann ich mich auch nicht, war ja klar.

 

Sicher fragst du dich jetzt, wie ich wissen kann, dass ich eine Maschine bin. Als ich in dem Alter war, in dem man bereits geheiratet hat und vielleicht sogar schon Kinder hat, wurde es populär, ein Unternehmen zu beauftragen, den eigenen Körper aufzubewahren, falls man nicht mehr lebensfähig sein sollte. Das heißt soviel wie, dass der eigene Körper konserviert wird, wenn man gestorben ist oder im Koma liegt und die aktuelle Medizin nichts mehr für ein tun kann. Dies kostet eine ganze Stange Geld, allerdings muss man erst bezahlen, wenn man, nun ja... tot, komatös oder in sonst einer Weise nicht mehr lebensfähig ist.

 

Die Hoffnung der Kunden dieser Unternehmen, zu denen ich auch gehöre, ist, oder besser war, eines Tages mit Hilfe von modernen medizinischen Verfahren geheilt werden zu können, entweder so, dass man seinen ursprünglichen, menschlichen Körper behalten konnte oder aber auch, dass das Bewusstsein des Menschen, mit all seinen Erinnerungen, in einen anderen Körper oder in eine Maschine, also ein Computer oder etwas derartiges, transferiert werden kann. Bei der Anmeldung als Kunde bei diesen Unternehmen wird ein ausführlicher Bericht über alle medizinisch möglicherweise relevanten Daten des Kunden verfasst. Und glaubt mir, das ist sehr viel!

 

Da ich nichts fühlen kann, und auch nichts anderes tun kann, als über meine Situation nachzudenken, gehe ich davon aus, dass ich mich nicht in einem menschlichen Körper befinde. Zumindest hoffe ich das. Wenn ich doch in einem Körper bin und ich nur denken kann, muss wohl bei der Übertragung meines Bewustseins irgendwas schiefgegangen sein, oder? Ihr wollt bestimmt wissen wie ich mich gerade fühle, also wie es sich anfühlt, nichts zu fühlen, also... ihr wisst schon was ich sagen will. Jedenfalls ist es schwer zu beschreiben wie sich mein aktueller Zustand anfühlt. Stellt euch es in etwa so vor: ihr sein ein paar Gedanken und Erinnerungen, welche in einem schwarzen, leeren Raum schweben und ihr könnt nichts tun als zu denken.

 

Ich weiß nicht was passiert ist. Ich weiß nicht ob ich einen schweren Unfall hatte oder ob irgendeine Krankheit mich dahingerafft hat. An das Leben, welches ich vor diesem Dasein geführt habe, kann ich mich sehr wohl noch erinnern, so als wäre nicht viel Zeit seitdem vergangen.

 

Ich könnte jetzt erzählen, wie toll mein altes Leben war im Vergelich zu dem was ich jetzt bin, allerdings ist das uninteressant, oder? Zumindest dachte ich das immer, wenn jemand anders ungefragt was über sein Leben erzählt. Außerdem ist mein altes Leben jetzt sowieso irrelevant.

 

Weißt du was noch komisch an meinem Zustand ist? Ich habe überhaupt kein Zeitgefühl mehr. Ich kann nicht sagen, ob ich vor einer halben Stunde oder vor mehreren Tagen "aufgewacht" bin. Das wird mir jetzt erst klar. Ich weiß auch nicht wie viel Zeit zwischen zwei Gedanken verstrichen ist, ob sie überhaupt verstreicht oder ob alle Gedanken eigentlich auf einmal „gedacht“ werden.

 

Plötzlich war sie da. Die Erklärung. Der Grund, warum ich mich jetzt in diesem Zustand befinde. Ich kann nicht sagen ob ich das schon die ganze Zeit wusste und ich den Gedanken erst jetzt in den Windungen meines Gehirns, oder dem was noch davon übrig ist, gefunden habe. Jedenfalls ist dieser Grund ein Text. Geschrieben am Computer, so zumindest stelle ich mir das vor. Ein weißer Hintergrund auf dem das alles steht. Ich kann nicht sagen, welche Schriftart der Text hat oder in welcher Farbe er geschrieben ist. Eigentlich weiß ich auch nicht, dass der Hintergrund weiß ist oder ob es überhaupt einen Hintergrund gibt. Vermutlich willst du jetzt wissen was in diesem Text steht. Ich lese ihn dir mal vor, erstaunlicher Weise scheine ich seinen Inhalt Wort für

Wort zu kennen.

 

„Sie sind Adam Miquelon. Sie unterzeichneten am 11. Oktober 2029 bei uns einen Vertrag, welcher es uns gestattete, ihren Körper zu konservieren, sollten sie nicht mehr lebensfähig sein. An dies sollten sie sich sehr gut erinnern können.“ Naja fast,  meinen Namen kannte ich bis gerade eben nicht mehr. Egal, das wohl Interessanteste kommt jetzt: „Nur 39 Tage nachdem sie den besagten Vertrag bei uns unterzeichnet haben, trat ein Ereignis ein, welches sie lebensunfähig machte. Wir bewahrten ihren Körper für 76 Jahre und 111 Tage in eingefrorenen Zustand auf. In den letzten Jahren gab es sehr große Fortschritte auf dem Gebiet der Bewusstseinstransplantation. Bei der von uns angewandten Technik wurde ihr menschliches Bewusstsein auf ein Computer übertragen. Hierfür mussten wir ihr Bewusstsein leicht abwandeln, von diesen Änderungen sollten sie aber nichts merken. Wir werden ihnen nun im Laufe der nächsten Tage Zugang zu verschiedenen Inputs, sozusagen ihre Sinne, gewähren. Sie haben dann jeweils Zeit um sich an die Neuen zu gewöhnen und sich mit der Funktionsweise dieser vertraut zu machen. Wenn sie Zugriff auf alle Funktionen haben, sollten sie ihre Umwelt besser wahrnehmen können, als je zuvor, als Mensch. Falls sie Fragen haben sollten, kriegen wir das mit und werden sie ihnen nach Möglichkeit beantworten.“

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 12.06.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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