Andreas van Appeldorn

Vergesslich



Ein alter Mann geht zum Hausarzt.
Im Wartezimmer setzt er sich neben einen Bekannten mit dem er sich sogleich angeregt unterhält.

Nach einiger Zeit schaut der Alte auf seine Armbanduhr – oh, schon so spät!
Besorgt, nicht pünktlich zum Mittagessen zu Hause zu sein, steht er auf und geht zur Garderobe.
Umständlich zieht er seinen Lodenmantel an, wobei ihm eine junge Frau behilflich ist.
Er nimmt einen Hut, der ihm nicht gehört, von der Ablage, legt ihn schimpfend wieder zurück,
dann verabschiedet er sich mit höflichem Kopfnicken von den Wartenden und verlässt eilig die Praxis.
Daheim angekommen schließt er nach mehreren missglückten Versuchen die Haustür auf.
Nach mehreren missglückten Versuchen gelingt es ihm, die Haustür aufzuschließen.
Schnurstracks geht er runter in den Keller.
Verwirrt sieht er sich um, dann steigt er die beschwerlichen Treppenstufen wieder hinauf.
Er wollte doch in die Küche.
Seine Frau schält gerade Kartoffeln.
„Das Mittagessen ist noch lange nicht fertig, erst um 12, wie immer“, sagt sie.
Der Alte setzt sich an den Holztisch; er grübelt.
Zwischendurch schaut er auf die Küchenuhr.
Es ist 10:30 Uhr.
Nervös trommelt er mit seinen Fingern auf der Tischplatte herum.  
Seine Frau wirft die Stirn in Falten, schaut ihn fragend an.
Der Alte starrt angestrengt vor sich hin.

Plötzlich fällt es ihm ein.
Triumphierend ruft er aus:
„Ich muss nochmal los, ich hab’ meine Krankheit beim Arzt vergessen.“







 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.06.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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