Florian Schneider

Erste Entscheidungen

 

Wie jeder jugendliche stand auch Vincent, ein durchschnittlicher Abiturient, vor der „lebenswichtigen“ Entscheidung seinen weiteren Bildungs- und Lebensweg zu wählen. Oder ist es denn überhaupt so immens wichtig? Zu diesem Zeitpunkt war sich Vincent noch nicht sicher, was er beruflich erreichen wolle. Gerade noch hat er mit seiner Clique, die er von Kindestagen an hatte, im Sandkasten gespielt und nun soll er sich für eine Ausbildung oder einen Beruf entscheiden. Das wirkte alles etwas surreal auf ihn. Für einen Teenager, der in der beschaulichen Süd-Pfalz aufgewachsen ist, nahe dem fast schon bedrohlich groß wirkenden, badischen Karlsruhe, eine fast schon unmögliche Entscheidung.

 

An einem sonnigen Frühlingssamstag ging Vincent aus dem Haus seiner Eltern, um seine besten Kumpels zu treffen und die Geschehnisse des vorangegangenen Freitags zu besprechen. Ein nächtlicher Fahrradausflug zu einem örtlichen Festzelt und das ein oder andere Bier am Vortag geben jede Menge Stoff zum Besprechen. Ein Treffen auf dem wohngebietseigenen Spielplatz war nichts Ungewöhnliches für die sieben Freunde. Hier besprach man sich über abendliche Pläne, wichtige Entscheidungen, Mädchen und alles Weitere auch. Der Spielplatz, auf dem sich die Gruppe schon als krabbelnde, sandverschmierte Zwerglinge getroffen hat.  Nachdem der Freitag vollständig rekonstruiert und besprochen worden war, landeten Thomas, Daniel, Vincent und die beiden Zwillinge Tom und Bill bei dem lästigen Thema, was denn jetzt anstehe nach dem bestandenen Abitur. Jeder hatte andere Ideen, aber keinen einen festen Plan. Das passte keinem der Jungs, die alle nicht sonderlich begeistert waren planlos, wie ein manövrierunfähiges Schiff aufs offene Meer hinaus zu segeln.  Aber selbst dafür müsste man erstmal losgehen beziehungsweise lossegeln. Während Vincent zu einem Studium bei der Polizei tendierte, waren bei den anderen von einem Dualen Studium bis hin zum Förster die berufswünsche breit gefächert. Lediglich die zwei jüngsten Oliver und Johannes saßen recht still dabei. Für sie war diese Entscheidung noch ein und zwei Jahre entfernt. Trotzdem wurden sie beim Gedanken, dass ihre Freunde bald in alle Himmelsrichtungen verstreut sein könnten, sehr traurig. Wenn die Eltern der Clique sich die Jungs anschauten und mit dem Kopf schüttelnd sagten, wo doch die Zeit hingegangen wäre, dachten sich die Teenies nur: „Ach, unsere Alten wieder…“. Aber jetzt, empfanden es alle der Jungs auch so. Vincent, der nicht wirklich Lust dazu hatte sich damit auseinander zu setzen, schlug erstmal eine Runde Fuß! ;ball-Te nnis vor. Nachdem die sieben den Nachmittag mit kicken rumgebracht hatten und vereinbarten sich abends zu treffen, um in Vincents Geburtstag zu feiern, ging jeder seine Wege um eine Kleinigkeit zu essen.

 

Als sich die Freunde abends trafen und nach und nach jeder in Vincents Zimmer eintraf, startete die Runde mit ihrem ersten Bier und einer Runde Fussball auf der Playstation. Nach etwa zwei Stunden, diversen Spielen und auch Beschimpfungen aufgrund der hitzigen Duelle, stieg die Stimmung immer weiter – mehr brauchte es nicht, einfach nur beisammen sein, und schon hatte jeder die Alltagssorgen vergessen, die bei fünf der sieben vor allem daraus bestanden, wie es denn nach dem Abiball Ende des Monats weitergeht. Es war inzwischen etwa 23 Uhr und Vincent hatte Lust auf eine Runde Billiard, da Oliver einen Billardtisch im Keller seiner Eltern hatte, war das kein Problem. Die anderen beugten sich gerne dem Willen des baldigen Geburtstagskindes und packten sich jeder noch ein kaltes Bier, bevor es Richtung andere Seite des Wohngebietes ging. Das waren in etwa 150 Meter. Um 12 als ihm alle der Reihe nach gratuliert hatten und sich die Unzertrennlichen noch in Olivers Keller befanden, saßen sie in der Runde auf Sofas um den Billardtisch. In diesem Moment der Stille hielt sich Vincent an seiner Bierflasche fest und schaute seinen Jungs ins Gesicht. Tom und Bill diskutierten wie so oft über irgendein unwichtiges Thema, vermutlich etwas was mit Fußball zu tun hatte. Oliver übte noch ein paar Schläge mit dem Queue, nachdem er gegen Thomas eine unübliche Niederlage einstecken musste. Thomas und Daniel übten Tricks mit den Kronkorken, während Johannes, der jüngste der Sieben, am Handy hing. In dem Moment schien alles wie unter Wasser, Vincent nahm nichts wahr, war nur bei sich – er war Glücklich. Er merkte, dass er sich glücklich schätzen konnte damit was er hat, die Leute, die ihn umgeben. Gegen zwei Uhr ging er zufrieden ins Bett in dem Wissen, dass egal wie er sich entscheide, egal wohin es ihn zieht, bestimmte Menschen werden ihn immer begleiten. Ganz gleich wo er ist und was passiert, bestimmte Bindungen können durch Distanz oder w! eniger K ontakt nicht in die Brüche gehen.

 

Mit diesem Wissen recherchierte Vin am folgenden Sonntag Studiengänge und bewarb sich noch am gleichen Tag. Er erhielt wenige Wochen später eine Zusage für ein Sportstudium in Mainz. Nachdem er den Abschlussball seines Abiturjahrgangs hinter sich gebracht hatte, machte er sich einen Monat später auf ins neue Abenteuer Studium. Ab und an besuchen sich die Sieben und jeder weiß, dass er auf den anderen Jederzeit zählen kann, trotz der Distanzen, die sich aufgrund diverser Entscheidungen ergeben haben. Wenn Vincent heute Entscheidungen treffen muss, führt er sich immer wieder diese Zeit vor Augen und dann fallen ihm auch die schwersten Entscheidungen einfacher, weil er weiß, er ist nicht allein, weder mit seinen Entscheidungen, noch im Leben.

 

 

Wie jeder jugendliche stand auch Vincent, ein durchschnittlicher Abiturient, auch vom Aussehen, vor der „lebenswichtigen“ Entscheidung seinen weiteren Bildungs- und Lebensweg zu wählen. Oder ist es denn überhaupt so immens wichtig? Zu diesem Zeitpunkt war sich Vincent noch nicht sicher, was er beruflich erreichen wolle. Gerade noch war es als er mit seiner Clique, die er von Kindestagen an hatte, im Sandkasten gespielt hat und nun soll er sich für eine Ausbildung oder einen Beruf entscheiden. Das wirkte alles etwas surreal auf ihn. Für einen Teenager, der in der beschaulichen Süd-Pfalz aufgewachsen ist, nahe dem fast schon bedrohlich groß wirkenden, badischen Karlsruhe, eine fast schon unmögliche Entscheidung.

An einem sonnigen Frühlingssamstag ging Vincent aus dem Haus seiner Eltern, um seine besten Kumpels zu treffen und die Geschehnisse des vorangegangenen Freitags zu besprechen. Ein nächtlicher Fahrradausflug zu einem örtlichen Festzelt und das ein oder andere Bier am Vortag geben jede Menge Stoff zum Besprechen. Ein Treffen auf dem wohngebietseigenen Spielplatz war nichts Ungewöhnliches für die sieben Freunde. Hier besprach man sich über abendliche Pläne, wichtige Entscheidungen, Mädchen und alles Weitere auch. Der Spielplatz, auf dem sich die Gruppe schon als krabbelnde, sandverschmierte Zwerglinge getroffen hat. Nachdem der Freitag vollständig rekonstruiert und besprochen worden war, landeten Thomas, Daniel, Vincent und die beiden Zwillinge Tom und Bill bei dem lästigen Thema, was denn jetzt anstehe nach dem bestandenen Abitur. Jeder hatte andere Ideen, aber keinen einen festen Plan. Das passte keinem der Jungs, die alle nicht sonderlich begeistert waren planlos, wie ein manövrierunfähiges Schiff aufs offene Meer hinaus zu segeln. Aber selbst dafür müsste man erstmal losgehen beziehungsweise lossegeln. Während Vincent zu einem Studium bei der Polizei tendierte, waren bei den anderen von einem Dualen Studium bis hin zum Förster die berufswünsche breit gefächert. Lediglich die zwei jüngsten Oliver und Johannes saßen recht still dabei. Für sie war diese Entscheidung noch ein und zwei Jahre entfernt. Trotzdem wurden sie beim Gedanken, dass ihre Freunde bald in alle Himmelsrichtungen verstreut sein könnten, sehr traurig. Wenn die Eltern der Clique sich die Jungs anschauten und mit dem Kopf schüttelnd sagten, wo doch die Zeit hingegangen wäre, dachten sich die Teenies nur: „Ach, unsere Alten wieder…“. Aber jetzt, empfanden es alle der Jungs auch so. Vincent, der nicht wirklich Lust dazu hatte sich damit auseinander zu setzen, schlug erstmal eine Runde Fußball-Tenni! s vor. N achdem die sieben den Nachmittag mit kicken rumgebracht hatten und vereinbarten sich abends zu treffen, um in Vincents Geburtstag zu feiern, ging jeder seine Wege um eine Kleinigkeit zu essen.

Als sich die Freunde abends trafen und nach und nach jeder in Vincents Zimmer eintraf, startete die Runde mit ihrem ersten Bier und einer Runde Fussball auf der Playstation. Nach etwa zwei Stunden, diversen Spielen und auch Beschimpfungen aufgrund der hitzigen Duelle, stieg die Stimmung immer weiter – mehr brauchte es nicht, einfach nur beisammen sein, und schon hatte jeder die Alltagssorgen vergessen, die bei fünf der sieben vor allem daraus bestanden, wie es denn nach dem Abiball Ende des Monats weitergeht. Es war inzwischen etwa 23 Uhr und Vincent hatte Lust auf eine Runde Billiard, da Oliver einen Billardtisch im Keller seiner Eltern hatte, war das kein Problem. Die anderen beugten sich gerne dem Willen des baldigen Geburtstagskindes und packten sich jeder noch ein kaltes Bier, bevor es Richtung andere Seite des Wohngebietes ging. Das waren in etwa 150 Meter. Um 12 als ihm alle der Reihe nach gratuliert hatten und sich die Unzertrennlichen noch in Olivers Keller befanden, saßen sie in der Runde auf Sofas um den Billardtisch. In diesem Moment der Stille hielt sich Vincent an seiner Bierflasche fest und schaute seinen Jungs ins Gesicht. Tom und Bill diskutierten wie so oft über irgendein unwichtiges Thema, vermutlich etwas was mit Fußball zu tun hatte. Oliver übte noch ein paar Schläge mit dem Queue, nachdem er gegen Thomas eine unübliche Niederlage einstecken musste. Thomas und Daniel übten Tricks mit den Kronkorken, während Johannes, der jüngste der Sieben, am Handy hing. In dem Moment schien alles wie unter Wasser, Vincent nahm nichts wahr, war nur bei sich – er war Glücklich. Er merkte, dass er sich glücklich schätzen konnte damit was er hat, die Leute, die ihn umgeben. Gegen zwei Uhr ging er zufrieden ins Bett in dem Wissen, dass egal wie er sich entscheide, egal wohin es ihn zieht, bestimmte Menschen werden ihn immer begleiten. Ganz gleich wo er ist und was passiert, bestimmte Bindungen können durch Distanz oder w! eniger K ontakt nicht in die Brüche gehen.

Mit diesem Wissen recherchierte Vin am folgenden Sonntag Studiengänge und bewarb sich noch am gleichen Tag. Er erhielt wenige Wochen später eine Zusage für ein Sportstudium in Mainz. Nachdem er den Abschlussball seines Abiturjahrgangs hinter sich gebracht hatte, machte er sich einen Monat später auf ins neue Abenteuer Studium. Ab und an besuchen sich die Sieben und jeder weiß, dass er auf den anderen Jederzeit zählen kann, trotz der Distanzen, die sich aufgrund diverser Entscheidungen ergeben haben. Wenn Vincent heute Entscheidungen treffen muss, führt er sich immer wieder diese Zeit vor Augen und dann fallen ihm auch die schwersten Entscheidungen einfacher, weil er weiß, er ist nicht allein, weder mit seinen Entscheidungen noch im Leben.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 15.06.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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