Klaus-Peter Behrens

Der Kater und sein Magier, 11

Ohne mich zu fragen, hatte der Kater nun die Führung übernommen, was mich vor eine neue Herausforderung stellte. Versuchen Sie mal, einem schwarzen Kater in einem dunklen Gang zu folgen! Das ist kein Vergnügen. Ich fragte mich, wie er es bloß fertigbrachte, jemanden auf der Spur zu bleiben, den ich in der Dunkelheit vermutlich erst dann entdeckt hätte, wenn er mir auf die Füße getreten wäre, als der Kater plötzlich anhielt.

„Sag mal, Hohlkopf, wie ist denn der Handyempfang in dieser Gegend so?“, flüsterte er.

„Schlecht“, knurrte ich, obwohl ich keinen blassen Dunst hatte, was der Kater meinte.

„Das erklärt einiges.“

„Drück dich klarer aus.“

„Schmusebacke hat gerade einen Pfeil mit Botschaft dran aus dem Sack gezaubert und ist ‘ne Treppe hinauf verschwunden. Läutet es da bei dir im Gebälk?“

„Die Treppe hinauf“, murmelte ich. „Wir müssen am Nordturm sein.“

„Sieht so aus, als ob unser Kuttenträger was Finsteres im Schilde führt. Das fühl‘ ich in der Schwanzspitze.“

„Dann stellen wir ihn zur Rede“, gab ich in einem Anfall geistiger Umnachtung von mir.

„Um als Schaschlik zu enden? Na, ich danke. Der spickt uns mit Pfeilen, ehe du Abrakadabra sagen kannst.“

„OK, OK, die Idee war vielleicht noch nicht ganz ausgereift.“

„Grottenschlecht trifft es eher. Selbst wenn wir ihn überwältigen könnten, bezweifle ich, daß er fröhlich singen würde. Im Übrigen müßtest du dann Ignaz beibringen, daß die Anzahl seines Personals sich schon wieder verkleinert hat. Unser grüner Bogenschütze ist nämlich kein anderer, als der ölige Berater von diesem Saftladen. Du weißt doch sicherlich, was man im alten Rom mit den Überbringern schlechter Nachrichten gemacht hat?“

Meine innere Stimme sagte mir, daß ich das lieber nicht wissen wollte.

„Es würde mir wahrscheinlich nicht gefallen“, vermutete ich. Mikesch schüttelte langsam sein pelziges Haupt.

Ü - ber - haupt nicht“, bestätigte er, wobei er jede Silbe einzeln betonte. „Und nun, wo wir einen ersten Anhaltspunkt haben, machen wir uns auf die Socken zur Speisekammer, bevor unser Kuttenträger hier unten wieder auftaucht.“

Mit einem unguten Gefühl im Magen folgte ich meinem pelzigen Führer. Unnötig zu erwähnen, daß seine Nase die Notrationskammer so sicher wie der Bär den Honig fand.

Was dann passierte, bedarf keiner Erläuterung. Ich versuchte auf dem Rückweg energisch aber leider erfolglos zu verdrängen, was Ignaz der demnächst Schmächtige mit uns anstellen würde, wenn er herausfinden sollte, daß unser pelziger Gast die letzten Reserven der fürstlichen Notrationskammer verputzt hatte. Die Auswahl unserer nächsten Handlungsschritte wurde angesichts dieser Aussicht drastisch begrenzt.

„Wir sollten aufbrechen. Sofort!“, verkündete ich mit einer Euphorie, die im krassen Gegensatz zu meinem Befinden stand. Auffordernd sah ich die pelzige, runde Kugel an, die es sich auf meiner schmalen Pritsche gemütlich gemacht hatte. Noch nie hatte ich ein Wesen gesehen, das einen so entspannten Eindruck gemacht hatte.

Beneidenswert.

Insbesondere wenn man bedachte, was uns aller Voraussicht nach blühte.

„Wohin?“, brummte der Kater, während er die Krallen seiner Vorderpfoten in meine Matratze grub und sich ausgiebig streckte.

„In den Wald. Nach Spuren suchen. Der Fiesling hat bestimmt etwas mit dem Verschwinden von Nobeline zu tun. Wir haben endlich einen Anhaltspunkt. Worauf wartest du noch? Ich ..“ Irritiert brach ich ab, als ich den Blick des Katers auffing, der mich ansah, als würde mir Petersilie aus den Ohren sprießen.

„Wie gut siehst du im Dunklen?“, fragte er betont gelassen.

„Nun...“

„Und was verstehst du vom Spurenlesen?“

„Tja, um ehrlich zu sein....“

„Wie erfolgreich war deine letzte Jagd?“

„Welche Jagd?“

Der Kater seufzte theatralisch.

„Weck mich, wenn deine einsame Gehirnzelle wieder genug Saft hat. Aber nicht vor Sonnenaufgang. Dann statten wir Schmierlappens Briefkasten mal ‘n Besuch ab.“

Ich gab mich geschlagen. „Also gut, bei Sonnenaufgang, aber eine Frage hätte ich noch.“

„Hmmmmm.“

„Was ist eine Gehirnzelle?“

 

 Wird fortgesetzt........ 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.06.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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