Manfred Bieschke-Behm

Glanz und Elend der vier Elemente

 

 

Der Vater aller Väter hat die Vertreter aller Elemente zu sich gebeten. Das ist ungewöhnlich. Feuer, Wasser, Luft und Erde wissen nicht, was das zu bedeuten hat. Zwischen den Elementen ist Unruhe zu spüren. Aufgeregt wird diskutiert und gewartet, bis sich die große Flügeltür öffnet und sie eintreten können. In der Mitte des Saales stehen im Kreis fünf Stühle. Weil jedem Element eine Himmelsrichtung zugeordnet ist, tragen vier Rückenlehnen die Inschriften Norden, Süden, Osten beziehungsweise Westen. Der fünfte Stuhl, der sich in Form und Größe von den anderen abhebt, ist für den Gastgeber bestimmt.

Das Element Feuer betritt als Erstes den eher schmucklos gehaltenen Saal. Ungestüm steuert es auf den Stuhl mit der Inschrift Süden zu. Hinter sich her zieht es eine Schleppe, in der die Farben Gold und Messing dominieren. Das Vorderteil des Gewandes ist bestickt mit den Symbolen für Mars, Sonne und den Sternzeichen Widder, Löwe und Schütze. Auf dem Haupt trägt das Element eine Feuerkrone. Um den Hals trägt das Element Feuer eine schwere goldene Kette, an der ein prächtiger, kostbarer Feueropal mit einem unvergleichlich warmen Funkeln hängt.

Wer immer dem Element Feuer den Engel Ariel zur Seite gestellt hat, ist nicht von Bedeutung, schon von Bedeutung ist, das der Engel Ariel der Engel der Natur ist und, dass das Element Feuer dankbar für diese Zuordnung ist. Bei der Zuteilung der Tages- und Jahreszeit hat das Element Feuer Glück gehabt. Es ist zuständig für die Mittagszeit und die Jahreszeit ist der Sommer. Der Einflussbereich des Feuers ist breit gefächert und nicht immer leicht zu handhaben. Stärke, Schutz, sexuelle Leidenschaft, Energie, Aktion, Reinigung, Mut und Vitalität sind ständig im Wandeln und müssen immer wieder neu justiert werden.

Als zweites Element folgt das Wasser, dem der Abend als Tageszeit zugeteilt wurde und der Herbst als Jahreszeit. Das Element Wasser trägt ein hellblaues großzügig geschnittenes Gewand in dem Kupfer- und Silberstreifen eingearbeitet sind. Etwas unentschlossen steuert das Element auf den Stuhl mit der Inschrift Westen zu. Der Myrtenkranz, der das Haupt ziert, symbolisiert die Zuständigkeit für Träume, Frieden, Freundschaft, Gefühle, Trauer, das Meer und Emotionen. Den Ring, den das Element an der linken Hand trägt, ziert ein ungeschliffener kräftig hellblau leuchtender Aquamarin. Der Mythos sagt, dass dieser Stein Wahrheit und Lüge unterscheiden kann. Um den Hals trägt das Element Wasser mehrere Silberketten mit kleinen. Bei näherer Betrachtung lassen sich die Venus und der Mond und die Sternbilder Krebs, Skorpion und Fische erkennen. So oft es geht, nimmt das Element Wasser Kontakt mit seinen Schützlingen auf und bemüht sich um ein gutes Einvernehmen.

Im leuchtend gelben Outfit betritt das Element Luft als drittes Element den Raum. Bevor es sich auf den Stuhl mit der Inschrift Osten setzt, schlägt es leichtfüßig einen großen Bogen und verbreitet einen Hauch von Arroganz. Es ist unschwer zu erkennen, dass das Element Luft für den Morgen und dem Frühling zuständig ist. Der weit aufschwingende Rocksaum und die Ärmelenden sind mir kupfer- und zinnfarbigen Schmuckbändern eingefasst. Ein breiter Taillengürtel, dessen Verschlussmitte ein wertvoller Topas ziert und der rechts und links von einem Jupiter – bzw. Merkursymbol gehalten wird, ertrotzt ganze Aufmerksamkeit. Das Element Luft ist sich seiner Bedeutung bewusst. Es ist zuständig für Freiheit, Wissen, Denken, Energie, Lernen und Erkenntnisse. Bevor sich das Element und für die Sternbilder Zwilling, Waage und Wassermann.

Jetzt fehlt nur noch das Element Erde, das in der Tür steht, und wartet in den Saal gehen zu dürfen. Das Element Erde unterscheidet sich in seiner Einfachheit von allen anderen Elementen. Die Erde legt keinen Wert auf Auffälligkeiten, deshalb ist das mantelähnliche Gewand in schlichten Brauntönen gehalten auf dem kleine Blei- und Eisenringe aufgenäht sind. So unbedeutend die Ringe wirken so bedeutend sind deren Zuordnungen: Geld, Fruchtbarkeit, Sinnlichkeit, Körper, Natur, Geburt und Kreativität. Das Element Erde trägt schwer an der Last und ist froh, dass die Mitternacht ihre zugeschriebene Tageszeit ist und der Winter die zu vertretende Jahreszeit. Auffallend ist der schwere Gang der Erde zum Stuhl mit der Inschrift Norden. Bevor das Element Erde Platz nimmt hat holt es aus der Manteltasche eine große Bergkristallkugel und stellt diese in die Mitte des Stuhlkreises. Alle Anwesenden haben die Möglichkeit hineinschauen. Was alle sehen müssen, ist eine Welt in Unordnung. Machtbesessenheit, erzwungenem Wohlstand, Ungerechtigkeit, Krieg und Zerstörung, Überflüsse und Unterversorgung sowie Arm und Reich.

Der Vater aller Väter betritt den Raum. Alle Anwesenden erheben sich und warten auf ein Zeichen, sich wieder setzten zu dürfen. Nachdem er Platz genommen hat, folgen ihm die vier Elemente und sind gespannt, was der Vater aller Väter ihnen zu sagen hat.

„Ich habe euch heute zu mir gebeten, um euch zu bitten die Willkür, die Brutalität, die Eigenmächtigkeit, die Herrschsucht und Ungerechtigkeit, die zurzeit die Welt zu beherrschen scheint, nach euren Möglichkeiten zu unterbinden, noch besser zu beenden. Ihr habt Optionen der Menschheit zu zeigen, wer die wirklichen Lenker sind. Durch euer tun, könnt ihr die Menschen zur Besinnung bringen und ihnen Grenzen aufzeigen. Brände, Überflutungen, Unwetter und Naturkatastrophen, die den Menschen das Fürchten lehren, können dazu beitragen dass die Menschen zur Besinnung kommen und ablassen von der Zerstörung durch ihr eigenes Tun. Es muss euch gelingen, dass die Menschen euch Elemente mehr schätzen, als sie es zurzeit tun. Die Ausbeutung muss ein Ende haben. Zeigt ihnen, wozu ihr fähig seid. Dass ihr mehr könnt, als nur Wärme spenden, Durst stillen, Luft zum Atmen geben und Lebensraum schaffen.

Am Anfang schuf Gott Himmel und Erde und damit euch vier Elemente. Überlasst nicht den Menschen das, wofür ihr zuständig seid. Der Mensch neigt dazu, sich zu überschätzen und überheblich zu handeln. Unterstützt die, die das Wir-Gefühl leben, und zwingt die Anderen zu mehr Rücksicht und zum Umdenken.“

Mit: „Geht hin und bringt die Welt in Ordnung“, verabschiedet der Vater aller Väter die vier Elemente und bleibt noch lange nachdenklich auf seinem Stuhl sitzen. Die vier Elemente verlassen stumm den Raum. Sie wissen, dass sie eine große Aufgabe übertragen bekommen haben.

Hinter der Tür, die sich längst geschlossen hat, versprechen sie gegenseitige Unterstützung und einzugreifen, wenn die Menschheit versagt und das sie als gute Beispiele vorangehen wollen.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 16.06.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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