Andreas van Appeldorn

Die Witwe



Stille in der Wohnung.
Leere in ihrem Kopf.
Reglos liegt sie im Bett, fühlt sich innerlich gelähmt.
Das Telefon;
STUMMFILMZEIT
Verzweifelt, verloren ist jeder Sonntag.
Soll sie heute überhaupt aufsteh'n?
Lieber will sie ruhn, gar nichts tun.
Bloß: Nichts tun.
Sie rappelt sich trotzdem auf, schlurft mürrisch in die Küche,
stellt die treue Kaffeemaschine an.
Jetzt hört sie wenigstens Geräusche:
Das Glucksen und Aufstoßen des schwarzen Automaten.
Der nächste kleine Hoffnungsschimmer:
Duschen.
Sie spürt ihre 'verlorene Liebe', wenn ihr das warme Wasser 
über den verspannten Buckel läuft.
Aber nicht zu lange;
Duschen kostet doch zuviel Geld.
Sie muss sparen.
Ein kurzer Blick in den Spiegel;
»Mein Gott, bin ich alt geworden«.
Sie zieht sich an, dann deckt sie den Frühstückstisch.
Der Versuch es sich alleine gemütlich zu machen:
Die Kerze angezündet, alles an seinem Platz auf den Tisch gestellt,
eine grüne Serviette ordentlich, rechts neben den Tellerrand gelegt,
das Ei mitleidlos geköpft, das Geleebrot geschmiert ohne Butter;
sie isst kalorienbewusst, vorallem kostengünstig.
Danach wird gespült, das Bett gemacht,
sich vor dem Spiegel etwas hübsch gemacht.
Sei es, wegen der 'alten Zeit' und;
sie will ja nicht ganz verlottern.

Die Kirchenglocken läuten;
sie hasst diese einsamen, toten Sonntage.











 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 17.06.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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