Veit Stanley

Bauernstreit

Märisch-Luch ein kleines, verschlafenes Dorf inmitten des Brandenburgischen Hochlands ist meine Heimat, dort lebe ich schon seitdem ich denken kann. Eigentlich ist es gar nicht so schlecht hier, wenn man mit der langen Weile, der Abgeschiedenheit, der Sturheit und dem ganzen provinziellen Denken zurechtkommt. Wir sind eine Gemeinde die ziemlich zusammengeschweißt lebt und wo sich einer auf den anderen verlassen kann, es gibt kaum Streit oder große Auseinandersetzungen, sondern nur das typische aneinandergeraten wenn mal wieder ein paar Bauern im Waldwiesen einen zu viel gehoben haben, da gibt’s ein bissel Tumult und Schnorke der große, breite Wirt schmeißt die Unruhestifter raus.

Man könnte unser Kaff schon als recht freundlich und ruhig bezeichnet, wären da nicht die beiden Streithähne Lars Maier und Holger Schulz. Die beiden wohnen seit ca. zehn Jahren nebeneinander und alles hat begonnen als die Oma vom Lars gestorben war und seine Frau wollte, dass er ihr gegenüberliegendes Grundstück samt altem Haus verkaufen sollte. So richtig schmeckte es Lars nicht, dass Holger es kaufte, abriss und was neues hinsetzte. Am Anfang ging es ganz harmlos los, der Lars klaute ab und an dem Holger seine Zeitung und der Holger tauschte immer seine leeren Milchflaschen gegen die vollen vom Lars. 

Eine kleine Tradition verbreitete sich in Luch, so trafen sich ab und an kleine Grüppchen, in dem gegenüber, der beiden Häuser, liegenden Park. Dort saß der Pulk auf den Bänken und schaute ganz gespannt was sich wohl die beiden verfeindeten Nachbarn als nächstes liefern würden. Es ist ein toller Zeitvertreib hier im Örtchen und ich wüsste manchmal nicht was ich machen solle falls die mal ihre Differenzen beilegen würden. Es gibt schon Ideen, dass wenn dieser Fall mal eintreten sollte, ob man dann nicht von außerhalb mit einer Aktion den Streit wieder aufflammen lassen sollte, nur um den Showeffekt aufrecht zu erhalten.

Letztens habe ich auch mal wieder nen Nachmittag dort verbracht. Peter und Paul saßen schon da, tranken gemütlich ihre Bierchen und amüsierten sich. Fragte um was geht es heute, als Paul meinte es sei spitze, die beiden zanken sich grade lauthals wer wohl bei Schulze letzte Nacht den Alarm ausgelöst habe. Maier behauptet er hätte wegen dem Lärm nicht schlafen können und will nu den Holger verklagen, der fragt nur weswegen denn, er sei ja selber schuld daran wenn er den Alarm auslöse der Depp. Herrlich, ich nehme Platz und schaue zu, der Lars hat schon wieder seinen Gartenschlau in der Hand, während der Holger mit seiner Mistgabel fuchtelt. Bis jetzt hat sich aber noch nie jemand wirklich ernsthaft verletzt, es gab einige Kollateralschäden, darunter leider auch ne Kuh, fanden aber alle nicht so schlimm, weil sie dann für ein spontanes Dorffest auch gleich Fleisch hatten. Einer meinte letztens die sollen doch mal nen Schwein über die Klinge springen lassen, er habe mal wieder Bock aufn Fest. Ansonsten sind nur etliche zerstochene Autoreifen, beschmierte und mit Eiern beworfene Wände und kaputte Fenster zu beklagen. Einmal wurde Holgers Haus mit Klopapierrollen eingewickelt, man konnte es Lars nie nachweisen, hätte auch eine Aktion irgendwelcher Kinder sein können. Die Racheaktion dafür war die Einfahrt von Lars, da is er zwar selber gegen gefahren, behauptet bis heute aber immer noch Holger habe heimlich nachts an dem Motor rumgeschraubt und den Vorwärts mit dem Rückwärtsgang vertauscht.

Der beste Streich war eigentlich der als Holger mal die Teeplfanze von Lars, die er grade gepflanzt hatte, gegen Nisseln (eine der Teesorte von Lars sehr ähnliche Pflanze) austauschte. Nisseln sind eine zu den Urtikaria gehörende Pflanzenart die eine Nesselinfektion auslösen können. Knapp zwei Wochen lang hatte Lars eine knallrote Haut mit Pusteln und musste sich dauernd jucken, das war echt fies anzusehen, aber alle hatten einen riesen Spaß. Die Gefahr, dass sich einer der beiden mal was antun könnte wurde im Gemeindevorstand oft diskutiert und einige dort waren der Meinung man sollte sie vielleicht beide aus dem Dorf verjagen. Das Einzige was den Vorstand davon abhielt war der Umstand, dass sich eigentlich alle aus den beiden Familien gut verstanden. Die beiden Frauen trafen sich regelmäßig im Gemeindezentrum zum Rommé spielen und die Tochter von Lars war heimlich mit dem Sohn vom Holger verheiratet. Das war ein Fest. Alle, außer Holger und Lars, die nichts davon wussten, waren dabei. Viele hatten Angst irgendwer könnte irgendjemanden erschießen oder so. Glaube das war der einzige Tag wo sich beide wunderten, dass niemand im Park stand und glotzte.

Letztens hatte wohl Holger gesehen wie sein Junge das Mädchen vom Lars geküsst hatte nun stand er da und Mauerte die Türen und Fenster der Maiers zu. Der Mob der knapp 40ig Leute die zum Gucken da waren fanden dies sei nun endgültig zu viel und setzten sich in Bewegung, sie rissen die Mauern wieder ein und brachten die beiden Streithälse zum Gemeindeamt, es wurde entschieden, dass die beiden endlich Ruhe geben und sich einigen sollten, dies wurde noch formal alles auf Papier festgehalten und beide wurden entlassen. Na was soll ich sagen wir sitzen alle auf der Bank im Park und warten.

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 21.06.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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