Jürgen Skupniewski-Fernandez

Dialog mit der Seele

Der strahlend weisse Katamaran ankerte schon etwas mehr als zwei Stunden
in der kleinen einsamen Bucht von Formentera. Im Abstand, gewiegt vom gleichmässigen Wellenschlag,
dösten drei mittelgrosse Yachten still vor sich hin.
Die frühsommerlichen Farben der Abendsonne legten sich wie eine seidige, orangefarbene Decke über das Meer.
Im Rhythmus sanfter Atemzüge schwappte das Wasser verspielt über den gelben, feinkörnigen Sandstrand.
Schatten spazierender, herumalbernder Mädchen kündigten den baldigen Sonnenuntergang an.
Tief versunken, an nichts denkend und ganz vom Licht der Stimmung vereinnahmt, regte sich plötzlich etwas in meinen Gedanken.
Es war, als vernahm ich eine Stimme; so als ob jemand mit mir in einen Dialog treten wollte:

„Ich wiege mich auf den Wellen irdischen Lebens;
bin dir jetzt so nah.
Stimmungsbild, Orange gehaucht,
dein Blick verspielten Wellen nachschaut,
majestätische Silhouetten, Hügel
von der Nachbarinsel,
vereint, in pastellenes Licht getaucht,
die Berge Ibizas, ihr Stolz - zerklüftete Kronen,
dem Meer zugewandt, angeführt vom Fels „Sa Galera“,
mit der Sage Atlantis verbunden.

Das ist der Moment, der Augenblick,
er kommt nicht sehr oft, doch jetzt
ist die Zeit.
Öffne dich und lass mich fliegen!“
(Bat die Seele)

Mit einem Mal war alles so still um mich herum; fühlte mich losgelöst, schwerelos als flög´ ich über
spielende Wellen; buhlte mit der letzten Kraft der Sonnestrahlen um die Gunst des Friedens.
Setzte mich aufs weiche weisse Federkleid einer Möwe und jauchzte fröhlich wie ein Kind.
Schoss ich in Pfeiles Flug zum endlosen offenen Abendhimmel hinauf und sah
die ganze Welt sich drehen.
Das Knarren der Ankerkette unterbrach meine Reise, holte mich zurück. Ich sah mich benommen um.
Ein sanfter Hauch berührte mein Gesicht. Es war der Moment des absoluten Glücks.
In der Kammer meines Herzens empfand ich wohlige Frische.
Ich begriff; meine Seele brauchte Ausgang, Freiheit, mal raus aus meinem immer nur „Ich“,
Auffrischung, Kraft sich den kommenden Abenteuern des Lebens zu stellen.
Ich belohnte mich mit einem Glas Weisswein und sah zufrieden jener Möwe nach,
die es sich nicht nehmen liess uns noch  zwei Stunden lang zu begleiten.

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