Maik Tippner

Aix en Provence/ Lavendel

Auf zu einem Ort, der Sehnsucht; La Provence. Schon drei mal war ich hier gewesen, in der Stadt, der tausend Fontänen,
der Stadt, in der der Maler Paul Cézann la Montagne Saint Victoire so gern, so oft gemalt hatte, Aix en Provence. Eines Tages,
es war in dem Jahr in dem Jan Ulrich die Tour de France gewann, ging diese durch Aix und mir wurde auf einmal klar, in diesem Moment, wusste ich das, da muss ich irgendwann hin. Viel später als ich mein Abitur nachholte lernte ich im Kunstuntericht diese Sehnsucht erneut kennen, und fuhr 2006, dem grossen Cézann-Jahr zum ersten Mal dort hin. Zum zweiten mal war ich 2010 in Aix en Provence, und dieses Jahr 2017 nun zum dritten Mal. Es war wie immer herrlich und ganz wunderbar. Im Bistro zu sitzen, einen Esspresso trinken, unter den Plantanen am Cours Mirrabeau den Tauben beim fliegen zu sehen, und überall diese herrlich duftende Luft nach Lavendel, das besondere Licht, was auch schon den Künstler van Goch so faszinierte, das spüre ich auch jedes Mal, wenn ich hier bin. Und doch muss ich jedes Mal aufpassen, dass meine Seele nicht anfängt zu brennen, sonst schneide ich mir irgendwann auch noch ein Ohr ab. Alors, On n'y va à Aix en Provence!

Anreise:
Am Sonntag den 11.06.2017 8:00 fuhr ich mit dem Zug zunächst von Eisenach über Frankfurt am Main nach Paris. Dort umsteigen vom Gare de L'Est mit der Metro zum Gare de Lyon und dann weiter mit dem TGV direkt nach Aix.
In Deutschland der ICE fährt ja schon relativ schnell, dreht aber hinter der Deutsch-Französischen Grenze erst richtig auf und wechselt dabei die Fahrspur, denn in Frankreich fahren die Schnellzüge links. Mit 320km/h, mit nur einem Halt kurz hinter der Grenze, nach Paris. In Frankreich steigen in jeden Wagen fünf schwerbewaffnete Polizisten ein. Immernoch Ausnahmezustand. Ich hätte so gern das Display mit der angezeigten Geschwindigkeit fotographiert, doch leider, malheureusement, war die Software des Zuges komplett abgestürzt, also kein Display, und auch kein W-Lan. Pas des informationes. Im TGV von Paris nach Aix sitze ich neben einer Frau, mit der ich mich sofort sehr gut unterhalten kann. Sie bietet mir an mich vom Bahnhof zum Hotel zu bringen. Ich lehene zunächst ab, doch willige dann doch ein. Abends gegen 21:00 stehe ich also vorm Hotel. Angekommen! Es ist immernoch hell. Ein herrlicher Tag.

Montag der 12.06.2017 
Lundi six heures du matin... heist es in einem Chanson (Montag 6 Uhr morgens).
Motags sechs Uhr Morgens, bin ich hellwach ich habe viel vor, doch zunächst einmal Frühstück! Ich unterhalte mich mit dem Koch noch zuvor.
Dass ich unbedingt Deutsch mit ihm reden solle, Französisch hat er jeden Tag... und dass ich aufhören soll mit rauchen schärft er mir dringlichst ein. Die erste nicht! sagt er, und ich bin drauf und dran es zu machen. Ich hab noch eine Zigarrette in der Schachtel... Na gut erst mal Frühstück. Ich will heute auf den Berg, gleich heute. Das Gipfelkreuz.
Doch dann... erkundige ich mich doch erst mal lieber in der Information, und schreibe erst mal Postkarten an meine Bekannten und Verwandten. Danach gehe ich in der Stadt spazieren. Im Bistro am Cours Mirabeau kommt mir ein Gedicht an.

Frieden

Die Taube fliegt
zum Wasser
Zum Brunnen
mit grünem Moos
welch eine Versprechung
und Soldaten
stehen und stolzieren vor mir her
das Gewehr im Anschlag
und mit Handschlag
zahle ich die Rechnung.

Doch es ist immer ein negativer Frieden, ein Frieden der sozialen Ungerechtigkeiten. Bettler auf der Strasse und daneben reiche Menschen.

Dienstag 13.06.2017

Heute wollte  ich zum Hausberg von Aix en Provence hinaufsteigen. Der Bus dorthin war kostenlos, auch zurück habe ich zu meiner Überraschung nichts bezahlen müssen. Ich bin leider, weil es mir logisch erschien, und die Gegend schön war eine Station zu früh ausgestiegen und musste dann noch 1 km auf der Landstrasse laufen, bis zur Barrage de Bimont. Als ich danach die Talsperrenmauer überquert hatte erwartete mich dort schon eine junge Frau, sie gehörte zu einer kleinen Reisegruppe aus Montreal, wie sich bald darauf herausstellte. Es schien so als sollte ich sie begleiten, was ich auch fürs ertse tat. Doch die anderen waren viel sportlicher als ich, und gingen über Stock und Stein bergauf bergab, mit einem Wort es war mir zu heiss und zu anstrengend. Ich viel schon bald zurück und musste die Wanderung abbrechen. Erst als ich auf dem Rückweg war bemerkte ich den grossen breiten Weg, der auch sanft anstieg, doch da war ich dann zu kapputt dazu. Ich habe dann noch schön gepicknickt auf einer Bank und ein paar Leute getroffen. Überhaupt sind mir die Unternehmungen dort alle sehr anstrengend geworden. Ich bin dann so nach und nach dazu übergegangen mehr und mehr nur noch zu geniessen. den Augenblick erleben und fühlen in den Tag hinein. Die Sonne und den Wind spüren. Leben wie Gott in  Frankreich. Naja... Das liegt wahrscheinlich den Deutschen so gar nicht recht im Blute doch hier für mich geht es. Einfach da sein und das Leben auf sich beruhen lassen. Das ist ganz grosse Muse für mich. Zu sitzen im Schatten unter einem Baum und den anderen Menschen zusehen wie sie ihren eigenen Film des Lebens schauspielern oder dies zumindest versuchen.
Irgendwann gegen Mittag bin ich aufs Hotel und hab mich dann noch an den Pool gelegt. Ein wenig gelesen und Kaffee.

Mittwoch 14.06.2017

Heute bin ich zu den Lavendelfeldern bei Valensole gefahren. Es waren noch ein paar andere Leute dabei. Ein älteres Ehepaar aus Australien und ein Päärchen aus Italien. Der Lavendel war herrlich wunderschön romantisch und so sanft. Die kleinen Blüten und der unbeschreibliche Duft. Wie eine andere Welt ein  anderes Universum.
Man sagt ja immer, dass lila der letzte Versuch ist, aber ist es nicht immer der letzte Versuch, bevor der Erfolg kommt. Ist nicht immer der, der letzte Versuch, der gerade online ist, weil wenn man danach Erfolg hat, kommt ja zumindestens in dieser Richtung kein neuer Versuch. Aber meine Sehnsucht wurde mehr als erfüllt. Meine Handschrift war nun eine Andere geworden plötzlich konnte ich schön schreiben, nicht mehr diese Doktorschrift und aber das relativierte sich wieder ich war glücklich eine Augenblick.

Donnerstag 15.06.2017

Heute war ich am Mittelmeer in Cassis, dem kleinen Monaco. Das Mittelmeer ist schon besonders salzig aber zum schwimmen ging es diesmal, es war kaum Wind.


Freitag 16.06.2017

Heimfahrt heute. 10:15 mit dem TGV nach Paris und dann weiter ICE nach Frankfurt und zurück nach Eisenach. Im Zug bei Karlsruhe stieg ein Mann in den Zug, der sich mir sozusagen aufdrängte, er bot mir dringlichst seine Zeitung zum lesen an. Und auch sonst unterhielt er sich mit mir über Eurpa und Gross Britanien und Trump und Putin usw. bis sich herrauskristaliesierte, dass er Richter ist. Ich fragte mich womit ich das wohl verdient hätte, aber das wird sich vielleicht noch zeigen.


Zwischen den Zeilen steht natürlich viel mehr.

Ein herrliches Strassenkonzert des Soulsängers Aaron Lordson gleich als ich ankam am Montag. Und er lachte als ich sagte: "Ich komme aus Germany aus Eisenach das liegt bei Göttingen." Na gut habe ich was zu feiern.

Einwe Analphabethin, die mich um meinen Kuli bat, ich gebe ihn sonst nie aus der Hand, und ich ihr die Adresse auf den Antrag für Sozialhilfe aufschreiben musste.

Und mein Lachen, dass ich glücklich bin, wenn ich in den Spiegel schaue, sehe ich keinen alten Mann, keinen verbitterten Menschen der um sein Leben trauert und der die Schuld der Gesellschaft und seinen Eltern gibt. Doch diese eine Woche blos für ein ganzes restliches Jahr. Eigentlich müsste man hier her ziehen. Eigentlich müsste man Künstler sein. Briefe schreiben oder Bilder malen oder Musik machen. Das Paradies auf Erden feiern oder jeden Tag glücklich sein über diese herrliche Fülle an Leben. Mit den Frauen des Cyan-Geistes? Und hier zum ersten Mal passen auch diese grossen üppigen Schmuckstücke an den Hälsen der Frauen. Die 80iger Jahre grossen Kreolen...

Alle Nase lang werde ich nach der Uhrzeit gefragt, von Jungen Menschen, die meist selbst ein Handy oder sogar eine Uhr bei sich tragen...Ob das eine Liebesbekundung ist, eine ganz kleine Versuchung der Anmache? Mir ist das bis heute nicht klar. Und doch gibt es sie hier auch irgendwie, die Enttäuschten Seelen, die Frustrierten Verlierer der Gesellschaft...Und ich? gehöre ich nun dazu? Ich unterhalte mich mit ihnen. Und viele Sagen: "Aix en Provence...Da sind die Menschen eigenbrödlerisch und Abgehoben. Versnobt mit einem Wort." Also vielleicht eher so wie in Deutschland denke ich mir. Als Tourist entdecken sie das ja nur wenn sie tiefer schauen wollen.

Stendig... überall... auf der Strasse werden Frauen angebaggert, viel mehr als ich das in Deutschland wahrnehme. Aber ich kann es gar nicht sehen bei uns, weil ich dort ein anderer Bin. Weil dort Alltag ist, und hier das besondere. Weil Dort Arbeit ist und Wohnung und Brot und keine Liebe, höchstens Liebe zur Ordnung; Liebe zum eingeschliffenem Muster. Und die französischsten Franzosen sind die Ausländer. Eingewanderte oder Hängengebliebene Italiener und Deutsche auch andere, die, die Lebensart geniessen?

Das Wasser von Aix, das Reinigen der Lavendel. Und ich denke an die Versuche zahlloser Kleingärtner in Deutschland die Provence zu sich nach Hause zu holen in dem sie sich Lavendel im Baumarkt kaufen. Und ich Denke an eine Zypresse an viele Zypressen die Zahllos in Schrebergärten stehen und einfach nur wuchern. Und an die Sendung des Dritten Programs "Topographie".
Doch Apfelsinen wachsen in Deutschland nicht.

Der Mistral, ein Furchtbarer Sturm mit Hagel, Regen und Wind. Und wie ich auch dazu gehehöre zu diesem Klima. Das Wechselseitige die cholerischen Anfälle, die nachgelassen haben seit ich Medizin bekomme.

Die fast gänzlich ausgetrocknete Rhône, weil das Wasser anderweitig benötigt wird, für die Menschen zum Trinken und für die Landwirtschaft, für Tiere und für die Industrie, die Technik.

Ein bisschen kommt es einen an, wie in dem Fim "Recal", im TGV 3h nach Paris und wieder zurück. Es gibt bestimmt Menschen, die das jeden Tag pendeln. Der Zug hält ja nur einmal in Avignon. Und da frühs um 6:00, um 7:00 ein starker Betrieb auf dem Bahnhof ist, liegt diese Vermutung nahe. Um 10:00, wo ich gefahren bin, ist der Dropps schon gelutscht.

...

 

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 24.06.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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