Christa Astl

Feuerlöschen - einmal anders

 

 

„Zum Feuerbrennen ist’s wieder!“, erinnert der Much seine Kameraden.

„Wird’s heuer überhaupt was? Wo es doch so trocken und gefährlich ist“, meint der Max. „Ja, das hab ich in den Nachrichten gehört, dass es heuer verboten ist, wegen der Waldbrandgefahr“, meint sein Sohn, der Wastl. „Geh, hört’s auf, das Feuerbrennen können sie uns nicht verbieten, das ist ein hundert Jahre alter Brauch!“, lässt sich der Much wieder vernehmen. Insgeheim hoffen sie alle, dass dieses Verbot nicht zustande käme. Vielleicht regnet es ja vorher doch noch einmal. So einen trocken, heißen Sommer hat man aber auch noch nie erlebt. – Doch, im Sommer nach dem Krieg. Damals soll beim Feuerbrennen der ganze Wald am Buchacker abgebrannt sein und der Berg ist jetzt nach 50 Jahren immer noch kahl.

Viele Gedanken machen sich die Bergfreunde nicht, sie beginnen mit den Vorbereitungen. Es braucht schon Überlegung, dass man alles mithat und nichts vergisst, immerhin sind es gute 4 Stunden Aufstieg.

Der Samstag ist da. Immer noch Hitze und Trockenheit, jeden Tag ist es im Garten zu gießen. Am Vormittag vorher noch ein paar Telefonate, wer was mitnimmt, und wer überhaupt kommt. Um 17 Uhr wollen sie sich am Parkplatz beim Aufstieg treffen. Sechs „gstandene“ Männer und die zwei halbwüchsigen Buben vom Max sind zusammen gekommen. Sie machen nicht viele Worte, als sie losgehen. Heimo, mit seinen zwölf Jahren der Jüngste, geht zwar schon ein wenig in die Knie, als er seinen Rucksack schultert, aber er lässt es sich vor den anderen nicht anmerken.

Die Lasten werden den Kräften der Träger entsprechend verteilt. Much mit seinen nunmehr 73 Jahren will nicht mehr so viel schleppen. Früher hat er ja gleich zwei Autoreifen auf seiner Kraxe getragen, oder die Kanister mit Benzin und Altöl.

Damals hat man alles verbrannt, was nur überhaupt brennbar war, Hauptsache es gab ein großes Feuer, das man vom Tal aus gut sehen konnte. Umweltschutz ist aber auch auf den Bergen kein Fremdwort mehr. Deshalb müssen sie jetzt früher aufsteigen und dürres Holz wie Äste von umliegenden Bergkiefern, Lärchen oder Fichten zusammen tragen. Natürlich wird in den Rucksäcken nicht nur Essbares sein, so genau weiß es niemand, was trotzdem noch ins Feuer kommt.

In gleichmäßigem Schritt geht es stetig bergauf. In halber Höhe steht etwas abseits das Gasthaus, da muss man natürlich zukehren. Die nassgeschwitzten Hemden werden über die Banklehnen gehängt, ein Bier oder eine Radlerrmass verdunstet hinter den durstigen Kehlen sehr schnell. Gespräche werden lockerer, Witze fliegen von Tisch zu Tisch. Aber die Zeit drängt. Unsere Acht haben erst die Hälfte des Weges hinter sich. Wieder schlüpfen sie in die inzwischen fast trockenen Hemden, wieder kommen die Rucksäcke auf die Schultern, den Buben wird ein wenig geholfen. Ja, und vom Wirt bekommen sie noch einen großen Kanister mit Wasser. „Müssen wir den mitschleppen?“, meint der Schorsch, der seit jeher immer mit dem Wenigsten zufrieden ist. Dann geht es weiter, mit den guten Wünschen der Zurückbleibenden. Vom ersten Joch lässt Much noch einen Alm-Jodler hinab klingen, dann nimmt sie der Hochwald auf. Schon werden Äste gesammelt. So ein dicker Stecken kann auch als Stütze verwendet ganz gut werden.

Den Platz wissen sie, ganz vorne am Abgrund, ein wenig unterhalb des Gipfelkreuzes. Fast jedes Jahr waren sie dort. Einmal gab es eine Rauferei, weil eine andere Gruppe an dieser Stelle ihr Feuer anzünden wollte, berichtet Much, er war damals schon dabei, „aber wir haben unseren Platz mit den Fäusten verteidigt!“

Halb zehn Uhr, alles ist so gut wie fertig, noch Zeit für ein Bier. Es heißt warten, bis es dunkel ist. Um zehn Uhr wird angezündet. Leichter Wind kommt auf, die ersten Sterne zeigen sich. Von Westen schiebt sich eine dunkle Wolkenwand heran. „Muss das ausgerechnet heute kommen?“ – „Ach was, das Wetter zieht schon vorüber“, lauten die gegenteiligen Wetterprognosen, und das nächste Bier wird dem Rucksack entnommen. Auch die Schnapsflasche kreist wieder in der Runde.

Endlich! Am Pölven, dem markantesten Gipfel, beginnt es zu glimmen, jetzt werden auch unsere Männer geschäftig. Nochmals Kontrolle, dass nichts über den Steinkreis hinaus steht, dann eine Stichflamme – und der Holzstoß brennt. Andächtig stehen sie alle herum. Es ist jedes Jahr ein besonderes, erhebendes Gefühl, in der nunmehr völligen Dunkelheit um ein Feuer zu stehen, über sich zahllose Sterne, tief unten im Tal die Lichter der Dörfer und Städte, und über allem die Stille einer Sommernacht. Auch die Buben können sich dieser Stimmung nicht entziehen. Wortlos geben sich alle die Hand. Dann lagert man sich bequem rund um die Wärmequelle, denn es wird nachts auf den Bergen doch kühler.

Plötzlich ein Windstoß, - kommt das Gewitter wirklich? Der Wind fährt in die Glut, reißt brennende Aststückchen heraus und nimmt sie mit. – Schnell springt einer der Männer auf, versucht die Glut auszutreten, doch die daneben wachsenden recht trockenen Latschen beginnen bereits zu glimmen. Was tun? „Schnell, her mit dem Kanister, den uns der Wirt gegeben hat!“ Aber wer hat ihn? Keiner. –  Fragende Blicke gehen die Runde. Kein Wasser, das letzte Bier muss zum Löschen des Feuers, nicht des Durstes, hergegeben werden. Für Beschuldigungen ist aber keine Zeit. Das ursprüngliche Feuer ist nun herab gebrannt, von dem geht keine Gefahr mehr aus, aber diese kleine Latschengruppe! Immer wieder brennt es irgendwo neu. Wenn gar noch ein Funken über den Steilabhang hinunter getragen wird, ja dann Gute-Nacht!

Panik will aufkommen. „Brunzt’s eine!“ lässt sich plötzlich die ruhige Stimme des alten Much vernehmen. Vielleicht hat er gerade den Drang verspürt, aber die Idee ist nicht schlecht, wofür hat man sein eigenes Wasser?

Acht Männer stehen um die kleine Brandstelle, mit offener Hose, und löschen mit gezieltem scharfem Strahl – und sie haben den Brand erfolgreich bekämpft!

Eine Stunde später können sie ihren Flüssigkeitsbedarf im Gasthaus wieder auftanken, oder vielleicht noch mehr. Abgestiegen sind sie erst am nächsten Tag, denn der Himmel hat in der Nacht wirklich noch seine Schleusen geöffnet und sich in einem heftigen Gewitter entladen.

 

ChA 25.06.17

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Veröffentlicht auf e-Stories.de am 25.06.2017. - Infos zum Urheberrecht / Haftungsausschluss (Disclaimer).

 

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